Montagsgedanken

Zur Ruhe kommen – lernen von Maria

Eine bestimmte Bibelstelle hat mir schon viel Mühe bereitet. Besonders in der Adventszeit. Sie steht im Lukasevangelium, in Kapitel 10: „Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog, kam er in ein Dorf, wo ihn eine Frau mit Namen Martha in ihr Haus einlud. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte ihm zu. Martha hingegen machte sich viel Arbeit, um für das Wohl ihrer Gäste zu sorgen. Schließlich stellte sie sich vor Jesus hin und sagte: ‚Herr, findest du es richtig, dass meine Schwester mich die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!‘ – ‚Martha, Martha‘, erwiderte der Herr, ‚du bist wegen so vielem in Sorge und Unruh, aber notwendig ist nur eines. Maria hat das Bessere gewählt, und das soll ihr nicht genommen werden.‘“
Ich empfand es als ungerecht, dass Martha die Küchenarbeit für viele Gäste alleine machen musste, während Maria sich zu Jesus setzte und ihm zuhörte. Der Satz von Jesus „Maria hat das Bessere gewählt“ hat mich zusätzlich geärgert. Dennoch ging er mir nach.
Ich begann mich zu fragen, wie es weitergegangen wäre, wenn Martha sich ebenfalls zu Jesus gesetzt hätte. Sicher wäre sie dann nicht mehr so unzufrieden gewesen. Sie hätte sich nicht länger benachteiligt gefühlt. Sie hätte sich auf das Wesentliche ausgerichtet und dabei einiges von Jesus gelernt. Sehr wahrscheinlich hätte sie bei ihm etwas aufgetankt, wäre zur Ruhe gekommen. Möglicherweise hätten hinterher alle zusammen das Essen zubereitet. Vielleicht hätte Jesus ein Wunder getan …
Gerade in der Adventszeit sind viele von uns sehr beschäftigt. Wir hetzen uns ab, um möglichst viel an einem Tag zu schaffen. Dabei kommt das Wesentliche schnell zu kurz.
Wie wäre es, wenn wir die „Maria-Übung“ öfter in unserem Alltag einplanen:

Ich lasse meine Arbeit ruhen.
Ich tue einfach mal nichts.
Ich setze mich zu Jesu Füßen.
Ich freue mich, nah bei ihm zu sein.
Es ist ein kostbarer Moment.
Ich möchte wissen, was er sagt.
Ich möchte ihm zuhören.
Ich möchte von ihm lernen.
Er sieht über meinen alltäglichen Kram hinaus.
Ich lasse mich von ihm neu füllen: Mit seiner Liebe, die mich umhüllt. Mit seiner Barmherzigkeit und Gnade. Sein Friede und sein Licht durchdringen mich und breiten sich in mir aus.
Ich schweige und öffne mein Herz.
Er richtet meinen Blick auf das Wesentliche.
Er tröstet mich.
Gefüllt mit neuer Kraft und seinem Frieden im Herzen gehe ich zurück in meinen Alltag.

Ellen Nieswiodek-Martin

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