Montagsgedanken

Von Maria lernen


Zugegeben: Mit manchen biblischen Texten habe ich Probleme. Beispielsweise mit der Geschichte über die Hochzeit von Kana. Warum nur hat Jesus so viel Wein gemacht? Er hat es doch sicher nicht gutgeheißen, dass die Menschen immer betrunkener wurden? Heute habe ich in einer Predigt diese Geschichte einmal aus einer neuen Sichtweise betrachten dürfen.
Maria, die Mutter Jesu, wird mir darin zu einem großen Vorbild. Als sie den Mangel feststellt, wendet sie sich damit an Jesus. Ich dagegen habe viele Anlaufstellen für meine Nöte und Sorgen. Zuallererst zermürbe ich mir den Kopf, was ich denn machen könnte, um aus der Notlage herauszukommen. Dann fallen mir vielleicht Menschen ein, die ich um Hilfe bitten könnte. Oder ich schlage in Büchern nach und frage das Internet um Rat. Das mag alles gut und richtig sein. Aber sollte meine allererste Anlaufstelle nicht Jesus sein, mein Herr und Retter, dem mein Leben gehört?
Für Maria ist klar: Es gibt ein Problem und das sage ich Jesus. Er wird sich darum kümmern. Dabei müssen wir bedenken, dass die Hochzeit zu Kana das erste Wunder war, das Jesus getan hat. Maria hatte also vorher noch nichts Gewaltiges, Übernatürliches mit Jesus erlebt, während ich doch die vielen Wunderberichte aus den Evangelien vor mir habe.
Die Antwort Jesu erstaunt mich: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?“, übersetzt Luther. Ob Jesus mit der Anrede „Frau“ statt „Mutter“ ausdrücken wollte, dass er ab jetzt in erster Linie Gottes Sohn ist? Dass seine Wahrnehmung anders ist als die von Maria? Fakt ist jedenfalls, dass Maria nicht beleidigt ist. Sie kann damit umgehen, dass Jesus sie hier „in ihre Schranken weist“, sie darauf aufmerksam macht, dass er auf Gottes Stimme hören wird und nicht mehr auf die seiner Mutter.
Ach, wie gut kenne ich von mir das Beleidigtsein und Schmollen, wenn etwas nicht nach meinem Kopf geht, wenn ich in meine Schranken, in meinen Zuständigkeitsbereich gewiesen werde. Trotzdem bin ich auch froh, dankbar und insgeheim erleichtert, wenn Gott mich in seiner Liebe darauf hinweist, dass er auf dem Thron sitzt.
Maria ist nicht nur nicht beleidigt, sondern sie gibt den Dienern die Anweisung: „Was er euch sagt, das tut!“ Das sind die letzten Worte, die in der Bibel von Maria überliefert sind. Welch ein Vermächtnis! Ich bin überzeugt, dass sie selbst danach gelebt hat. Wir finden sie ja unter dem Kreuz Jesu, so nah bei ihm wie möglich. Und sie hat auch anderen diesen besten aller Ratschläge gegeben: Tut das, was Jesus sagt.
Wenn ich mit Maria sprechen könnte, würde ich zu ihr sagen: „Danke, Maria, für dein Vorbild. Ich will von dir lernen, dass Jesus meine erste Anlaufstelle ist – für alles, was mich bewegt. Du hast mir vorgelebt, dass ich nicht beleidigt oder gekränkt sein muss, wenn sich etwas anders entwickelt, als ich mir das vorgestellt habe. Und ich möchte wie du immer mehr das tun, was Jesus sagt und auch andere auf diesen Weg mitnehmen.“

Elisabeth Malessa

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