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Befreit aus dem Griff

der Depression

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Lange Zeit hielt mich die Depression fest im Griff. Egal, was ich tat, nichts brachte den gewünschten Durchbruch. Erst als ich mit dem Glauben an Jesus in Berührung kam, veränderte sich etwas.

Eines Abends schauten wir eine Tierfilm-Dokumentation an. Ein Adlerpaar saß neben dem Nest ihrer Jungen auf einem hohen Baum. An einer Meeresküste versorgten die Adler ihre Brut mit Fischen. Der Kommentar des Sprechers lautete etwa so: „Noch ist es ruhig und die Eltern können ihre Jungen mit Fischen füttern. Doch da kommt ein Eindringling. Ein anderer Adler, der den Eltern die Fische rauben will. Das kann nicht geduldet werden, denn der Fischbestand ist begrenzt.“

Die Elterntiere bewegten sich im Sitzen von einem Fuß auf den anderen und schauten hastig um sich. Der Sprecher kommentierte: „Das Adlerweibchen dieser Gattung ist größer als das Männchen und setzt nun zum Angriff an, während das Adlermännchen bei den Jungen bleibt.“

Der Eindringling und das Adlerweibchen flogen aufeinander zu und verhakten ihre Krallen in der Luft so sehr, dass sie sich nicht mehr daraus befreien konnten. „Keiner von beiden kann in diesem Moment nachgeben“, erklärte der Sprecher. Sie stürzten im Taumelflug Richtung Boden, immer weiter zwischen die Bäume hinab, bis man sie schließlich nicht mehr sah. Wieder erläuterte der Kommentator: „Bei solchen Kämpfen ist der Ausgang ungewiss. Dem Adlermännchen und seinen Jungen bleibt nun nur noch, abzuwarten, ob die Mutter zurückkehrt.“

Banges Warten

Der männliche Adler saß auf einem Ast neben dem Nest und schaute hektisch von dem Ort, an dem das Weibchen verschwunden war, auf seine Brut und wieder zurück. Seine hastigen Kopfbewegungen verrieten seine Anspannung. Die Jungen kreischten. Vielleicht erkannten sie intuitiv die Brisanz der Lage. „Minutenlanges Warten und Bangen ...“ Die Kamera schwenkte abwechselnd vom Ort des Kampfgeschehens zu dem ratlosen kleinen Adlermann und seiner Brut. „Doch da! Einer der Adler schwingt sich empor. Die Adlermutter hat es geschafft!“

Genau wie dieser ungebetene Eindringling ergriff mich eines Tages die Niedergeschlagenheit und verhakte sich in meiner Seele wie die Krallen dieser Adler. Mein Taumelflug und Kampf dauerten jahrelang und schienen kein Ende zu nehmen. Mein Mann und meine Kinder konnten nur machtlos zusehen. Mit allen Mitteln kämpfte ich dagegen an, und es war tatsächlich wie ein Kampf gegen einen hartnäckigen Eindringling. Ich entschloss mich zu einer Psychotherapie. „Haben Sie schon einmal an Suizid gedacht?“, war eine der ersten Fragen, die man mir stellte. Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch keine Beziehung zu Gott, aber rückblickend danke ich ihm, dass er mir meinen Mann und meine Kinder geschenkt hat, denn er wusste genau, dass die Liebe zu ihnen mich davon abhalten würde, mir etwas anzutun.

Woher kommt Hilfe?

Die Psychotherapie half nur bedingt. Da es mir nicht wesentlich besser ging, versuchte ich es mit alternativen Heilmethoden wie fernöstlicher Meditationstechnik, positivem Denken und Affirmationen, Esoterik und Reiki. Nichts davon half. Alle menschliche Hilfe war ohne den gewünschten Effekt. Im Gegenteil – die Schwermut und Niedergeschlagenheit wurden sogar schlimmer. Es schien, als sei ich in einer falschen Richtung unterwegs.

Wie bei dem Adlerweibchen war auch bei mir der Ausgang ungewiss. Damals war ich noch weit entfernt von Gott und es ist mir heute ein Rätsel, wie ich das überstehen konnte. In mir war jedoch eine leise Hoffnung nach irgendetwas oder irgendjemandem, der mir hilft, und ich sagte mir immer wieder: „Ich weiß, es wird zu etwas gut sein. Es muss zu irgendetwas gut sein. Ich werde nicht aufgeben.“

Durch eine christliche Broschüre kam ich mit dem Glauben an Gott in Berührung und wusste sofort: Das ist es, wonach ich all die Jahre gesucht habe. Letztendlich war es allein Jesus, der mich aus dem Griff der Depression löste, als ich ihm meine Sünden bekannte und ihn bat, in mein Leben zu kommen. Er hat das Unmögliche möglich gemacht. Ich fing an, die Bibel und christliche Literatur zu lesen, zu beten und Predigten zu hören. Vor allem baute ich eine innige Beziehung zu Jesus auf und er befreite mich nach und nach von dieser Niedergeschlagenheit. Es war ein Prozess, und es ging nicht von heute auf morgen, doch danach schwang sich meine Seele wieder empor wie ein Adler, ich atmete tief durch und fühlte mich frei. Ich konnte meine Familie wieder versorgen, wieder lachen und fröhlich sein.

Schwere Zeiten kommen und gehen, aber ich kann jetzt anders damit umgehen, weil ich Jesus vertraue und weiß: Mit ihm kann ich alles durchstehen. Wirklich alles.

Es war ein Prozess, und es ging nicht von heute auf morgen, doch danach schwang sich meine Seele wieder empor wie ein Adler, ich atmete tief durch und fühlte mich frei.

Niemals aufgeben

Ich bin so froh, dass ich durchhielt und nicht aufgab. Egal, in welcher aussichtslos erscheinenden Lage wir auch sein mögen, es ist so wichtig, nicht aufzugeben. Vielleicht machen wir uns Sorgen um das Weltgeschehen, die steigenden Preise, die Naturkatastrophen und Kriege. Vielleicht belasten uns die eigenen Lebensumstände: eine Krankheit, Eheprobleme, Schwierigkeiten mit den Kindern oder Verwandten, oder wir sind einsam und fühlen uns verlassen. Welche Herausforderungen wir auch haben: Jesus ermutigt uns, durchzuhalten. Er hat mich und viele andere von der Niedergeschlagenheit befreit, und er kann es bei jedem von uns tun. Es hat eine Zeit lang gedauert, doch irgendwann konnte ich wieder sagen:

„Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler“ (Psalm 103,1–5).

Veröffentlicht am 17. Januar 2024

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4 Antworten

  1. Danke Renate. Das kann ich nur bestätigen. Nur Jesus allein gibt Hoffnung. Ich leide schon seit Jahren an einer Depression und PTBS. Es gibt gute und schlechte Zeiten. Aber dank Jesus und meiner Familie bin ich noch am Leben. Frag dich nicht ,,Warum ich?'',sondern ,,Wozu?'' Unser starker Gott kann aus jeder Situation etwas gutes tun. Ich hab verstanden dass Er meine Depression in der Seelsorge perfekt einsetzen kann. Eine an der Depression erkrankte Frau muss spüren dass man ihr glaubt und sie versteht. Und ohne meine Erfahrungen könnte ich es . Deshalb sehe ich meine Krankheit mittlerweile als riesigen Segen. Ich möchte jede Frau ermutigen. Unser Gott ist der Größte.

  2. Danke für den hoffnungsvollen Beitrag.

    Ich möchte ihn durch meine eigene Geschichte ergänzen:

    Ich war "schon immer" Christ, habe mich aufgrund eines wunderbaren Erlebnisses als Jugendliche bekehrt und viele Jahre meinen Glauben an Jesus und meine Erlösung durch ihn ganz bewusst gelebt.
    Dennoch und auch trotz insgesamt "gutem" Leben (Familie, Job, Haus, Ehrenamt, einfach alles passte) wurde ich mit ca. 40 Jahren schwer depressiv.

    In dieser Situation empfand ich meinen Glauben als belastend, denn ich war der Überzeugung, dass ich als Christ nicht depressiv werden dürfe/könne, weil ich ja bereits in Jesus neu geboren und durch ihn erlöst bin. Also war ich in meinen Augen kein guter Christ und schämte mich. Es fühlte sich an,als wäre ich von Gott abgeschnitten, meine Gebete würden nicht gehört und Gott sprach nicht zu mir, zeigte mir nicht den richtigen Weg .

    In der Psychoherapie lernte ich, meinem Glauben dennoch zu trauen, obwohl ich ihn nicht empfand, aber genauso war es ja mit allem: entgegen meinem momentanen Empfinden wusste oder hoffte ich ja auch irgendwo tief drinnen, dass ich eines Tages wieder frei und fröhlich sein werde und wieder die Kraft habe, am Leben teilzunehmen und Liebe zu empfinden. Ich akzeptierte, dass ich Geduld haben muss. Eines Tages wieder spüre, wie mich Gottes Liebe umfängt und dass die Depression weder meine, noch Gottes Schuld ist, genau wie andere Krankheiten auch.
    Es hat nichts mit zu wenig oder dem falschen Glauben zu tun.

    Dieser Weg war hart, aber ich habe es schließlich geschafft, wieder ins Leben mit all seinem Reichtum zurückzukehren.

    Dank sei Gott!

  3. Ich finde aber auch die Theorie von Alice Miller interessant, dass Depression dadurch bleibt, weil man versucht, Eltern zu verzeihen, was sie einem als Kind angetan haben - wenn es denn unverzeihlich war. Und gerade Christinnen und Christen leben ja nach dem Gebot, die Eltern ehren und lieben zu "müssen": Damit verbauen sie sich den Befreiungsschlag (der nicht in einem ewigen Streit besteht, sondern im Abbruch des Kontaktes zu den Eltern).

    LG Victoria

  4. Liebe Victoria. Da ist was dran. Das erlebe ich seit 2008. Das Gebot macht es einem nicht einfach. Vor allem, weil es da nicht steht, dass man nur die "guten" Eltern ehren soll,sondern egal welche. Man soll es grundsätzlich tun.

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