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Montagsgedanken

Hinter dem Zaun

Oh nein. Schon wieder Kühe. Wann sind wir endlich hinter dem Zaun? Ich mag diese Wanderwege, die über Viehweiden führen, kein bisschen. Den Tieren den Nasenrücken kraulen, wenn sie hinter dem Zaun stehen, ist was anderes. Aber ohne? Vor meinem inneren Auge tauchen Kindheitserinnerungen auf mit ausgebüxten Rindern, oder Nachbars Pferd, der großen Kalinka, die plötzlich in unserem Garten stand und den Weg zur Schule blockierte. Oder ich sehe noch die Herde Jungvieh den Hügel herunterstürmen, während ich mich gerade noch hinter den Zaun rette.

Auf der heutigen Wanderung gibt es eine besondere Herausforderung: vor uns befindet sich eine Herde schottischer Hochlandrinder mit neugeborenen Kälbchen. Ob Kühe wohl auch zu wilden Löwinnen werden, um ihren Nachwuchs zu beschützen? Ich wage es nicht, das kleine wuschelige Etwas im Gras näher zu betrachten. Geschweige denn, einem der uns anglotzenden Tiere in die Augen zu schauen. Ich höre ihren rasselnden Atem, ihr Schnauben. Die Hörner sind riesig. In meiner Fantasie sehe ich mich bereits „unter die Hufe gekommen“ am Boden liegen. Mein Mann schreitet mutig voran, während ich ihm an den Fersen klebe. Besser wäre, er könnte sich zweiteilen, um mich von vorn und hinten zu beschützen. Wer weiß, ob die Kühe nicht doch die Verfolgung aufnehmen? Besser, ich drehe mich gar nicht erst um. Zig Mal war nun der Zaun schon in erreichbarer Nähe. Doch der Wanderweg bleibt hartnäckig innerhalb der Weide. Im Nieselregen passieren wir eine weitere Herde. Hoffentlich erschreckt sich kein Tier, wenn wir plötzlich aus dem Nebel auftauchen. Wie Indianer schleichen wir zwischen den Kühen hindurch. Schon wieder dringt Glockengebimmel an mein Ohr, es ist ganz nahe. Ich will einfach nur noch raus hier.

Endlich führt der Weg hinter den Zaun. Erleichtert atme ich auf, meine Muskeln entspannen sich. Was für ein gewaltiger Unterschied: Eben hing mein Herz noch in der Hosentasche – und jetzt lache ich fröhlich über den Zaun. Die Kühe erscheinen so harmlos.

Noch am Abend beschäftigt mich der Zaun: Wie begegne ich möglichen Angreifern, die sich im Alltag bedrohlich vor mir aufbauen? Psalm 91 spricht von „Gedankenpfeilen“, die am Tag fliegen; von der schleichenden Seuche der Zweifel, Niedergeschlagenheit, der Selbstzerfleischung, die im Finstern schleicht. Da gibt es Sorgen um geliebte Menschen, Krankheit, seelische Schwachheit, Einsamkeit, Missverstanden-Werden von Freunden und vieles mehr.

Stelle ich mich „hinter den Zaun“, ist Gott mein Schutzschild, der jedem Angriff gewachsen ist? Kann ich meinem Feind ins Angesicht sehen, weil Jesus mich von allen Seiten umgibt und der Feind keine Macht über mich hat?

In Psalm 139 Vers 5 steht: Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen und deine Hand auf mich gelegt.

Und Jesaja ermutigt uns: Der Herr zieht vor euch her, und der Gott Israels ist eure Nachhut! (Jesaja 52,12b):

Als ich den Vers im Zusammenhang lese, erkenne ich: Ja, unser Herr kann das: sich teilen! Uns von allen Seiten umgeben! Er war die Feuersäule, die dem Volk Israel vorausging und den Weg zeigte. Und Er war die Wolkensäule, die sich hinter sie stellte, sodass die Feinde ihnen nichts anhaben konnten. Wie eine Mauer. Wie ein schützender Zaun. Auch ich darf mich in Gottes Schutzraum bewegen. Immer und überall.

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