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Montagsgedanken

Sturmfrisur

Als ich vor Kurzem mit vom Wind zerzausten Haaren auf einer Seebrücke stand und die Wellen ganz nah unter mir an die Betonpfeiler klatschten, musste ich an die Jünger auf dem See Genezareth denken (Matthäus 8,23–27). Welcher Urgewalt waren sie in diesem Sturm ausgesetzt – und doch sollten sie keine Angst haben? Wenn einem das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht, wird man sich doch fürchten dürfen, oder?

Ja. Darf man. Hat Jesus auch getan. Nicht im Boot auf dem See, aber in einem seiner dunkelsten Momente: im Garten Gethsemane (Lukas 22,39–44). Er hatte so schreckliche Angst, dass unter diesem Stress Blutgefäße geplatzt sind und er nicht nur Wasser, sondern auch Blut „geschwitzt“ hat. Zuversicht und Kraft verließen ihn. Was er aber nicht verlor, war das Vertrauen in seinen Vater. Er wusste nicht nur theoretisch, dass er vor Gott echt sein durfte: in seiner Angst, seinem Verlassen-Fühlen und sogar in seinem sehnlichen Wunsch, das Bevorstehende nicht durchmachen zu müssen. Vielleicht hat er auf dem Boden gelegen, laut geweint und Gott bis zur Erschöpfung angefleht. Aber war das denn „erlaubt“? Ist er dabei wirklich sündlos geblieben? Ja. Denn Jesus warf sein Vertrauen in seinen Vater nicht weg. Er überließ Angst und Mutlosigkeit nicht das Kommando. Das gehörte immer noch seinem Vater.

Wie weit bin ich von dieser Einstellung entfernt! Wie schnell haut mich das kleinste Problem aus den Socken! Gerade noch bei wolkenlosem Himmel Gott dankbar gelobt und gedacht, nichts kann mich von seiner Seite vertreiben – als das plötzlich aufgetauchte graue Wölkchen meine gute Laune den Bach runterschickt und ich beginne, Gott Vorwürfe zu machen. Wie unvorstellbar groß muss Gottes „Geduldspool“ sein, aus dem er immer wieder schöpft, um es mit seinen unzufriedenen und ängstlichen Kindern auszuhalten!?

Ich glaube, Gott geht anders vor, als wir es tun: Er denkt vom guten Ende her! In Hebräer 12,2 finden wir eine Erklärung dafür, wie Jesus diesen furchtbaren Weg tapfer gehen konnte: „Er war bereit, den Tod der Schande am Kreuz zu sterben, weil er wusste, welche Freude ihn danach erwartete.“ Diese Denkweise hilft! Gott verspricht, dass wir durch Probleme lernen können, geduldig zu sein, und diese Geduld uns stark macht und unsere Hoffnung wachsen lässt (Römer 5,3–4). Wir dürfen jammern und Angst haben, wenn es schwierig für uns wird. Aber was unsere Perspektive verändert, ist die Gewissheit, dass wir nicht unberechenbaren „Wellen des Schicksals“ ausgeliefert sind, sondern Gott aus allem, was passiert, etwas Gutes machen kann! Sogar aus Angst, Schmerz, Verlassen-Fühlen und Tod.

Wenn also das nächste Mal die ersten Sturmböen meine Frisur in Unordnung bringen, will ich näher an meinen Freund Jesus heranrücken. Und da er nicht nur weiß, wie ich mich fühle, sondern in der Lage ist, mich durch jeden Sturm zu bringen, kann ich manches über Bord werfen – aber sicher nicht mein Vertrauen in ihn!

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