Es ist ein kalter Winternachmittag, als ich nachdenklich von der Trauerfeier einer Kollegin nach Hause komme. „Nach langer schwerer Krankheit“ und doch auch „plötzlich und unerwartet“ ist diese vor einigen Tagen verstorben.
Ich wollte sie doch in diesem Monat noch mal besuchen, geht es mir durch den Kopf. Mein schlechtes Gewissen meldet sich. Ich fühle mich schuldig, wenn ich an die verpasste Gelegenheit denke; diese Tür hat sich für immer geschlossen. Der Job, persönliche Termine, Wäscheberge und eigene Befindlichkeiten sind regelmäßig dazwischengekommen.
Gleichzeitig muss ich an den Tod meines Großvaters denken, der vor vielen Jahren an einem Hirntumor verstorben ist. An seinem – was ich damals nicht wusste – letzten Tag wollte ich ihn noch einmal besuchen. Ich hatte bereits meine Jacke angezogen und den Autoschlüssel in der Hand, als das Telefon klingelte: „Opa ist gerade gestorben“, erklang die Stimme meiner Mutter, nachdem ich den Hörer abgenommen hatte.
Noch heute frage ich mich, warum ich an jenem Morgen im Bad getrödelt habe und das Bett unbedingt frisch beziehen musste, bevor ich losgefahren bin. Noch heute habe ich ein schlechtes Gewissen.
Ich erzähle einer Kollegin von diesen beiden „Türen“, die sich für immer geschlossen haben, und von meinen Schuldgefühlen.
Meine Kollegin erinnert mich daran, dass ich auch jetzt noch um Vergebung bitten darf. Dass ich auch jetzt noch meine Schuld ans Kreuz tragen kann.
Diese Gedanken lassen mich nicht los. Ich spüre, dass es Zeit braucht, bis die Schuldgefühle abebben – bis ich wirklich loslassen kann. Aber eines weiß ich: Ich will es in Zukunft anders machen. Ich will mir bewusster Zeit für andere nehmen, innehalten, wenn eine Begegnung möglich ist, und nicht erst zu spät merken, dass sich eine Tür bereits geschlossen hat.
Ich bin noch auf dem Weg, aber ich gehe ihn – Schritt für Schritt.