Montagsgedanken

Eine Frage der Perspektive

Seit ich Mama bin, habe ich eine ganz neue Form von „Bestechlichkeit“ an mir entdeckt: Wenn jemand liebevoll mit meinen Kindern umgeht, kann ich gar nicht anders – ich mag diese Person sofort. Mein Herz geht auf, und jedes nette Wort an meine Kinder landet über diesen kleinen Umweg direkt bei mir.

Als Teenager habe ich mich oft gefragt, ob Gott‑Vater sich vielleicht vernachlässigt fühlt, weil ich meistens zu Jesus betetete. Inzwischen habe ich verstanden: Es landet ohnehin alles im selben „Briefkasten“ der göttlichen Familie. Doch heute berührt mich vor allem ein anderer Gedanke: Mit jedem Lob für Christus berühre ich auch das Vaterherz Gottes. Ich löse womöglich eine Emotion bei ihm aus, die ich selbst erst seit meiner Mutterschaft wirklich begreife – und die ich nun mit dem Höchsten teile.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst …“

Kürzlich las ich wieder, wie wichtig es Gott ist, dass wir „Kinder“ uns untereinander lieben – nicht nur im Sinne einer friedlichen Koexistenz, sondern mit echter, herzlicher Zuwendung. Ironischerweise hatten wir dazu heute eine Diskussion in unserer Gebetsgruppe: Wie gehen wir mit dem sperrigen Charakter einer älteren Schwester um, die jemanden verletzt hat? Wäre sie nicht meine Glaubensschwester, hätten wir vermutlich kaum Berührungspunkte. Sie ist einfach nicht „mein Typ Mensch“.

Jemand sagte: „Egal was ist – sie liebt den Herrn.“ Das stimmt. Doch im Alltag hilft dieser Satz oft wenig, um tatsächlich Nähe oder Verbundenheit zu empfinden. Dann drehte ich den Gedanken um: Egal was ist – der Herr liebt sie.

Und plötzlich bekam alles eine neue Perspektive. Wenn ich dieser Person liebevoll begegne, berühre ich damit direkt Gottes Vaterherz. Wir kennen den Vers: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Aber durch meine eigene Erfahrung als Mutter hat er für mich eine neue Tiefe bekommen.

Wenn du also das nächste Mal bewusst nett zu einem „schwierigen“ Glaubensgeschwister bist, halte dir vor Augen, was du damit im Herzen eures gemeinsamen himmlischen Vaters auslöst.

Es ist vielleicht die schönste Motivation, über den eigenen Schatten zu springen: Du kannst Gott eine Freude machen. Lieben fällt oft leichter, wenn wir nicht verzweifelt in unserem eigenen – manchmal doch recht dunklen – Herzen nach passenden Gefühlen suchen, sondern den Blick auf das Herz der Liebe selbst richten.


Désirée Wiktorski

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