Wo ist mein Prinz?

 

 

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Gerade am Valentinstag sehnen sich viele Frauen nach einem Prinzen, der das Leben mit ihnen teilt. Zum ersten Mal begegneten mir diese Gefühle, als ich etwa sieben Jahre alt war. Bei einem Besuch bei unserer Tante durften wir uns auf ihrem Wollteppich vor dem Fernseher ausstrecken und uns vom Wintermärchen „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ ins Glück entführen lassen.

Der Film vereinigte alle meine Träume: Ein großes, stolzes Pferd – der Freund, der alles versteht. Die Flucht aus dem grauen Alltag – Befreiung von den Schikanen, Verpflichtungen und Meinungen anderer. Die Jagd, das Abenteuer – wild sein, frei sein, in der ungezähmten Natur und zwischen den Tieren zu Hause sein. Und schließlich die Befreiung durch den Prinzen – umworben, umkämpft, bewundert zu sein wie eine Prinzessin. Gesucht und gefunden zu werden. Als etwas ganz Besonderes erkannt zu werden, obwohl man nur ein hässliches „Aschenbrödel“ ist.

Sehnsucht nach dem Einen

Spätestens in der siebten Klasse wurde mir klar: Ich kann nicht glücklich werden, wenn ich diesen Prinzen nicht finde! Aber da waren keine Prinzen, keine Gentlemen. Nur pubertierende, pickelige Teenager, die mich mit ihren vulgären Sprüchen schockierten. Vorsichtig schraubte die Realität meinen Anspruch herunter: Es gibt keine Prinzen, die auf weißen Pferden reiten. Es gibt keine Jungs, die keine Pornos gucken (zumindest war mir keiner bekannt). Es gibt hier niemanden, der sexuelle Reinheit schätzt. Man muss die Menschen nehmen, wie sie sind. Aber auch unter den Alltagsprinzen, denen ich heimlich hinterherschaute, schien sich niemand für mich zu interessieren. Ich war frustriert.
„Habe deine Lust am Herrn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht“ (Psalm 37,4). Dieser Vers stand eingerahmt neben meinem Bett und veranlasste mich dazu, mich mit meinem ganzen Frust an Gott zu wenden: „Du hast mir versprochen, mir zu geben, was mein Herz sich wünscht! Wo ist mein Prinz? Wie lange soll ich noch warten? Wie oft noch beten?“

Verändert durch Liebe

Es sollte noch einige Jahre dauern, bis ich meinen Prinzen fand. Doch dass es so lange dauerte, lag vor allem daran, dass ich ihn auf der Erde suchte. Dabei wartete er schon längst im Himmel auf mich.
Je mehr ich ihn kennenlernte, desto mehr liebte ich ihn. Viele Monate verbrachte ich drei Stunden täglich mit ihm. Es waren unsere „Flitterwochen“. Ich lernte, die Welt und mich selbst mit seinen Augen zu sehen. Er war mein Zufluchtsort, meine Burg, in die ich vor dem grauen Alltag floh. Er brachte meinem Herzen Frieden, weil ich wusste, dass er sein Leben für mich riskiert hatte, um mich zu retten und zu beschützen. Seine Nähe machte mich stark und mutig – ob ich vor Menschengruppen sprach, in einer Prüfung saß oder mich bei anderen entschuldigen sollte. Seine Liebe machte mich glücklich und selbstlos. Ich konnte anderen zuhören und für sie da sein, weil ich nicht mehr so sehr mit mir selbst beschäftigt war. Mit ihm stand ich über den Dingen, über der Meinung der Menschen und den Sorgen des Alltags. Er machte mein Herz so voll von sich, dass kein Platz mehr für Leere blieb. Mit ihm kam auch das Abenteuer in mein Leben. Für ihn wollte ich mein Bestes geben, und dafür war ich bereit, meine Komfortzone zu verlassen. Er schenkte mir den Sieg über meine Ängste, Süchte, Sünden und Sorgen.

Mein wahres Märchen

Dabei verließ ich ihn ständig. Fiel hin, lief davon, verletzte mich und suchte anderswo mein Glück. Ich vergaß ihn, nahm ihn für selbstverständlich und liebte andere mehr als ihn. Aber immer ging er mir nach, suchte mich, fand mich und eroberte mein Herz von Neuem. Er vergab mir und schenkte mir hundert neue Chancen. Er sah mich, wie ich war – als Aschenbrödel –, und wollte mich. Er machte mich zu der Prinzessin, die ich immer sein wollte. Er lehrte mich wahre Schönheit.
Nie wieder habe ich seitdem den Aschenbrödel-Film gesehen. Er erscheint so blass gegen das, was ich erlebe. Mein Leben ist jetzt mein Märchen, auch wenn das Happy End noch nicht gekommen ist. Ich warte auf ihn – meine erste Liebe. Denn eines Tages wird er wiederkommen, wie er es versprochen hat (Johannes 14,3). Mein Herr und mein Gott. Mein Jesus!

Ronja Wolf ist leidenschaftliche Bloggerin. Dieser Artikel erschien in LYDIA 1/2018.

     

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