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Montag, 14.08.2023

Sonntagmorgen am

Bügelbrett

Eigentlich lasse ich die Hausarbeit am Sonntag ruhen. Auch Bügeln steht dann nicht auf meinem Plan. Doch heute bin ich bei „Snack und Talk“ in unserer Gemeinde eingeteilt. Das Team trifft sich vor dem Gottesdienst, kocht Kaffee, stellt und dekoriert die Tische und verteilt Süßigkeiten und Gebäck auf Tellern. Seit einigen Jahren laden wir die Besucher im Anschluss an den Gottesdienst ein. Eine schöne Möglichkeit, um miteinander zu reden, sich auszutauschen und gestärkt in die neue Woche zu gehen. Gemeinschaft tut gut.

Ich habe mir schon am Vortag meine Dekoartikel und die Blumen griffbereit hingestellt, und auch mein Outfit bin ich bereits gedanklich durchgegangen. Ich möchte pünktlich und vorbereitet in den Sonntag kommen. Aber halt: Die Bluse ist ja noch in der Wäsche! Also stelle ich die Waschmaschine an und hänge die Wäsche auf. Pünktlich zum Sonntag ist die Bluse dann getrocknet und wartet auf das Bügeleisen, denn ganz ohne geht es nicht. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich mit der Arbeit beginnen sollte.

Als ich mir die Bluse auf dem Brett zurechtlege und die Temperatur des Bügeleisens überprüfe, kommt mir in Anbetracht der Zeit spontan der Gedanke, nur die Vorderseite zu bügeln. Da ich einen langen Strickmantel darüber tragen werde, kann man die Rückseite nicht sehen, und auch die Ärmel bleiben verdeckt. Den Blusenkragen streiche ich noch glatt, das sollte dann ausreichen.

Ich ertappe mich, wie ich über diesen Einfall schmunzeln muss. Verhalte ich mich im Alltag nicht oft ebenso wie mit der Bluse? Die Vorderansicht, der erste Eindruck, ist „perfekt“, doch die zerknitterte andere Seite bleibt verborgen, wie durch einen Mantel vor der Entdeckung geschützt. Nur ich kenne die wahren Falten und Unebenheiten. Es ist eben nicht alles glatt im Leben, beschwichtige ich mein Gewissen schnell. Doch der Gedanke beschäftigt mich weiter. Denn da ist Gott, der durch meinen Mantel hindurchsieht, bis tief in mein Herz. Vor ihm kann und muss ich nichts verstecken. Er kennt meine Vorder- und Rückansicht wie kein anderer und weiß um meine Falten und Knitter. Dennoch liebt er mich so, wie ich bin. Zu ihm kann ich kommen, auch völlig „ungebügelt“. Ich bin dankbar für diese Erkenntnis an einem Sonntagmorgen am Bügelbrett.

Übrigens habe ich die Bluse dann doch noch komplett gebügelt. Es fühlte sich einfach besser an.

Birgit Ortmüller

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8 Antworten

  1. Ich habe mir eine gebrauchte Gitarre zugelegt - da ist auf der Rückseite auch ein schwarzer Fleck, aber beim Spielen merkt das keiner - und dem Klang der Gitarre tut es auch keinen Abbruch. Es ist eben nichts im Leben perfekt. Und wir Menschen - selbst der Frömmste - sind es auch nicht!

  2. Vielen Dank für das anschauliche Beispiel! Ja, Gott ist ein Gott, der mich durch und durch kennt und mich TROTZDEM liebt! Das ist mir immer wieder unbegreiflich und ich bin, gerade heute an meinem Geburtstag, UNENDICH dankbar dafür: "Du bist ein Gott, der mich sieht." Alle Knitter, Flecken, Falten und alle schönen Details kennt er und steht zu mir. Danke Gott!

  3. Ich hätte die Bluse auch komplett gebügelt. Man weiß ja nie, ob man die Tarnung tatsächlich über den Tag aufrecht erhalten kann...(ironisch gemeint)
    So verhält es sich auch, wenn wir uns in irgendeiner Weise verstellen, niemand kann das unendlich tun.
    Darum lieber gleich die Verknitterung offen legen.
    Der Beitrag spricht mich sehr an. Danke dafür.

  4. Genauso ist es , wie oft soll es nach außen schön und perfekt aussehen ! Sein Innerstes gibt man nicht gerne preis, aber Gott kennt mich und wie tröstlich das ich mit all meiner Sorge und allen Fehlern zum ihm kommen kann. Übrigens habe ich auch schon Sonntag Morgen s gebügelt! Mit einem schlechten Gewissen und den Worten meines Vaters in Gedanken: „Was Du am Sonnabend kannst besorgen das schiebe nicht auf Sonntag Morgen!

  5. Liebe Frau Irmi D,
    herzliche Glück- und Segenswünsche zu Ihrem Geburtstag. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag.

    Liebe Grüße
    Birgit Ortmüller

  6. Wie mich das befreit! Auch ich habe ständig das Gefühl, Gott nicht völlig zu genügen und habe Ausreden noch und noch…

    Danke für diesen Beitrag. Gott nimmt auch mich so, wie ich bin!

  7. Wie mich dieser Beitrag befreit! Ich habe ständig das Gefühl, Gott nicht völlig zu genügend. Aber ich bin froh, so angenommen zu werden, wie ich bin!

    Vielen Dank für Ihren wertvollen Kommentar!

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