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Montag, 10.04.2023

Innehalten -

um mich füllen zu lassen

Vor ein paar Wochen war ich mit einer Gruppe in Israel. An einem Samstag besuchten wir Jerusalem.

Die Juden feiern am Samstag Schabbat; uns war daher klar, dass jüdische Geschäfte und Lokale geschlossen sein würden. Wir liefen den Ölberg hinunter bis zur Westmauer, bei uns als Klagemauer bekannt. Nachdem wir die Sicherheitskontrolle hinter uns hatten, gingen wir zur Mauer in den Frauenbereich. Es waren viele Frauen dort, die im Stehen mit dem Gesicht zur Mauer beteten. Andere saßen auf Stühlen und lasen in der Bibel. Als eine Frau aus unserer Gruppe das Handy in die Hand nahm, kam eine Jüdin auf sie zu und meinte, sie möge das Handy wegstecken. Am Sabbat solle man kein Handy nutzen. Wir mögen bitte ihre Schabbat-Regeln respektieren.

Orthodoxe Juden nehmen den Ruhetag sehr ernst. Dass die Handynutzung verboten ist, erkläre ich mir damit, dass das Handy unsere Gedanken ablenkt und von der Ruhe wegführt; es zerstreut unsere Gedanken.

Gott gab seinem Volk am Berg Sinai die Anweisung, am siebten Tag zu ruhen (2. Mose 20,8–11). Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht, er ruhte am siebten Tag. Kein anderes Gebot wird so ausführlich beschrieben.

Der Schabbat soll der körperlichen, seelischen und geistlichen Erholung dienen. Es geht nicht um Verbote, sondern es geht darum, innezuhalten, nichts zu tun und dadurch Zeit zu haben für Gott und andere Menschen. Der Ruhetag ist durch Rituale deutlich abgegrenzt von den anderen Tagen. Er beginnt, wenn drei Sterne am Himmel sind, und endet am Samstagabend, wenn wieder drei Sterne zu sehen sind. Es gibt Rituale zu Beginn des Schabbats am Freitagabend und Rituale am Samstagabend, die den Ruhetag beenden. Für die meisten Christen ist Sonntag der wöchentliche Ruhetag. Sie erinnern sich daran, dass Jesus am dritten Tag – an einem Sonntag – auferstanden ist.

Ich nehme die Erinnerung an den Schabbat mit in meinen Familienalltag: Ich möchte unseren Ruhetag, den Sonntag, nicht mit Aktivitäten füllen, sondern mich füllen lassen. Er.füllt – zu diesem Thema haben wir in den vergangenen Wochen Impulse für die Fastenzeit veröffentlicht. Gott möchte mich füllen: Mit seinem Frieden, seiner Liebe. Er möchte meiner krisengeplagten und zerstreuten Seele Ruhe schenken. Er hat gute Gedanken über uns.

Um mir das bewusst zu machen, um wahrzunehmen, was Jesus für uns alle getan hat, um zu verstehen, was Jesus uns vorgelebt hat, brauche ich nicht nur Zeit, sondern auch Abstand von den vielen Gedanken und Plänen, den ToDo-Listen und Veranstaltungen. Ich möchte den Ruhetag nach jüdischem Vorbild gestalten und mich neu füllen lassen. Möchte Gottes Gedanken, seine Liebe und seinen Frieden in mich aufnehmen.

Auch an den Wochentagen brauche ich dafür Freiräume, Zeiten der Ruhe und der Besinnung. Das ist leichter gesagt als getan. Ich nehme mir vor, zwischendurch innezuhalten und Gott im Alltag wahrzunehmen. Es muss nicht immer eine Bibelarbeit sein. Es kann auch bedeuten, eine Minute innezuhalten, um die Landschaft anzuschauen und wahrzunehmen, wie grandios Gott die Natur geschaffen hat. Eine Minute innezuhalten und wahrzunehmen, wie einzigartig er den menschlichen Körper gemacht hat. Das merkt man dann besonders, wenn ein Körperteil nicht so funktionieren kann, wie es soll. Es gibt viele Gelegenheiten, im Alltag innezuhalten und sich auf Gott zu besinnen.

Heute, am Ostermontag, einem „Bonustag“, will ich mir Zeit nehmen, um in Ruhe den Text in Johannes 19 und 20 lesen und mir bewusst zu machen, welches unvorstellbare Opfer Jesus gebracht hat – für mich. Und für jeden, der an ihn glaubt!

Ellen Nieswiodek-Martin

"Danke" an die Autorin

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3 Responses

  1. Herzlichen Dank für die anschaulichen Gedanken und Worte.
    Ja, im Alltag gibt es etliche Möglichkeiten.
    Innehalten um mit meinem Herrn Zeit zu verbringen, mich füllen lassen von IHM, in der Natur IHN zu erkennen, zur Ruhe kommen, das ist, was zu innerem Frieden mit beiträgt und zum Loben anspornt!

    Unser Gott ist gut. Er wird uns segnen.
    Alle Tage ist er bei uns!!

  2. Danke für diese wunderbare Beschreibung des Sabbats, ein Geschenk, das Gott uns bereits bei der Schöpfung gegeben hat, lange bevor es die Juden als Volk gab. Auch Jesus ruhte am Sabbat im Grab, bevor er am Sonntag auferstand. Auch nach seiner Auferstehung hielten die Jünger den Sabbat und ich finde keinen Text in der ganzen Bibel, die darauf hindeutet, dass sich am Sabbatgebot i- was geändert hätte. Bis Kaiser Konstantin 321 aus politisch/religiösem Kalkül den Sonntag einführte, um es den sogenannten Heiden leichter zu machen, Christen zu werden. Damit kamen dann auch jede Menge heidnische Bräuche, fortan unter christlichem Deckmantel hinzu.
    Es lohnt sich tatsächlich mal, auf der Webseite des Vatikans nach dem Sabbat"thema" auf die Suche zu gehen und frau wird dort (zwei) erstaunliche Dinge entdecken...u.a. warum Protestanten schon lange keine Protestanten mehr sind...
    Für die Juden wünsche ich mir, dass auch sie die wahre Bedeutung des Sabbats wieder entdecken, die hier so schön beschrieben wurden und sich nicht durch die 631 Zusatzgebote einengen und dadurch vom wahren Zweck ablenken lassen.

  3. Ich danke Ihnen, liebe Frau Nieswiodek-Martin, sehr herzlich für diese sehr wertvollen Gedanken.!
    Gottes Segen weiterhin für Sie und allen Ihren wichtigen Dienst.
    Heidrun Hemmerling

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