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Montag, 07.01.2019

Werden wie die Kinder

Wieder einmal bin ich eine längere Strecke mit dem Zug unterwegs. Ich mache es mir mit meinem Strickzeug gemütlich und höre beim Stricken eine Predigt. Mir gegenüber sitzt eine junge Mutter mit ihrem vielleicht vierjährigen Töchterchen auf dem Schoß. Die Kleine ist außerordentlich ruhig und zufrieden.
Nach ungefähr eineinhalb Stunden Fahrt ist meine Filzsocke fertig, ich vernähe die bunten Fäden und schneide sie ab. Fast schon will ich sie in den Abfallbehälter werfen, da fällt mir ein, dass ich sie doch dem Mädchen geben könnte.
„Schau mal, damit kannst du spielen“, spreche ich die Kleine an. Begeistert nimmt sie die kurzen flauschigen Fäden. „Da mach ich mir eine dicke, warme Socke draus“, sagt sie zu ihrer Mama. „Oder einen Pullover.“ Nach einer ganzen Weile guckt sie zu mir und sagt: „Ich brauch noch mehr.“ Ich nehme meine Filzwolle und schneide ein längeres Stück Wolle für sie ab. Nun knüpft die Mutter die einzelnen Fäden zu einer langen Schnur zusammen. Die beiden haben immer wieder neue Ideen, was man damit alles machen kann, und vertreiben sich mit den paar Fäden die Zeit. Als sie aussteigen, trägt das kleine Mädchen die Wollfäden wie eine Kostbarkeit in ihrer hohlen Hand. Sie will keinen davon verlieren. Und die Mutter bedankt sich bei mir.
Nun sitze ich allein am Vierertisch im Zug und so manches geht mir durch den Kopf: Wie sehr hat sich das Kind über so etwas Kleines gefreut! Das möchte ich auch neu lernen, mich zu freuen wie ein Kind, auch über ganz kleine, vielleicht oft selbstverständliche Dinge.
Und dann hatte sie gleich mehrere Ideen, was man damit machen könnte. Ein richtig gesundes Selbstbewusstsein und ein Sich-Zutrauen, etwas zustande zu bringen, strahlte die Kleine aus. In unseren Augen war das vielleicht lächerlich, aber auch das kann ich von ihr lernen, anstatt gleich zu denken, dass das neue Projekt ja doch mehrere Nummern zu groß für mich ist und ich es sowieso nicht schaffen werde.
Sie dachte sich auch nichts dabei, mich noch um etwas mehr Wolle zu bitten. Einem Erwachsenen wäre das sicher peinlich gewesen. So brauche auch ich mich nicht zu schämen, Jesus um mehr Vertrauen, Geduld, Liebe oder was auch immer zu bitten. Er will es mir gerne geben. So wie ich dem Mädchen gerne noch etwas mehr Wolle gegeben habe.
Ich glaube, heute habe ich ein kleines bisschen verstanden, warum Jesus uns in der Bibel auffordert, so zu werden wie die Kinder. Und ich habe wieder einmal neu erlebt, dass es wahr ist, was in meinem Poesiealbum steht:
„Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück.
Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigne Herz zurück.“

"Danke" an die Autorin

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6 Antworten

  1. So herzerwärmend, einfach sehr herzig! Die Gedanken zu diesem Erlebnis finde ich sehr gut!
    Danke für diesen Montagsgedanken.

  2. still sitzen ? Glückliche zufriedene Kinder können das auch manchmal, z.B. wenn sie sich intensiv mit Wollfäden und der
    Mutter beschäftigen. Oftmals tut eine Mutter nur, als ob sie sich mit dem Kind beschäftigt, das registriert das Kind genauestens und sucht dann Aufmerksamkeit. Ich denke oftmal zu Recjt !!!

  3. Vielen Dank für diese Gedanken.
    Ich habe ähnliche Situationen schon öfter erlebt und bin davon überzeugt, dass Kinder (auch große Kinder) sich oft nichts sehnlicher wünschen, als dass die Eltern oder andere Erwachsene sich Zeit für sie nehmen. Und manchmal war das Spielzeug im Kinderzimmer nicht so "in" wie ein Kochtopf und ein Holzlöffel in der Küche -vielleicht auch weil die Mutti dort beschäftigt war?

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