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Montag, 30.10.2023

Schönheiten

Zielstrebig schiebt sie sich durch die anderen Kinder durch, begrüßt mich mit einem fröhlichen „Guten Morgen“, dreht sich einmal und fragt: „Schau, mein neues Kleid! Bin ich nicht schön? Findest du mich schön?“ „Ja“, antworte ich aus vollem Herzen, „du bist wunderschön!“

Dieses fünfjährige Mädchen spricht in kindlicher Einfachheit einen Gedanken aus, der auch mir öfter durch den Kopf geht. Der mich entscheiden lässt, was ich anziehe, was und wann ich esse, was ich kaufe, wie ich mich bewege. Der mich dazu veranlasst, im Vorbeigehen am Schaufenster verstohlen nach meinem Spiegelbild zu blinzeln. Der es mir an manchem Morgen fast unmöglich macht, mein Zuhause frohen Mutes zu verlassen – aus Angst, vor den kritischen Augen der Welt nicht bestehen zu können. Der in mir Neid auf die schönen Haare der Freundin oder die perfekte Figur der Fremden wachsen lässt.

Wie sehr finde ich mich in dieser Frage wieder! Ich erlegte mir selbst Essensregeln auf, verließ an manchen Tagen nur das Haus, weil ich in die Schule oder arbeiten gehen musste, und ließ die Zahlen auf der Waage meine Stimmung und meinen Tag bestimmen. Meine Gedanken drehten sich nicht so sehr darum, modern angezogen oder frisiert zu sein, sondern darum, meinen Körper zur Perfektion zu bringen, ihn durch Sport und Selbstdisziplin zu einem Objekt der Bewunderung für andere zu verwandeln. Komplimente saugte ich auf wie ein Schwamm, konnte sie aber trotzdem nicht wirklich glauben.

Immer wieder erlebe ich Frauen, die sich auf der gleichen Reise wie ich befinden, und stelle fest, dass das Thema „Schönheit“ uns lähmt, einnimmt und dominiert. Wir fragen uns: Bin ich wirklich schön? Bin ich einzigartig? Bin ich mehr als das, was man äußerlich sieht? Bin ich von Gott geliebt – und glaube ich das?

Gott sagt nicht, dass mein Körper perfekt ist oder perfekt werden muss, sondern dass ich schön gemacht bin. Er sagt nicht, dass seine Liebe gegründet ist auf meinem Aussehen, sondern dass sie ohne Bedingungen ist. Er sagt nicht, dass es sein Wille für mich ist, ein beneidenswertes Äußeres zu haben, sondern dass er mein Inneres verändern will. Er sagt nicht, dass Gemeinschaft mit ihm möglich ist, wenn eine gewisse Zahl auf meiner Waage steht, sondern dass mein Herz mit ihm Gemeinschaft hat und Beziehung baut.

Wie wäre es, wenn wir Frauen uns nicht mehr damit herumschlagen würden, an unserem Körper herumzumäkeln und geringschätzig über ihn zu denken, sondern voll Freiheit in ihm zu leben und in unseren Gedanken Platz für anderes zu machen – etwas, das wirklich Ewigkeitswert hat? Ich möchte frei sein von dem Druck, gefallen zu müssen. Von mir wegschauen hin auf Gott und andere Menschen. Und wenn ich mir dann am Morgen die Frage stelle: „Bin ich schön? Findest du mich schön, Gott?“, dann kann ich sagen: „Ja, ich bin nicht perfekt, aber ich bin schön. Danke, mein Gott, für dieses Wunderwerk!“

„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“ (Psalm 139,14).

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6 Antworten

  1. Wenn ich eines in meinem Leben gelernt habe, dann, dass Beliebtheit nicht vom äußeren abhängig ist. In Teenager Zeiten vielleicht aber auch nicht zwangsläufig. Uns Frauen aber mittlerweile auch den Männern wird das über Werbung und m. E.
    auch durch Serien suggeriert. Die Darsteller, die ja häufig alltägliche Personen spielen, sind außerordentlich schön. Der gestresste Familienvater hat einen Waschbrettbauch wie ein Sportler der Tag für Tag trainiert. All das ist Lüge und wir haben das doch lange schon durchschaut.
    Als Pädagogin habe ich viel mit Frauen gearbeitet, die kein oder nur schwer ein gesundes Selbstbewusstsein aufbauen konnten. Es schmerzt mich in der Seele und ist seit Jahren ein großes Anliegen von mir, dem entgegen zu wirken.
    Wir christlichen Frauen, die auf Grund ihrer Erlösung die Möglichkeit hatten, ihre wahre Identität zu finden, setzen einiges dagegen, daß sollte uns bewusst sein.

  2. Das ist wirklich ein schöner Gedanke und doch so schwer umzusetzen wenn man von Kindheit darauf getrimmt ist!
    Und doch ist es befreiend dass Gott mich so wunderbar gemacht hat und mich so liebt wie ich bin! Er macht keine Fehler und hat mich genau richtig gemacht! Amen

  3. Die Gedanken wecken die unvergessliche Erinnerung an meine 1. Lektion in Ungarisch. Der erste Satz, den ich sprechen lernte: ‚Szep vagyok.‘ Ich bin schön. Eine therpeutisch wirkende Weisheit meinerr Lehrerin. Ich bin ihr dankbar.🤣

  4. Vor einiger Zeit habe ich den Podcast Bibelschönheit ( von Elena Engels) entdeckt. Ist wirklich zu empfehlen. Von Herzen wünsche ich uns allen, dass wir uns durch Gottes liebende Augen sehen zu können. Er hat uns wunderbar gemacht.

  5. Diese Gedanken sprechen mir aus dem Herzen! Oft wird uns Frauen vermittelt du bist nur gut wenn Du erfolgreich im Beruf, und als Mutter alles perfekt machst und noch schlank und gut gekleidet bist! Gut das wir wenn wir nicht alle diese Dinge erfüllen können das wir von Gott geliebt sind so wie wir sind und mit allem auch unserer Schuld und unseren Fehlern zu ihm kommen können!

  6. Das spricht mir aus der Seele.Auch ich bin von klein auf getrimmt gut auszusehen.Standardspruch:",Was sollen die Leute denken".Bis heute hadere ich mit meinem Aussehen,Gewicht usw.Ich vergleiche mich ständig mit anderen und bin nie zufrieden mit mir.Wenn es für Perfektion eine Note gäbe hätte ich eine 1mit *.
    Danke liebe Ruth Geisler für diesen wertvollen Impuls.

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