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Montag, 15.06.2020

Jesus im Museum

Als mein zweijähriger Sohn und ich im Museum den Rest der Familie verlieren, haben wir ein besonderes Erlebnis. Suchend betreten wir einen pechschwarzen Raum. Plötzlich wird es hell. Ein Film beginnt, in dem mehrere Personen aus verschiedenen Ländern denselben Liedtext in ihrer jeweiligen Sprache singen. Ein Kunstfilm zum Thema Einheit. Wie vielfältig die Menschen in ihren Volksgruppen doch sind – und doch singen sie harmonisch miteinander!
Schade, dass es mit der weltweiten Einheit nicht so gut funktioniert wie in diesem Film. Wir laufen zur nächsten Tür. Und wieder: völlige Dunkelheit, dann grelles Licht. Jetzt wird es skurril: Auf einer Leinwand erscheint ein Kunstfilm mit grazilen Ballerinas und uniformierten Soldaten mit Gasmasken. Die Ballerinas tanzen zwischen explodierenden Häusern und um die kämpfenden Soldaten herum. Ich halte meinem Kleinen die Augen zu und versuche möglichst schnell zur nächsten Tür zu kommen. Ich bin emotional bewegt, fühle mich selbst verloren und spüre die Verlorenheit der Welt und die extremen Kontraste, in denen sich Leben bewegt. Gern will ich meinen Kleinen schützen und zu meiner Familie gelangen, also zur nächsten Tür. Wieder ein schwarzer Raum ...
Wir gehen bestimmt noch durch fünf solcher Filmräume mit teilweise verstörenden Szenen. Immer wieder einen dunklen Raum zu betreten, ohne zu wissen, was auf uns zukommt, ist unangenehm und stressig, besonders mit einem Kleinkind im Schlepptau. Es fühlt sich an wie ein Labyrinth ohne Ausweg.
Doch dann öffne ich wieder eine Tür und wir kommen in eine hell erleuchtete Halle. Und mein Sohn, der bisher alles schweigend mitgemacht hat, sagt: „Da ist Gott!“ Und wirklich, als sich meine Augen an die plötzliche Helligkeit gewöhnt haben, sehe ich es auch, genau vor uns: Jesus, der auf einem Esel reitet. Mein Sohn hat ihn von einem Bild in seiner Kinderbibel erkannt. Wir stehen vor Jesus und sind einfach da. Was für ein intensiver Moment! Es fühlt sich an wie ankommen. Nach dem ganzen Dunkel, dem Gefühl von Verlorenheit und den Chaos-Filmen, die den erschreckenden Zustand unserer Welt gezeigt haben, stehen wir vor Jesus.
Die Atmosphäre ist ganz anders als vorher. Angenehmes Licht scheint durch ein Fenster im Dach auf uns herab. Alles ist ruhig und wir kommen zur Ruhe. Wir genießen die Stille und das Licht. Wieder einmal bin ich Jesus so dankbar, dass ich ihn kennen darf. Dass er die Antwort ist auf alle Fragen unserer zerbrochenen Welt, dass er schon überall hindurchgeritten ist auf seinem Esel, durch jede Zerstörung, durch allen Hass und alles Leid, in dienender, erlösender Haltung, mit der Bereitschaft, für uns alles hinzugeben, sogar den Tod am Kreuz auf sich zu nehmen, damit die Welt Erlösung finden kann und wir zur Ruhe kommen können.
Diese Ruhe will ich immer wieder suchen und auf mich wirken lassen. Auch wenn ich einen dunklen Raum betreten muss.

Katrin Schmidt

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2 Antworten

  1. Wahnsinn, so gut beschrieben. Ich konnte mich richtig in dich hineinversetzen und die Freude spüren als du das wahre Licht gesehen hast. Darauf will ich mich konzentrieren wenn es wieder dunkel um mich wird. Ich kann jeder Zeit zum Licht gehen!

    Vielen Dank!!

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