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Montag, 18.09.2023

Immer an meiner

Seite

Ich stehe in meinem Zimmer und spüre, dass mein Herz immer schneller schlägt. Hastig überfliege ich die Notizen, die ich in der letzten Stunde auf meinem Smartphone zusammengetragen habe. Warum bin ich so aufgeregt, eine Andacht zu halten?

Vor einigen Monaten bin ich in den Benin, ein Land in Westafrika, ausgereist, um dort einen missionarischen Kurzeinsatz zu machen. In meinem Einsatzort Parakou kommen jeden Dienstag rund hundert muslimische Jungs auf die Missionsstation, die betteln und größtenteils auf der Straße leben. Sie können dort ihre Kleider waschen, duschen, Französisch lernen, eine Andacht hören und gemeinsam essen. Über die Zeit ist es mir ein besonderes Anliegen geworden, dafür zu beten, dass sie Jesus persönlich kennenlernen. Eigentlich bin ich genau deswegen hierhergekommen. Aber dann kommt es zu einer konkreten Situation wie dieser Andacht, und mir kommen Zweifel: Ist das glaubwürdig, was ich erzähle? Werde ich ernst genommen? Fühlen sich ein paar der Jungs vielleicht angegriffen?

Auf dem Weg zur großen Wiese stelle ich mich innerlich darauf ein, Französisch zu sprechen. Das fällt mir etwas schwer, denn die meiste Zeit des Tages bin ich von Deutsch und Englisch umgeben. Französisch ist die Hauptsprache im Benin. Allerdings haben die meisten der Jungs nur bruchstückhaft Französisch gelernt. Sie kommen aus derselben Volksgruppe und unterhalten sich in ihrer Stammessprache. Deshalb werden unsere Andachten vom Französischen in die Stammessprache übersetzt.

Als wir fertig sind mit dem Französisch-Unterricht, hole ich ein großes Bild hervor und stelle mich neben unsere Übersetzerin. Meine Aufregung hat inzwischen ihren Höhepunkt erreicht. Da kommt mir ein weiterer beunruhigender Gedanke: Das Bild von Mann und Frau ist hier noch viel traditioneller als in Deutschland. Wie komisch ist es für meine Zuhörer, dass ich als zwanzigjährige Frau vor ihnen stehe und etwas aus der Bibel erzählen möchte? Ich habe noch keinen Mann, geschweige denn Kinder. Ich merke, dass ich mich unwohl fühle. Doch jetzt kann ich nicht einfach gehen.

„Jesus? Du siehst die Jungs, du kennst sie ganz genau. Bitte berühre du ihre Herzen, wenn wir heute von deiner Kreuzigung erzählen. Und bitte hilf mir mit meiner Unsicherheit“, bete ich innerlich.

Als ich in die große Runde vor mir schaue, steht mir ein Bild vor Augen: Mitten unter den Jungs sehe ich Jesus sitzen. Er lächelt mich an, er ermutigt mich. Als ich anfange zu sprechen, konzentriere ich mich ganz auf ihn. Mir wird in dem Moment bewusst, was seine Anwesenheit verändert: Meine Ängste und Sorgen rücken in den Hintergrund.

Seither begleitet mich dieses Bild, dass Jesus mitten in der Situation ist, in der ich gerade bin. Ich merke, dass ich manches nicht sage, anderes hingegen eher ausspreche. Den ganzen Tag über komme ich ins Gespräch mit ihm. Wenn er mir antwortet, lerne ich, wie ich mit anderen umgehen kann. Es gibt immer wieder Momente, in denen ich mich von ihm abwende. Ihn bewusst nicht frage, was ich tun soll. Trotzig bin. Aber er verlässt meine Seite nicht und vergibt mir immer wieder. Ich bin überwältigt von der Nähe, die er zu mir sucht.

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5 Antworten

  1. Wie entspannend es ist, immer wieder an Jesus zu denken und ihn in alles mit hineinzunehmen!! In Anbetracht der ganzen weltlichen Situation, wo man richtig sieht, wie der Teufel tobt… Kriege, Umwelt, … Gott sitzt immer noch im Regiment! ER hat den Überblick! Auch wenn wir manches nicht verstehen! ER ist da!!

  2. Danke, mir stehe die Tränen in den Augen.
    Ja, Jesus ist da. Und sein "Fürchte dich nicht" steht fest.
    Danke für die Erinnerung. Gott mit uns!

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