Kontakt & Service

Montag, 27.09.2021

Gebet am Telefon

Ich halte Kontakt zu einer ehemaligen Nachbarin unserer Tochter, mit der sie immer wieder Schwierigkeiten hatte. Diese Dame hatte ihre stabile Lebensspur verloren und brauchte dringend Hilfe, die sie gern von meinem Mann und mir annahm. Sie konnte unsere Hilfsbereitschaft aber nicht so richtig einordnen und fragte oft, was denn unsere Intention sei. Dabei kamen wir über unseren Glauben ins Gespräch. Ab und zu brachte ich ihr auch eine LYDIA-Ausgabe vorbei. Sie äußerte dann sehr klar, dass sie mit Gott nichts anfangen könne – was sie aber nicht daran hinderte, die Zeitschrift zu lesen.
Mittlerweile wohnt die Dame in einem Seniorenheim, das nicht in unserer Nähe ist. Somit sind wir bei unserem Kontakt auf das Telefon angewiesen, von dem wir regelmäßig Gebrauch machen. Eines Tages rief sie bei uns an und war außer sich, denn sie hatte plötzlich Fieber bekommen und die Angst davor, ernsthaft krank zu werden, schnürte ihr förmlich die Kehle zu. Da sie zudem unter Platzangst litt, war es für sie unerträglich, ihre Zimmertür wegen der Ansteckungsgefahr nun nicht mehr offenhalten zu können.
Alle meine beruhigenden Worte ließen sie nicht wirklich zur Ruhe kommen. Da bot ich ihr ein Gebet an. Nach einer kurzen Bedenkzeit erlaubte sie es. So betete ich mit den Worten, die mir in den Sinn kamen, und bemerkte, dass sie ruhiger wurde. Nach dem „Amen“ bedankte sie sich und legte auf.
Am nächsten Morgen rief sie wieder unter großer Not an. Sie sagte unter Tränen, dass sie nicht mehr aus noch ein wisse. Mir war klar, dass sie sich – bewusst oder unbewusst – nach einem Gebet sehnte. Diesmal sagte sie sofort zu. Auch jetzt wurde sie während des Betens spürbar ruhiger und drückte das auch in Worten aus. Dankbar beendeten wir das Telefonat.
Tags darauf suchte sie wieder das Gespräch und sofort spürte ich, dass sie ohne Panik war. Sie begann das Telefonat mit dem Satz: „Also, ich weiß ja nicht, wie das mit dem Gott geht, aber er hat geholfen.“ Voller Freude, Erleichterung und Dankbarkeit lachten wir und ich versuchte ihre Erkenntnis zu bestärken.
Meine Hoffnung ist, dass sie Gottes Hand nicht mehr loslässt und täglich mehr seine Liebe und Fürsorge spüren darf. Und ich freue mich sehr, dass ich ihr dabei helfen darf.

Sigrid Lang

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8 Antworten

  1. Liebe Frau Lang,
    vielen Dank für Ihren Beitrag. Gerade in dieser Zeit ist das Telefon die Wahl in dieser Zeit mit Anderen in Kontakt zu treten.
    Nach einem Gespräch auch miteinander zu beten nehme ich gerne auf.
    Elsbeth Höllwarth

  2. Vielen Dank für diesen Mutmacher! Seltsam, gerade in letzter Zeit habe ich öfter über diese Möglichkeit nachgedacht...
    Interessant wäre, zu hören, ob Leserinnen auch Erfahrungen haben mit selbst formulierten schriftlichen Gebeten zu so einer bestimmten Situation/ Person, über Whatsapp oder Email...?

  3. In unserer Nachbarschaft wohnte ein Ehepaar, welches sehr zurückgezogen lebte. Beide waren überzeugte Atheisten. Zu meinem Mann und mir entstand dann aber ein guter vertrauensvoller Kontakt. Ihr Mann erkrankte dann unheilbar. Eines Tages kam sie ganz aufgewühlt und verzweifelt zu uns, und meinte, dass man ihren sterbenden Mann vom Spital noch in ein Pflegeheim verlegen will, und er das aber nicht mehr möchte. Im Wissen, dass sie nicht an Gott glaubt, sagte ich ihr, dass wir ihnen soweit nicht „helfen“ können, aber ob ich für sie beten dürfte. Sie nickte. Ich fasste ihre Hände und formulierte ein Gebet um Einsicht der Ärzte und dass Gott eingreifen möge. Sie bedankte sich und verabschiedete sich. Am nächsten Tag kam sie wieder zu uns und überbrachte uns die Botschaft, dass ihr Mann am Nachmittag friedlich in ihren Armen verstorben sei.
    Sie sagte uns, dass ihr erster Gedanke folgender gewesen sei: DAS GEBET HAT GEHOLFEN! Ob sie dadurch bis zu ihrem
    Tod Gott etwas näher gekommen ist, haben wir nie erfahren.

  4. Psalm 50,15: „Wenn du keinen Ausweg mehr siehst, dann ruf mich zur Hilfe. Ich will dich retten und du sollst mich preisen.“ Wie liebevoll von unserem Gott, dass die alte Dame die Wahrheit dieses Bibelverses erfahren durfte. Ich finde es schön, dass du die Frau schon länger begleitest. Mutig, wie du die Chance ergriffen und mit ihr am Telefon gebetet hast. Dir und der alten Dame wünsche ich von Herzen, dass ihr noch erleben dürft, dass auch sie ihr Leben unserem Heiland anvertraut, ehe sie sterben wird. Gott segne und gebrauche dich, Sigrid!

  5. Neben dem, dass ich Deine Geschichte wunderbar finde, möchte ich Dir sagen, dass ich denke, dass sich Gott an Deiner Treue und liebevollen Art sehr freut! Du bist ein Segen!

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