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Montag, 22.01.2024

Die verlorene To-do-Liste

Vor ein paar Tagen wollte ich auf meiner To-do-Liste einen Punkt streichen, weil er erledigt war. Aber sie war weg. Erst einmal beunruhigte mich das nicht, sie würde schon wieder auftauchen. Tags darauf war sie aber immer noch unauffindbar. Im Arbeitszimmer schob ich ein paar Stapel von Dokumenten und Büchern hin und her, im Wohnzimmer schaute ich unter dem Sofa nach, auch die Küche durchsuchte ich. Irgendwann hielt ich sogar im Schlafzimmer Ausschau und musste über mich selbst lachen: „Hier? Das kann aber wirklich nicht sein!“ Die Liste blieb unauffindbar. Eilig versuchte ich, auf einem neuen Blatt Papier möglichst viele To-dos festzuhalten.

Wer bin ich eigentlich ohne meine To-do Liste? Vor einigen Jahren hatte ich mehrere Monate lang komplett ohne diese Listen gelebt. Die vielen Aufgaben, die es zu erledigen galt, waren weder nötig noch möglich in einer langen Erschöpfungs- und Genesungsphase. In dieser Zeit war ich oft einfach froh, wenn ich den Alltag bewältigte, und dafür brauchte ich keine Liste. Ich lebte in den Tag hinein und war dankbar, wenn die Kraft reichte für das, was gerade anstand: einkaufen, putzen, waschen, kochen, spazieren gehen, lesen, essen, Freunde treffen, schlafen, Musik machen und hier und da auch mal spontan jemandem aushelfen.

Ich war dankbar für die Tätigkeiten, die meinen Alltag strukturierten, aber auch dafür, eine Zeithabende zu sein. Oft war ich erstaunt darüber, wie sich das Leben ohne Druck und Stress anfühlte. Anfangs hatte ich Angst, dass mir die Decke auf den Kopf fallen und ich meine Aufgaben vermissen würde. Doch das blieb meistens aus. Mir tat der Freiraum gut. Ich lernte, einen Tag nach dem anderen zu erleben, ohne vorher genau getaktet zu wissen, was ich in jeder Stunde tun würde; ich lernte, spontan zu sein und es zu genießen.

Manchmal fragte ich Gott, was er für diesen Tag für eine Idee habe. Spannend war dann zum Beispiel der Gedanke: „Sei Anja eine gute Freundin, wenn du sie heute triffst.“ „Das ist alles?“, fragte ich. „Genug für heute.“ Entlastet von den vielen To-dos, drangen manche grundsätzlichere Themen an die Oberfläche und ich war dankbar für Begleiter, mit denen ich diese besprechen konnte. Manchmal fiel es mir schwer, mir noch länger die Erlaubnis zum „Nichtstun“ zu geben und auf die Rückkehr der Kräfte zu warten: „Sollte ich nicht eigentlich …? Könnte ich nicht eigentlich ...?“ Ich lotete meine Leistungsfähigkeit aus, hatte immer wieder den Eindruck, dass Gott sagte: „Warte. Ich habe mehr Zeit als du. Sei einfach bereit und offen für die Momente, die ich vorbereite.“ Und ich bin erleichtert, dass sie kamen, diese Momente.

Inzwischen – ein paar Jahre später – freue ich mich über die gewachsene Spannkraft, manch offene Türen und neue Aufgaben. To-do-Listen schreibe ich mir jetzt auch wieder. Aber anders als früher. Realistischer, mit weniger Druck und viel Puffer für Unvorhersehbares und Überraschungen – auch Gottes Überraschungen. Ich will offen sein für das, was mir dazwischenkommt und vielleicht viel wichtiger ist als mein Plan. Und dann kann ich eigentlich auch gelassen bleiben, wenn meine To-do-Liste wieder mal verloren gehen sollte …

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5 Antworten

  1. Liebe Catrin,
    wirklich beneidenswert. Mein Hauptproblem ist der Zeitdruck. Ich kriege es einfach nicht anders hin. Mein Tag ist eng getaktet und das Wochenende voll mit Aufgaben. Haushalt, Arbeit, Gemeinde geben sich die Hand. Und mein geliebter Mann soll auch nicht zu kurz kommen.
    Immerhin morgens vor der Arbeit mindestens 1 Std. Zeit mit Gott. Wo wäre ich ohne diese Oase?
    Dennoch es muss sich was ändern. Nur wie?

    Herzliche Grüße
    Angela

  2. Vielen lieben Dank für den Impuls, dass Gott mehr Zeit hat als wir. Ich neige leider auch dazu, mich sehr eng durchzutakten. Ich lege meine To-Do-Liste in Gottes Hände und bitte IHN, in Seiner Weisheit und Liebe Änderungen zu machen und diese zu segnen….und sei es durch einen angekündigten Bahn-Streik

  3. Was ist ein To do Liste? Sowas kenne ich nicht, bitte um Entschuldigen. Braucht man sowas im Leben? Ich mache eigentlich öfter spontan, sowie in dieser Woche zum Beispiel. Eigentlich war am Freitag oder Samstag geplant mit S-Bahn nach Weiden West um im RheinCenter im türkischen Supermarkt Gehacktes einzukaufen. Nun werde ich heute oder morgen Nachmittag hinfahren müssen … wegen GDL Streik von Mittwoch 2.00 Uhr bis Montag 18.00 Uhr … Danke für Montagsgedanken 🫶🫶🫶🫶

  4. Was ist ein To do Liste? Sowas kenne ich nicht, bitte um Entschuldigen. Braucht man sowas im Leben? Ich mache eigentlich öfter spontan, sowie in dieser Woche zum Beispiel. Eigentlich war am Freitag oder Samstag geplant mit S-Bahn nach Weiden West um im RheinCenter im türkischen Supermarkt Gehacktes einzukaufen. Nun werde ich heute oder morgen Nachmittag hinfahren müssen … wegen GDL Streik von Mittwoch 2.00 Uhr bis Montag 18.00 Uhr … Danke für Montagsgedanken 🫶🫶🫶🫶

  5. Meine Liste ist nicht auf Stunden eingeteilt, sondern auf den Monat. Ich merke aber, dass ich auch im Monat nicht alles erledige, sondern Vieles von Monat zu Monat weiterschiebe. Was ich also im Januar nicht erledige, wird auf den Februar verschoben und so weiter. Bis dann auf einmal z.B. im April ganz viele unerledigte Aufgaben auf mich warten. Das ist nicht gerade ermutigend. Vielleicht sollte ich die Liste vernichten und spontaner werden. Ich werde das mal mit Jesus besprechen. Vielen Dank für Ihren Impuls heute morgen.

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