Kontakt & Service

Montag, 05.09.2022

Abgefärbt

Ich fasse es nicht: Schon wieder diese gelben Flecken am Ärmel! Aus Erfahrung weiß ich inzwischen: Die sind hartnäckig. Sie lassen sich nicht einfach mit einem feuchten Tuch und ein bisschen Spülmittel auswaschen. Hätte ich doch aufgepasst …

Nach einem kurzen Moment des Ärgers muss ich schmunzeln. Eigentlich ist es doch ein schönes Bild. Der „Farb-Übeltäter“ hinterlässt Spuren, sobald man ihm zu nahekommt. Immer – ob man will oder nicht. Er verteilt seine leuchtend gelbe Farbe an alle, die mit ihm in Berührung kommen.

Jetzt aber zum Anfang der Geschichte: Es ist Sonntagabend. Den ganzen Tag liege ich mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen im Bett. Pünktlich zu meinem Geburtstag hat es mich erwischt. In meinen kuscheligen Bademantel eingehüllt, hole ich mir eine Tasse Tee in der Küche. Da klingelt es an der Tür. Eine Geburtstagsgratulantin steckt den Kopf herein und stellt einen herrlichen Margeritentopf auf die Stufen im Treppenhaus. Wow, was für eine Blütenpracht! Ich liebe Margeriten. Sie sind so schlicht und strahlend. Machen es hell, wo auch immer sie leuchten. Nach einem kurzen Gespräch trage ich mit Freude das Blumengeschenk auf die Terrasse, wo es auf dem Tisch seinen Platz findet. Hier kann ich die freundlichen Blumen von meinem Bett aus sehen.

Schnell schlüpfe ich wieder unter die warme Decke. Beim Ablegen des Bademantels entdecke ich die farbige Bescherung: die Spuren meiner Margeriten-Umarmung. Die gesamte Vorderseite des Bademantels ist gelb getüpfelt. Dicke Blütenstaub-Kleckse. Auch auf beiden Ärmeln. Nichts wie in die Waschmaschine mit dem Ding!

Natürlich braucht die leuchtende Blütenpracht Wasser. So kommt es, dass ich zwei Tage später mit frisch gewaschenem Bademantel die Gießkanne schwinge. Und da passiert es wieder: Der Ärmel ist anschließend gelb. Ich hatte doch gar nichts berührt! Oder doch?!? Die Fakten sprechen für sich. Also wandert das gute Stück zum zweiten Mal in die Waschmaschine. Und heute hat es den Ärmel nun zum dritten Mal erwischt.

Da kommt mir ein Gedanke in den Sinn: Wäre es nicht wunderbar, wenn jeder Mensch, mit dem ich im Alltag in Berührung komme, einen „gelben Farbklecks“ abbekommen würde? Einen Tupfen leuchtender Farbe, die seinen Tag heller macht durch ein ermunterndes Wort, einen wohlwollenden Blick oder eine freundliche Zuwendung? Soll ich als Nachfolgerin Jesu nicht ein Wohlgeruch, ein guter Duft sein, den die Menschen um mich herum wahrnehmen und auf diese Weise Anteil an der Liebe Gottes erfahren? So steht es in 2. Korinther 2,15: „Unserem ganzen Leben haftet der Wohlgeruch von Christus an …“

Oh weh, denke ich im nächsten Moment. Was wohl die Menschen in meinem Umfeld bei mir wahrnehmen? Einen feinen Duft der Liebe Jesu? Oder einen unangenehmen Geruch der Selbstzentriertheit und der Suche nach dem eigenen Vorteil?

Wem begegnen die Menschen, wenn sie mir begegnen? Begegnen sie einer selbstgefälligen, stolzen, ungeduldigen oder rechthaberischen Person? Oder begegnen sie „Christus in mir“, der in meinem Herzen wohnt? Einer Liebe, die sich selbst zurücknehmen kann? Ach, wäre das wunderbar, wenn diese goldene Farbe der Liebe Jesus immer öfter in meinem Leben abfärben würde!

"Danke" an die Autorin

Der Beitrag hat Ihnen gefallen? Sagen Sie „Danke!“ mit einem Kommentar.

Artikel teilen?

Was denken Sie?

Teilen Sie Ihre Gedanke mit uns und anderen Lesern! Wir freuen uns über Ihren Beitrag.

> Kommentieren

4 Antworten

  1. Ein wunderbarer Artikel, eine Ermutigung für den Alltag. Diese Erlebnisse mitzuteilen, um anderen eine Hilfe zu sein, finde ich toll.

  2. Der heutige Montagsgedanke ist wie wachrütteln. Wie ist das bei mir? Wenn ich darüber nachdenke, welche Eindrücke und Spuren ich bei der Begegnung mit anderen hinterlasse, hab ich noch viel an mir zu arbeiten ( und Jesus auch).
    Vielen Dank!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Hiermit erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre E-Mail-Adresse zur Prüfung und Benachrichtigung sowie Ihr Kommentar und der gewählte Name zur Veröffentlichung gespeichert und verarbeitet werden. Sie können diese Einwilligung jederzeit widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Keinen Montag verpassen?
Unser Impuls zum Wochenstart jeden Montag im Postfach 

> NEWSLETTER ANMELDEN

Mehr Montage

Während sich Ingrid Kastirr noch über ein seltsames Gebet ihres Mannes wundert, erlebt sie eine Überraschung.

Von Ingrid Kastirr

Überwältigt von vielen Anforderungen gelingt es Jrene Bircher, eine neue Sicht zu gewinnen. Davon erzählt sie in den „Montagsgedanken“.

Von Jrene Bircher

Ein Wort gibt das andere, plötzlich knallen die Türen. Und Esther Middeler merkt, dass es dran ist, erst mal ruhig zu bleiben.

Von Esther Middeler

Es gibt Tage, an denen fühlt sich Bianca Dengler wie ein kleiner verlorener Spatz, der Hilfe braucht.

Von Bianca Dengler

Ein Jahr volle Montage?

52 Impulse zum Wochenbeginn. Damit Montage zu Lieblingstagen werden.

> JETZT ALS E-BOOK BESTELLEN