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Roswitha Wurm

Himmlischer Briefbote

„Können Sie mir bitte noch heute das Förder-Gutachten für Michael schicken? Wir benötigen es für die Aufnahme in seine weiterführende Schule“, fragte mich Frau Meier am Telefon. „Ich bin so froh, dass wir nun von Ihnen so verlässlich betreut werden, nachdem wir schon so oft enttäuscht worden sind.“

Gleich im Anschluss an das Telefonat schrieb ich das Gutachten fertig und steckte es in ein Kuvert. Ich wollte es noch auf dem Weg zur Praxis aufgeben. Da ich knapp dran war, lief ich mit dem Kuvert in der Hand zur nahegelegenen Straßenbahnstation und stieg in die soeben vorgefahrene Bahn ein. Drei Stationen später stieg ich aus. Als ich das Postamt betrat, stutze ich: Meine Hände waren leer. Wo war nur das Kuvert? Entsetzt stellte ich fest, dass ich es wohl in der Straßenbahn liegen gelassen hatte. Dieses vertrauliche Dokument durfte keinesfalls in fremde Hände gelangen! Was sollte ich nun Frau Meier sagen? Sie war ohnehin bereits so oft enttäuscht worden von Personen, die sich um die Lernschwäche ihres Sohnes gekümmert hatten. Und jetzt enttäuschte ich sie auch noch!

Noch vom Postamt aus rief ich bei den Verkehrslinien an. Die freundliche Dame an der Telefonauskunft erklärte mir, dass Fundsachen ins städtische Fundbüro kämen. Dies würde allerdings einige Werktage dauern und es bestünde nur wenig Hoffnung, dass jemand einen unfrankierten Brief abgeben würde. Ich solle doch rasch versuchen, eine Straßenbahn der gleichen Linie aufzuhalten und mein Problem zu schildern. Gesagt getan, jedoch konnte mir die Straßenbahnfahrerin auch nicht weiterhelfen.

Sollte ich Frau Meier anrufen und ihr mitteilen, dass ich das Gutachten ihres Sohnes soeben verloren hatte und es jeder Beliebige öffnen und lesen könnte? Mitten in meiner Verzweiflung betete ich um eine Lösung dieser unangenehmen Situation: „Wenn jemand helfen kann, dann nur du, Herr!“ Dann meldete im Fundbüro meinen Verlust und fuhr in die Praxis.

Der nächsten Termin mit Frau Meier und ihrem Sohn war ein Online-Meeting vier Tage später. Am Morgen zuvor fragte ich im Fundbüro nach. Nein, leider sei nichts abgegeben worden. Ich bräuchte mir auch keine Hoffnung mehr zu machen: „Was bis jetzt nicht eingelangt ist, kommt auch nicht mehr!“

Schweren Herzens und von meiner Nachlässigkeit selbst enttäuscht, traf ich mich am nächsten Tag mit Michael und seiner Mutter. Die beiden waren in guter Stimmung und wir besprachen unser Lerntrainingsprogramm. „Mit Ihnen gemeinsam werden wir das schaffen. Danke, dass Sie so verlässlich sind!“ Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo ich mein Missgeschick beichten musste: „Wegen des Gutachtens …“  „Ja, danke!“, unterbrach mich Frau Meier, „das hätte ich beinahe vergessen. Es war heute in der Post!“ Strahlend hielt sie das Kuvert vor ihre Bildschirmkamera. Es war mit bunten Briefmarken beklebt.

Ich war sprachlos. Im Herzen sagte ich danke. Und wohl unbemerkt auch laut. Denn Frau Meier meinte: „Nichts zu danken, ich muss danke sagen!“ Bis heute weiß ich nicht, wer den Brief für mich frankiert und aufgegeben hat. Aber ich weiß, wem ich dafür danken darf, dass er meinen Fehler wieder gut gemacht hat!

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Gott handelt – nicht immer so spektakulär, wie wir es vielleicht erwarten, manchmal nur ganz leise und unaufdringlich. Doch wenn er es tut, ist es immer ein Wunder, das alles verändern kann.

Auf unserem Blog „Mein Alltagswunder“ erzählen Lydia-Autorinnen von diesen wunder­baren, kleinen Momenten mit Gott, die ihren Alltag erhellt haben.

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