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Sigrid Offermann

Orientierungslos

Neulich ist mir etwas passiert, womit man zu Beginn des 21. Jahrhunderts eigentlich nicht mehr rechnet: Ich habe mich in einer fremdem Stadt verfahren und hatte keinerlei Orientierung mehr. Mein Mann, mein Sohn und ich waren in unserem Kurzurlaub im Fränkischen mit einem alten Auto unterwegs, das noch aus dem letzten Jahrtausend stammt. Ohne Navi selbstverständlich. Die beiden Männer wollten sich zum Abschluss des Urlaubs am Stadtrand von Nürnberg ein Football-Spiel anschauen. Mein Sinn stand eindeutig mehr nach einem entspannten Shopping-Nachmittag. Also setzte ich den kleinen Football-Fan und seinen Papa am Bolzplatz ab und machte mich auf Richtung Outlet einer schwedischen Modemarke. Die Wegbeschreibung hatte ich mir vorher auf meinem Handy herausgesucht, weil ich kein GPS nutze. Problemlos fand ich den Werksverkauf in einem Vorort von Fürth. Ich verbrachte dort schöne Stunden, in denen ich mich nach Herzenslust quer durch die Kollektion probierte und tatsächlich auch zwei kleidsame Teile fand. Frohgemut machte ich mich auf den Rückweg. Mit meinen „Jungs“ hatte ich vereinbart, dass ich sie am späten Nachmittag wieder am Bolzplatz abhole.

Doch schon bald merkte ich, dass mir die Wegbeschreibung, die mich sicher ans Ziel geführt hatte, in die umgekehrte Richtung nichts brachte. Es gelang mir einfach nicht, auf die Stadtautobahn zu kommen. Der Akku meines Smartphones war fast leer. Also rief ich mit dem verbleibenden „Saft“ meinen Mann an und bat ihn, mir die Fahrtbeschreibung für den Rückweg zuzuschicken. Das Football-Spiel war schon seit einiger Zeit beendet. Rasch schickte mir mein Mann das Gewünschte aufs Handy und ehe das Smartphone seinen Dienst versagte, konnte ich gerade noch erkennen, dass ich in eine gewisse Europa-Straße einbiegen sollte, die mich dann zum Stadtring führen würde. „Herr, lass mich bitte den Rückweg finden!“, betete ich.

Voller Erleichterung sah ich aus den Augenwinkeln ein Straßenschild mit der Aufschrift „Europa-Straße“ und bog dort ein. Doch statt zur Autobahn führte mich diese Straße durch ein Waldgebiet, das ein bisschen den Eindruck erweckte, als wäre dahinter Europa zu Ende. Es gab nicht einmal mehr Hinweisschilder. Langsam spürte ich Panik in mir aufsteigen. Wo war ich? Und wie sollte ich von hier aus zurück zu meinen wartenden Männern finden? Ein Gefühl großer Hilflosigkeit übermannte mich. Langsam zog sich mein Hals zu und die Augen wurden feucht.

Als der Wald sich nach etlichen Kilometern wieder lichtete, erspähte ich am Ende der Straße ein älteres Ehepaar, das offensichtlich spazieren ging. Ich kurbelte das Fenster herunter, erzählte ihnen von meinem Dilemma und nannte ihnen mein gewünschtes Ziel. „Oh, da sind sie hier aber ganz falsch!“ Das hatte ich geahnt. „Ich hab keine Ahnung, wo das ist, wo Sie hinwollen“, bekannte der Mann. Mein Mut sank noch tiefer. „Wir können ja mal nachschauen,“ entgegnete die Frau und zog ein nobles Smartphone aus ihrer Jackentasche. „Das haben wir gleich!“ Sie gab unseren Standort und meinen Zielort ein. Die beiden beugten sich über das Display und diskutierten eine Weile, welches die einfachste Variante sei. Dann erklärten sie mir eifrig und ausführlich die Route, indem sie abwechselnd hilfreiche Details an der Strecke aufzählten, die ich auf meinem Weg beachten müsse. Ich versuchte, mir alles zu merken und hatte da so ein Gefühl, dass mir dieses ältere Ehepaar mit ihrem tollen Smartphone nicht zufällig über den Weg gelaufen war.

„Viel Glück!“, riefen sie mir noch nach, als ich mich überschwänglich bedankt und unsere alte Kiste gewendet hatte. Dank der guten Beschreibung fand ich den Stadtring ohne weitere Zwischenfälle, nahm die richtige Ausfahrt und kurvte von dort aus problemlos zurück zum Sportplatz, wo meine geduldigen Männer seit über einer Stunde auf mich warteten. Als ich dort ankam, war ich total erschöpft, aber gleichzeitig auch sehr erleichtert und dankbar. Gott hatte mir aus der Patsche geholfen. Er wusste zu jedem Zeitpunkt meiner Odyssee – auch ohne moderne Hilfsmittel wie Navi, GPS oder Routenplaner – wo ich war und hatte meinen verzagten Hilfeschrei gehört. Einerseits ist mir dieses Erlebnis ziemlich peinlich, aber andererseits ist es eine unzweifelhafte Bestätigung von Gottes Treue und Fürsorge, auf und gerade im Kleinen.

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1 Kommentar

Hey liebe Sigrid
Ich finde es so schön deine Geschichte mit Gott.Es läst mich eranen wie groß und gut Gott ist.Und seine liebe und Weisheit uns helfen zurecht zu kommen.Gott ist so voller gedult mit uns,das ist so unbeschreiblich schön.Er ist Gott bist in alle Ewigkeit.

Adriana
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Alltagswunder

Gott handelt – nicht immer so spektakulär, wie wir es vielleicht erwarten, manchmal nur ganz leise und unaufdringlich. Doch wenn er es tut, ist es immer ein Wunder, das alles verändern kann.

Auf unserem Blog „Mein Alltagswunder“ erzählen Lydia-Autorinnen von diesen wunder­baren, kleinen Momenten mit Gott, die ihren Alltag erhellt haben.

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