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INFOS

Nicole Schmidt

Worte aus deinem Mund

Mit gemischten Gefühlen machte ich mich auf den Weg zur Veranstaltungshalle. Auf der einen Seite war ich voller Vorfreude. Nach langer Pandemiepause fand endlich wieder ein großer Jugendgottesdienst statt. Ich war glücklich und dankbar, dass es nun wieder möglich war, diesen Gottesdienst zu feiern. Trotzdem ging ich nicht ganz unbeschwert dorthin. 

Das Veranstaltungsteam hatte mich gefragt, ob ich nicht nach dem Gottesdienst für die Jugendlichen, die es möchten, beten könnte. Ohne zu Zögern hatte ich zugesagt. Nur allzu gerne stand ich für diesen Dienst bereit. Doch nun beschlich mich ein ungutes Gefühl. 

Der Asphalt unter meinen Füßen schien härter und unnachgiebiger als sonst, ein kalter Wind schnitt mir ins Gesicht und die Abenddämmerung legte sich schwer auf meine Schultern. Und dann hörte ich sie, diese leise Stimme in mir, die jedoch lauter als alles andere zu sein schien: „Du Sünderin willst für andere beten?“ Es war ein aufwühlender Zweifel, der sich in meinen Gedanken ausbreitete. Das Gefühl, nicht gut genug, nicht „sündenfrei“ genug, zu sein, um für andere zu beten. Außerdem war da noch diese Angst, dass mir die Worte fehlen würden. Dass ich überhaupt nicht wüsste, was und wie ich für die Jugendlichen beten sollte. Dass ich ihre Hoffnung auf einen erfüllenden Zuspruch enttäuschte und ich mich eigentlich niemals für diesen Dienst hätte zur Verfügung stellen dürfen. Andere wären bestimmt besser an meiner Stelle geeignet. Andere waren bestimmt näher an Gott als ich mit meinen ganzen Fehlern, die ich wie Ballast mit mir herumschleppte. 

Die Veranstaltungshalle war nun in Sicht- und Hörweite. Ich lauschte dem Knirschen des Schotters der Autos auf dem Parkplatz, dem aufgeweckten Stimmengewirr der Jugendlichen und den tiefen Basstönen aus dem Inneren der Halle. Ich hielt kurz inne und sandte ein Stoßgebet zum Himmel: „Vater, ich möchte für die Jugendlichen da sein. Ich kann das nicht tun. Wirke durch deinen Geist.“ 

Die letzten Meter zur Halle begleitete mich weiterhin die bohrende Stimme in meinem Kopf, die nicht müde wurde, mich anzuklagen. Doch sie war nicht mehr allein. „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1). Ganz plötzlich war dieser Vers da. Gebetsmühlenartig hörte ich ihn deutlich, sich immer und immer wieder wiederholend. Er war nicht lauter als der Zweifel in mir, aber ich spürte die Macht dieser Worte. Ich hörte ihnen zu und schenkte ihnen meine volle Aufmerksamkeit. Denn mich ergriff diese tiefe Wahrheit in ihnen, welche die verdrehenden Lügen der Skepsis bloßstellten und zerschmetterten. Und ich erinnerte mich, dass Gott mir dieses Versprechen gegeben hatte: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ 

Nach dem Gottesdienst stand ich bereit. Ein Schild baumelte um meinen Hals: „Beter“. Ich hatte keine Angst mehr, die betrügerische Stimme war verstummt. Trotzdem hoffte ich nach wie vor ein wenig, dass die Jugendlichen doch bitte zu den anderen Betern gehen würden. Eine junge Frau kam zielgerichtet zu mir. Wir zogen uns in eine ruhige Ecke zurück und sie schilderte mir, was sie gerade beschäftigte. Ich begann für sie zu beten. Und die Worte sprudelten nur so aus mir heraus. Aber es waren nicht meine Worte; nicht ich war es, die hier sprach. Ich spürte Gottes Hilfe. Sein Geist war es, der dieser Frau durch mich Worte des Trostes und der Ermutigung spendete. 

Zum Schluss des Gebets sprach ich den Bibelvers über sie aus, der mich den ganzen Abend begleitet hatte. Ich öffnete die Augen und sah in ihr glückliches, tränenüberströmtes Gesicht. „Warum dieser Vers?“, fragte sie mich. Sie erzählte mir, dass dies ihr Taufvers sei, aber sie immer mehr daran gezweifelt hatte. Nun hatte Gott sie wieder an seine liebevolle Zusage erinnert.

Der Asphalt auf meinem Heimweg war nicht mehr unnachgiebig, im Gegenteil. Ich spürte ihn kaum unter meinen Füßen, die von einem leichten Herzen getragen wurden. Und auch die Kälte und die Schwere waren fort. Davongeweht von Gottes mächtigem Geist. 

„Nicht ihr seid es, die dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.“
(Matthäus 10,20)

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6 Kommentare

Liebe Nicole
vielen Dank für diese Ermutigung!

Ursula

Von mir auch herzlichen Dank für das ehrliche Teilen. Ich kenne die innere Stimme der Verurteilung, die nicht Gottes Stimme ist. Und ich hatte Tränen in den Augen, als ich gelesen habe, wie sehr genau dieser Bibelvers die junge Frau berührt hat. Das ist auch der Taufspruch, den ich für meinen Sohn ausgesucht habe. Er geht mit Problemen und Zweifeln durchs Leben und ich würde mir wünschen, dass Gott selbst ihm auch seinen Taufspruch durch einen anderen Menschen neu zuspricht.

Beate

Eine wunderbare Geschichte, die auch mir sehr viel zu sagen hat und mich ermutigt. Liebe Grüße !

Yvonne

Liebe Damen, Wo bleibt eigentlich die "neue Lydia" ? Habe ein Abonnement.

Sonnhild Eckardt

Liebe Frau Eckardt,
leider gab es Verzögerungen mit dem Versand - die Zeitschrift wurde jetzt verschickt und sollte in dieser Woche bei Ihnen eintreffen.

Lydia-Redaktion

„Blühe, wo du gepflanzt bist“. Dieser Spruch beschäftigt mich schon lange….und jetzt finde ich ihn hier auf der Seite der LYDIA. Zum Herunterladen, auf das Handy. auf den Computer.
Die Buchstaben filigran geschrieben, in einer Schreibschrift, wie sie die Oma noch erlernt hat. Ein schwarzer Blumenstrauß auf elegantem Hintergrund. Dieses Bild gefällt mir. Es ist schlicht und sehr edel in seiner Wirkung. Modern und trotzdem zeitlos . Es spricht mich an, weil ich es so stimmig finde. Aber der Spruch?

Er geht nicht aus dem Kopf. Wenn ich dieses Bild auf mein Handy lade, werde ich mich darüber freuen, aber ich werde diesen Spruch auch ständig lesen. Er wird mich erinnern, er wird mich mahnen, er wird in Frage stellen, was ich verdränge.

Blühen, wo ich gepflanzt bin?

Dafür braucht es erst einmal Wurzeln, tief verankert im Erdreich, mit Nährstoffen und Wasser versorgt. Es benötigt Licht und Wärme. Und das Blühen? Taugt ein jedes dazu? Wir alle sind verschieden: die eine ein Veilchen, die andere eine Rose, eine Tomatenstaude, ein Kirschbaum, ein ganzes Tulpenbeet.
Aber blüht jeder Grashalm, ein Kaktus, eine Brennnessel?

Über das Nachdenken verschwimmt das schöne Bild vom Blumenstrauß auf meinem Handy, weil ich diesen Spruch gern leben will, aber nicht immer leben kann. Weil er erinnert, dass es meist nicht beeinflussbar ist, wo die Wurzeln gesetzt sind. Dass es schmerzt, wenn der Boden hart und trocken ist, Wärme und Regen fehlen. Weil es manchmal kein Blühen gibt, egal, wie sehr man sich anstrengt, weil die Winter zu lange dauern und der Schnee nicht schmelzen will.
Unter der Schneedecke kann es auch gut sein, ich muss nichts müssen, nicht Blühen, nur warten.

Warten, dass mich jemand aufweckt, mir Wasser und Licht gibt und wie ein Vögelchen zwitschert: „ Ich passe auf dich auf, damit du erblühen kannst.“

Blühen, wo ich gepflanzt bin, braucht Geduld, Schutz und Hoffnung.

Viele Frauen haben nie erfahren, dass sie blühen können, weil ihre Wurzeln nie gespürt haben, dass sie versorgt sind.

Wir sollten diesen Spruch deshalb nicht leichtfertig auf unser Handy laden, weil er trendy und schick ist ( auch wenn er verführerisch klingt, in der Tat). Wir sollten uns gegenseitig Wasser, Wärme und Licht geben und warten, was Gott am Ende aus all dem macht: seinen liebevoll gepflegten Garten.

An welchem Ort wurdest du gepflanzt? Wie stark sind deine Wurzeln?
Wie nahrhaft die Erde, in der du stehst? Erhältst du genügend Wasser und kannst du Wärme spüren, wo du jetzt bist?

Bevor ich mit diesem Spruch meinen Desktop gestalte, muss ich diese Fragen dringend klären.

Und du?

Dana
Was denken Sie?

Alltagswunder

Gott handelt – nicht immer so spektakulär, wie wir es vielleicht erwarten, manchmal nur ganz leise und unaufdringlich. Doch wenn er es tut, ist es immer ein Wunder, das alles verändern kann.

Auf unserem Blog „Mein Alltagswunder“ erzählen Lydia-Autorinnen von diesen wunder­baren, kleinen Momenten mit Gott, die ihren Alltag erhellt haben.

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