Der Anblick einer Schafherde beeindruckt mich immer wieder. Er wirkt so beruhigend. Ein Hirte weidet seine Schafe mit Unterstützung seiner treuen Hirtenhunde. Der Eindruck ist so friedlich, fernab von Hektik und Stress. Ein idyllisches Bild zeichnet sich ab und bleibt im Gedächtnis haften.
Die Tiere fressen gemütlich ihre Lieblingsmahlzeit – frisches Gras –, ruhen sich aus, und manchmal kommunizieren sie durch lautes Blöken miteinander. Sie scheinen sich zu verstehen, und jedes Einzelne findet sein Plätzchen, sei es in der Gruppe oder allein.
Der Weidegrund ist meist eingebettet in ein fruchtbares Tal. Eine angenehme Stille präsentiert sich dem Betrachter. Der Hirte stützt sich auf seinen langen Hirtenstab, sein großer Hut und der lange schwere Mantel schützen vor Wind und Wetter. Auch wenn er nicht wirklich aktiv ist, hat er doch seine Herde stets im Blick; ihm entgeht nichts. Die Hunde und er verstehen sich fast ohne Worte, so scheint es zumindest. Er muss nur wenige Rufe oder Handbewegungen machen, und schon wissen sie genau, was er von ihnen erwartet. Sie sind stets achtsam und führen „Ausreißer“ behutsam, aber doch bestimmt zur Herde zurück.
Wenn ein Psalm lebendig wird
Dieses idyllische Bild bot sich mir bei einer Autofahrt. Schon von Weitem konnte ich die Schafherde erkennen und für einen Moment schaute ich zu ihr hinüber. Die Schafe konnten sich ordentlich sattessen; der Schäfer hatte eine „saftige“ Wiese ausgesucht. Doch etwas ließ mich aufmerken: Der vermeintlich gute Weidegrund grenzte direkt an eine dicht befahrene Bundesstraße. Nicht ungefährlich, ging mir durch den Kopf. Die Hunde waren fleißig unterwegs, um dafür zu sorgen, dass die Schafe beieinanderblieben. Die Gefahr durch die Autos war groß. Doch diese Tatsache schien die Tiere nicht weiter zu stören. Vielleicht war der Futterplatz ungewohnt laut, doch wirklich irritiert wirkten sie nicht. Sie fühlten sich offenbar sicher und zufrieden.
Mir kam der bekannte Psalm 23 in den Sinn: „Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser. Er erquickt meine Seele; er führt mich auf rechter Straße wegen seines Namens …“
Ja, Gott, der Herr, leitet und führt – ein wohltuender und befreiender Gedanke. Täglich lauern viele Gefahren und Herausforderungen; Lasten fordern uns. Manchmal sind sie erträglich und dann auch wieder bedrohlich und erdrückend. So manche Gefahren können das Leben erschweren.
Doch von den Schafen kann ich lernen und ich will mir dieses Bild einprägen. Sie vertrauen ihrem Hirten bedingungslos. Obwohl der Weideplatz sich neben einer belebten Straße befand, wählte er ihn für seine Tiere aus – doch er war achtsam und ließ nicht zu, dass auch nur eines von ihnen in Gefahr geriet. Er wirkte gelassen und hatte doch alles im Blick. Die Schafe fühlten sich in seiner Nähe geschützt und geborgen.
„Und wenn ich auch im finsteren Tal wandere, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir übervoll ein …“
Geborgenheit im Angesicht der Gefahr
Nun betrachte ich diesen bekannten Psalm mit ganz anderen Augen. Er ist ein Sinnbild für Gottes große Liebe zu seinen Menschen. Täglich will er begleiten, will seine Kinder führen, und selbst im Angesicht von Feinden deckt er den Tisch. Niemand muss sich fürchten, er ist da. Salbt das Haupt mit Öl und beschenkt uns überreich. Es ist für jeden genug da. Selbst auf den dunkelsten Wegstrecken verliert das Unglück seinen Schrecken, denn sein Stecken und Stab ebnen die Bahn und sorgen dafür, dass wir den Pfad nicht aus den Augen verlieren.
Angesichts all dieser Fürsorge und Liebe kann die Antwort seiner Kinder nur eine sein:
„Gutes und Barmherzigkeit werden mir mein Leben lang folgen, und ich werde immerdar im Haus des Herrn bleiben.“
Dort bin ich geschützt, geborgen und umgeben von der Liebe und Fürsorge des Vaters.
Dankbar für dieses kurze eindrückliche Bild bei der Autofahrt, fahre ich nach Hause. Die Gelassenheit und das Vertrauen der Schafe in ihren Hirten haben mich wieder neu beeindruckt. Ich präge mir diese kurze Begegnung im Vorbeifahren ein, damit sie mich lange begleitet und ermutigt. Denn der Herr ist auch mein Hirte und er führt mich.
4 Antworten
Ein wunderbares eindrückliches Bild! Vielen Dank für das Teilen dieser Beobachtung, liebe Frau Ortmüller. Von mir aus könnten gerne viel mehr Hirten mit ihren Schafen unterwegs sein. 😀
DANKE, für diese frohe Aufmunterung und Hilfe des Psalmes 23 mit den wunderbaren Eindrücken während Ihrer Autofahrt - kommen genau richtig!
Wie sehr brauche ich diese Zusagen gerade jetzt, in allen Vorbereitungen für
einen Spitalsaufenthalt.
Herzliche Segensgrüsse!
Danke, liebe Birgit, für dieses ermutigende Erlebnis, das du mit uns geteilt hast! Gott führt uns gute Wege und wir dürfen ihm vertrauen, dass er in allem die Kontrolle behält. Ich bin gerade in eine andere Stadt gezogen und ja, aller Anfang ist schwer! Aber ich habe die Gewissheit, dass Gott mich auch in dieser lebensphase führt und leitet.
Unser gute Hirte
Plötzlich stand das finstere Tal vor mir. Brustkrebs, eine Brustentfernung, eine Seite alle Lympfknoten weg. Ein kleiner Tumor in der anderen Brust.
MEIN guter Hirte hat sein Schäflein sieg- und überaus Segensreich durch all die Spitalzeiten hindurch getragen, und tut es so überwältigend jeden neuen Tag. Momentan noch die Bestrahlungen und eine Hormonthertapie. Mir geht es so was von Beschwerdefrei.
Jede Angst und jegwelche Sorge hat der Hirte vollkommen von mir genommen, indem er sich sogleich um alles wunderbar, berührend gekümmert hat.
Alle Ehre und aller Dank sei meinem Hirten Jesus Christus.
Marianne