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Montag, 18.02.2019

Eine tierische Lektion übers Beten

Unser Kater hat zwei Eigenschaften, die typisch für Katzen sind: Er ist immer hungrig und er bettelt ständig um etwas zum Fressen. Als Freigängerkatze bekommt er morgens und abends einen gefüllten Fressnapf. Das hindert ihn aber nicht daran, sich bereits am frühen Nachmittag vor unsere Terrassentür zu setzen und zu jammern, als ob er kurz vor dem Hungertod stünde. Hat er es geschafft, ins Haus zu kommen, läuft er schnurstracks zu seinem Futterplatz. Findet er dort keine Reste vom Frühstück mehr, streicht er mir so lange mauzend um die Beine, bis ich ihm etwas in seine Schüssel fülle oder ihn mit dem Hinweis auf die Futterzeit am Abend wieder ins Freie komplimentiere.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass unser Kater weiß, dass seine Fresszeiten morgens und abends sind. Seit drei Jahren ist er jetzt bei uns. Alles Reden, Schimpfen und alle Erziehungsversuche diesbezüglich haben nicht gefruchtet. Er ist und bleibt auch bei guter Leibesfülle dauerhungrig und immer darauf aus, etwas zum Fressen zu bekommen. Es gibt Tage, da nervt mich unser getigerter Hausgenosse mit diesem Verhalten gewaltig. Gleichzeitig bewundere ich ihn für seine stoische Hartnäckigkeit, mit der er versucht, die vorgegebenen Regeln zu umgehen.
Unser Kater erinnert mich an ein Gleichnis, das Jesus erzählt hat: Eine Witwe bittet einen ungerechten Richter um Hilfe. Der Richter hat zwar keine Lust dazu, aber die Frau lässt ihm keine Ruhe, und am Ende befürchtet er, dass sie handgreiflich wird, wenn er nichts tut. Deswegen nimmt er sich schließlich des Falles an und verhilft ihr zu ihrem Recht (Lukas 18,1–8).
Jesus macht mit der Geschichte deutlich, dass wir nicht aufhören sollen, für etwas zu beten, selbst wenn es den Anschein hat, dass Gott uns nicht hört. Denn wenn schon ein ungerechter Richter sich durch hartnäckiges Bitten erweichen lässt, wie viel mehr wird dann ein gerechter Gott auf die andauernden Bitten seiner Kinder hören!
Die Frage ist, ob Gott einen solchen Glauben bei mir findet. Ich merke, dass ich bei Gebetsanliegen, die einen langen Atem brauchen, schnell nachlasse oder nach einer Weile nur noch halbherzig für sie bete. Aber die Erzählung von der bittenden Witwe und das Verhalten unserer Katze erinnern mich daran, dass Gott möchte, dass ich hartnäckig weiterbete.
Wenn unsere Katze ganz ohne Hemmungen jeden Tag bittet und bettelt, wie viel mehr kann ich dann Gott jeden Tag mit dem in den Ohren liegen, was mir auf dem Herzen liegt – seien es persönliche Anliegen, die Situation verfolgter Christen oder die Nöte anderer Menschen, die Schweres zu bewältigen haben. Zumal ich mir sicher sein kann, dass ich Gott damit nicht auf die Nerven gehe! Im Gegenteil: Er verspricht, zu seiner Zeit und auf seine Weise zu antworten.

Hanna Willhelm

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6 Antworten

  1. Ja, diese Hartnäckigkeit will ich auch
    Wenn man über Jahre betet und sieht keine Veränderung, dann kann das schon frustrierend sein.

    Trotzdem, Gott aber kann viel mehr tun, als wir je von ihm erbitten

  2. Ich bin leider zur Zeit auch in einer Situation, in der sich trotz hartnäckigem Dauergebet nichts ändert. Diese Geschichte macht mir Mut, dranzubleiben!! Vielen Dank dafür.

  3. Leider fällt mir oft die Ausdauer bei einem Gebet um zu warten bis Gott in einer bestimmten Situation eingreift, denke das geht vielen so. Denke da kann man von der Katze lernen und wieviel mehr können wir Gott bitten das er uns mit seiner Kraft und Ausdauer füllt in der jeweiligen Situation. Aber Gott wird antworten zu seiner Zeit dessen dürfen wir gewiss sein!!!

  4. Ich bete auch schon seit 25 Jahren für die Bekehrung meiner Familie.
    An dieser Stelle nicht aufzugeben, obwohl es menschlich gesehen fast aussichtslos scheint, ist meine persönliche Herausforderung im Glauben.
    Aber unser HERR schenkt mir trotz mancher "Durststrecke" auch immer wieder Ermutigung wie durch Bibeltexte oder ermutigende Texte wie diese.
    Danke dafür!

  5. Mir hilft es Danke zu sagen.
    Danke Herr Jesus, dass du Veränderung schenken willst.
    Unter der Geburt ist es auch hilfreich,
    Ja zu sagen...

    Jutta

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