Montag, 13.07.2026

Begegnung im Wald

Bei meinen Waldspaziergängen entdecke ich so einiges. Heute freue ich mich an den wärmenden Sonnenstrahlen, die den Wald in ein besonderes Licht tauchen. Der Wind weht sacht um mich herum. Wenn ich ganz leise bin, höre ich die Bäume, die sich gerade eine Geschichte erzählen. Sie wiegen hin und her, knarzen und quietschen und ich schaue häufiger nach oben. Ob ich Waldbewohner entdecke, die sich am Gespräch beteiligen?

Heute haben die Bäume einen erhöhten Plauderbedarf und ich bin immer wieder erstaunt, welche Töne sie zur Kommunikation nutzen. Ich freue mich über die Vielfalt der Arten in diesem Waldstück. Es ist ein Mischwald mit Laub- und Nadelhölzern, kleine Waldblumen blühen am Wegesrand. Manchmal pflücke ich eine Blume und lege sie zu Hause in meine Bibel. Im gepressten Zustand bleiben sie lange erhalten und erinnern mich an meine Spaziergänge. Heute entdecke ich jedoch am Waldboden ein eher seltenes Exemplar. Eine kleine Blindschleiche liegt regelrecht verknotet vor mir. Ich bleibe stehen, obwohl ich eigentlich vor diesen Tieren flüchte. Alles was kriecht, ist mir nicht geheuer, auch wenn sie eigentlich harmlos sind. Ich frage mich, wie sich das Tier in diesen Zustand gebracht hat. Der Körper ist derart ineinander verschlungen, dass ich mir ein Fortkommen nur schwer vorstellen kann.

„Welche Knoten behindern mein Weitergehen im Leben?“, frage ich mich. Was schnürt mich und meine Gedanken zusammen, sodass sie mich am Fortbewegen hindern oder sogar zum Stillstand bringen? Manchmal sind es Missverständnisse, nicht erledigte Aufgaben, Alltagskonflikte ..., die sich wie ein undurchsichtiger Schleier um meine Seele legen. Manche „Knoten“ werden durch äußere Umstände gebildet, andere wiederum bilde ich selber. Nicht selten setze ich mich unter Druck. Ich möchte mithalten und allen Anforderungen gerecht werden, wenn möglich zeitnah. Ist eine Arbeit abgehakt, kommen schon wieder zwei Neue dazu. Meine To-Do-Liste verlängert sich schneller, als dass ich mit Abarbeiten hinterherkomme. Der Knoten wird immer enger und sitzt fest wie ein Korsett.

„Kommt zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Matthäus 11,28)

Ich bringe Gott meine verschlungenen Gedanken und bitte ihn, mich zu entlasten, zu befreien. Meine Aufgaben sind im Anschluss nicht weniger geworden, aber meine Sichtweise hat sich geändert, ist entspannter. Der Krampf löst sich langsam und macht mich wieder beweglich. „Danke Herr, dass Du alle meine Verstrickungen und Knoten kennst und mir dennoch hilfst und Ruhe verschaffen möchtest.“ Ich habe die Blindschleiche noch eine Weile beobachtet. Sie hat mir nicht verraten, wie sie sich entknoten und fortbewegen wird. Aber sie ist flink und wird sicherlich ohne Mühe weiterkriechen.

Birgit Ortmüller

"Danke" an die Autorin

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4 Kommentare

  1. Ich bin Gott so dankbar, dass ich mit beidseitigen CI‘s und mit beidseitigen N7 seit April 2020 nach so vielen Jahren meines Lebenswandel von 5. Lebensjahr an mit TaschenHG und weitere BiGrossHörGerät ganz anderes neues Hörreise erleben darf und kann. Darum liebe ich viel mehr Wald, 🌳 Natur und verschiedene Vögel trillern und singen. Was ich in den ersten 50 Jahren mit BiGrossHörGerät fast kaum hören konnte, kann ich in der heutigen Hörreise fast alles und mehr hören. Das ist für mich ein ganz tolles Erlebnis und Gefühl anwesend mit meinem Hören!
    Liebe Grüße
    Gisela Geus

  2. Ja, diese vielen Verstrickungen und Knoten und verschlungenen Wege und Gedanken können uns schon schwer werden und auch zu schwer..oder uns stören ja sogar verstören oder belasten und behindern, ja sogar lähmen und dennoch gehören sie auch zu uns, zumindest solange wir sie empfinden und manchmal finden wir sogar innerhalb unserer Verknotungen Ruhe und Frieden und eine neue andere Sicht und Akzeptanz. Darum liebe ich die Worte von Jesus aus Mt 11,28 und freue mich sooft mit jemand daran erinnert! DANKE

  3. Ich kann das so gut nachempfinden. Ich bin gerne im Wald, gerne in der Natur. Womöglich deshalb, weil ich oftmals so viel um die Ohren habe, dass mir die Zeit in der Natur hilft, mich neu zu sortieren. Vor allem verringert sich dadurch auch mein Stresslevel. Und am Abend lege ich alles in Gottes Hände . Und dann ist auch mein Kopf frei.

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