Vor Kurzem war ich mit meinem Mann im Urlaub auf Gran Canaria. Wir gehören nicht zu den Menschen, die sich nur an Strand und Pool entspannen. Wir möchten auch gerne etwas von der Umgebung entdecken. Also beschlossen wir, eine kleine Wanderung zu unternehmen. Mein Mann wählte eine schöne Route. Laut App sollte sie fünf Kilometer lang sein und etwa zwei Stunden Gehzeit in Anspruch nehmen – eine absolut überschaubare Strecke. Und „überschaubar“ trifft es hier im wahrsten Sinne des Wortes. Normalerweise ist eine Wanderung ja auch immer eine Überraschung: Man läuft los und weiß nicht, wie lange sich Steigungen und Passagen noch ziehen werden. Hier war es jedoch ganz anders.
Die Wanderstrecke begann auf einem Plateau. Von diesem aus konnten wir die gesamte Wanderstrecke vor uns sehen. Wie einen offenen Wanderplan. Dieses klare Bild der Wanderung gab mir eine beruhigende Sicherheit, denn ich wusste genau, was auf uns zukommen würde.
Es war ein bewölkter, leicht windiger Tag – perfekt für unser Vorhaben. Die Sonne brannte nicht wie an den Tagen zuvor und der Wind sorgte dafür, dass wir uns angenehm bewegen konnten. Während wir losliefen, war ich ganz entspannt. Ab und zu wurde mein Herzschlag etwas schneller, doch die Anstrengung war gut zu bewältigen. Als der Weg schmaler wurde und es steil bergauf ging, wusste ich genau: Es wird wieder bergab gehen und die Strecke wird wieder leichter. Die Landschaft war beeindruckend, und weil die Strecke so überschaubar war, konnten wir alles bewusst wahrnehmen. Besonders die vielen Geckos, die flink an uns vorbeihuschten, zogen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Es war ein schönes Erlebnis, mit der Gewissheit zu wandern, dass man genau weiß, was als Nächstes kommt.
In diesem Moment dachte ich: Wie schön wäre es, wenn auch das eigene Leben so klar und überschaubar vor einem ausgebreitet läge wie dieser Wanderweg. Wenn man genau sehen könnte, wann schwierige Passagen enden, wann es wieder bergab geht und leichter wird.
Aber das Leben ist nun einmal nicht so berechenbar. Wir können nicht in die Zukunft schauen. Stattdessen muss ich im Glauben und Vertrauen in die Zukunft gehen. Ich darf dabei aber wissen, dass Gott mich in den schweren Zeiten nicht allein „wandern“ lässt, sondern mich begleitet, ja oft sogar durchträgt. Dieses Bewusstsein gibt mir Ruhe und Zuversicht. Ich möchte darauf vertrauen, dass nach schwierigen Wegen auch wieder leichtere Strecken vor mir liegen.
2 Kommentare
Ein sehr zuversichtlicher und ermutigender Beitrag. Genau richtig an einem Montag morgen.
Liebe Grüße
von
Angela Wolter
Ja, so sehe ich es auch. Wir brauchen diese Zuversicht, dass nach schwierigen Wegstrecken auch wieder leichtere für uns folgen werden. Mein Trost ist an solchen Stellen, dass Gott den Weitblick hat, also unsere gesamte Wegstrecke im Blick hat. Und deshalb macht es Sinn, IHM allezeit zu vertrauen.
Eine gesegnete neue Woche wünscht allen Heidrun Hemmerling.