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Fasten für Körper

und Seele

Ruth Pfennighaus © Deborah Pulverich Fotografie 33

Die Tür des „Gesundheitshauses“ in Marburg steht bereits offen, als ich komme. Ruth Pfennighaus erwartet mich. Ihre wachen Augen strahlen mich an. Ruth Pfennighaus ist Kräuterfrau, Ernährungsberaterin und Fastenleiterin. Sie sprudelt richtig, wenn sie über Kräuter oder basische Ernährung spricht.

Die Begeisterung für alles, was mit gesundem Lebensstil zu tun hat, hat sie von ihrer Mutter geerbt. „Von dem, was meine Mutter mir beigebracht hat, profitiere ich heute noch. Ihr Interesse an Gesundheitsthemen hat mich geprägt“, sagt sie.

Mit sechzehn Jahren verließ Ruth die Schule, um eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen. Nach einigen Jahren Arbeit im Krankenhaus lernte sie den Theologen Dietmar Pfennighaus kennen. Nach ihrer Hochzeit unterstützte sie ihren Mann bei seiner Tätigkeit als Pastor in Mecklenburg. Sie begann, Gesundheitsvorträge in der Kirchengemeinde zu halten. „In der DDR gab es keine Familienbildungsstätte und keine Volkshochschule“, sagt sie. Daher habe die Kirche teilweise diese Aufgabe übernommen und eingeladen zu Fastenwochen, Raucherentwöhnung, Gesundheitsvorträgen und Kochkursen. „Wir haben nach dem Prinzip aus Jeremia 29,7 gelebt: ‚Suchet der Stadt Bestes.‘ Wenn man schaut, wie man den Menschen körperlich helfen kann, sind sie bereit, auch geistliche Schritte zu gehen.“

Herausforderung Pflegeeltern

Nach dem Mauerfall zog das Ehepaar in die kleine Universitätsstadt Marburg in Hessen. Die beiden nahmen fünf Pflegekinder auf, und eine stürmische Familienzeit begann. Ruth bot weiterhin Kochkurse und Veranstaltungen zum Thema gesunde Ernährung an. Aber mit der wachsenden Familie wurde die Arbeit irgendwann zu viel. „Unsere Kinder brachten ihre Päckchen aus der Vergangenheit mit. Sie hatten ADHS und verschiedene Traumata. Das war eine große Herausforderung“, erinnert sie sich.

Das Ehepaar Pfennighaus wollte seine Erfahrungen als Pflegeeltern teilen. Daher arbeiteten die beiden einige Jahre bei „Team F“ mit. „Wenn Christen Kinder aufnehmen, sind sie oft entsetzt und traurig, wenn das Kind klaut oder Drogen nimmt. Sie können bei uns ein anderes Lebensmodell kennenlernen, aber sie werden nicht völlig verändert. Wir haben versucht, zu vermitteln, dass man trotz Gebet und aller Anstrengung mit der Prägung der Kinder leben muss und lernen kann, sie anzunehmen.“ Inzwischen sind alle fünf Schützlinge erwachsen und leben ihr Leben gut, so, wie sie es können.

Fasten als Ausgleich

Ruth Pfennighaus kam schon während der intensiven Familienphase zum Fasten. Sie brauchte eine Auszeit, einen Ausgleich zum anstrengenden Alltag. Sie meldete sich zum Fastenwandern an. „Eigentlich esse ich sehr gerne. Aber ich hoffte, durch das Fasten wieder in eine gesunde Balance zu kommen. Ich merkte, dass ich ruhiger werden muss.“ Von den Auswirkungen war sie so überzeugt, dass sie das Fasten in ihr Leben integriert hat.

„So, wie ich Geburtstag und Weihnachten feiere, so gehört das Fasten dazu. Ich faste im Januar, und dann im November mit Dietmar noch mal. Das sind eingetragene Termine“, sagt sie. Dann gibt es fünf Tage lang nur Tee und Gemüsebrühe. Vorher und hinterher ernährt sie sich basisch, das heißt, eine Zeit lang nur von Obst, Gemüse, Salaten und meist Rohkost zu leben.

„Wir sind Körper, Seele und Geist. Das kann man in keiner Phase voneinander trennen. Wenn ich für den Körper faste, faste ich immer auch für die Seele.“

„Wir sind Körper, Seele und Geist. Das kann man in keiner Phase voneinander trennen. Wenn ich für den Körper faste, faste ich immer auch für die Seele. Und dann kommen Probleme hoch, die ich weggesteckt habe. Beim Fasten kann ich sie anschauen und bearbeiten. Ich kann mit Gott wieder neue Dinge festmachen. Fasten ist ein zutiefst geistliches und auch seelisches Geschehen“, erklärt sie. „Ich brauche zweimal im Jahr diese Zeit der Ruhe, um zu schauen, ob ich noch in der richtigen Richtung unterwegs bin. Es geht um Arbeit und Ruhe, um essen und nicht essen, kaufen und nicht kaufen … Das ist wie ein Frühjahrsputz für den Körper, um zu schauen: Was ist das Wichtige im Leben?“

Gottes grüne Apotheke

Aber Ruth wäre nicht Ruth, wenn sie die gewonnenen Erkenntnisse für sich behalten würde. Sie hat das Fasten zum Beruf gemacht und bietet seit über zwanzig Jahren Fastenwanderwochen an. Inzwischen bildet sie auch selbst Fastenleiter aus. Sie ist davon überzeugt, dass es nichts gibt, was die Gesundheit so ganzheitlich stärkt. „Ich habe meine schönste Lebensberufung gefunden: Kräuterfrau zu sein und Weiterbildungen zu geben, das sind meine zwei Lebensaufgaben.“

Vor zwölf Jahren machte sie eine Ausbildung zur Phytotherapeutin (Fachfrau für Kräuterheilkunde). Dabei war ihr wichtig, dass sich botanische und medizinische Wissensvermittlung nicht mit einer esoterischen Weltanschauung vermischt. „Es hat mich fasziniert, welche Wirkkraft Gott in Kräuter und andere Pflanzen gelegt hat. Er hat uns mit einer wahren Apotheke umgeben – doch leider wissen wir viel zu wenig darüber und nutzen sie nicht“, hat sie beobachtet.

Das Ehepaar Pfennighaus gründete das ganzheitliche „Gesundheitshaus“ und verwirklichte damit den langjährigen Traum, das Wissen und die Kompetenzen aus den unterschiedlichen Bereichen zusammenzutragen.

„Wir begreifen unser Leben als einen ständigen Reifungs- und Wachstumsprozess, den wir in Einklang mit Gott, dem Nächsten und uns selbst sowie der ganzen Schöpfung betrachten. Wenn wir die verschiedenen Dimensionen einbeziehen, werden überraschend heilsame Schritte möglich“, beschreiben sie ihre Vision.

Körper und Seele sind eine Einheit

Während Ruth sich in verschiedenen Angeboten mit dem körperlichen Wohlbefinden beschäftigt, kümmert Dietmar sich um die seelische Gesundheit. Beide bieten Beratungsgespräche und Seminare an. Ruth erlebt immer wieder, dass viele Menschen, die mit körperlichen Symptomen kommen, eigentlich auch seelsorgerliche Hilfe benötigen. „Häufig stecken seelische Ursachen hinter den Symptomen. Wenn du nicht auf deine Seele hörst, dann holt sie sich den Körper zu Hilfe, und so entstehen Probleme wie hoher Blutdruck, Migräne, Magen- oder Darmprobleme. Wir sollten uns bedanken bei unserem Körper, weil die Symptome uns an etwas erinnern.“ Bei körperlichen Symptomen lohne es sich immer, genau hinzuspüren und nach den Ursachen zu forschen. Daher liegt den unterschiedlichen Kursen ein ganzheitliches Konzept zugrunde.

Die Gesundheit durch Kräuter zu stärken, ist ihr besonderes Anliegen. Neben dem Haus hat sie einen Kräutergarten angelegt. Der „Hoffnungsgarten“ ist ihr ganzer Stolz. In den Beeten sind die Pflanzen nach Wirkung und Bereichen geordnet. Zwischendurch finden sich viele liebevolle und verspielte Details. Hübsche Holzschilder verraten den Namen der jeweiligen Pflanze und das Einsatzgebiet.

Für den Garten geboren

Dabei ist Ruth keine begeisterte Gärtnerin. Aber sie ist davon überzeugt, dass Gott die Menschen ursprünglich für den Garten Eden geschaffen hat: „Wir sind als ‚Draußenmenschen‘ geschaffen. Deshalb tun uns frische Luft und Bewegung in der Natur so gut. Gott hat uns alles zur Verfügung gestellt, was wir für ein gesundes und glückliches Leben brauchen. Mir ist es im Lauf der Jahre immer wichtiger geworden, nicht nur gut mit mir selbst und meinem Mitmenschen umzugehen, sondern auch auf die Schöpfung zu achten. Gott hat uns diese wunderbare Erde geschenkt und uns den Auftrag gegeben, sie zu bebauen und zu bewahren.“

Als sie begonnen hat, sich mit ihrem „ökologischen Fußabdruck“ zu beschäftigen, hat sie ihre Lebensgewohnheiten verändert. Sie legt die Wege auf dem Fahrrad zurück – im hügeligen Marburg eine Herausforderung. Sie lebt das, wofür sie andere sensibilisieren möchte: dass wir den „Garten“, in den Gott uns gestellt hat, bewahren und nutzen. „Als Christen überlassen wir es allzu oft anderen, für den Erhalt der Schöpfung und der Geschöpfe zu sorgen, und klammern diesen Bereich aus unserem Glauben aus. Dabei gilt der Schöpfungsauftrag nach wie vor.“

„Gott hat uns diese wunderbare Erde geschenkt und uns den Auftrag gegeben, sie zu bebauen und zu bewahren.“

Ruth Pfennighaus ist inzwischen dreiundsechzig Jahre alt. Sie wirkt dynamisch und aktiv. Und sie scheint immer in Bewegung zu sein. Körperlich und geistig. Jeden Tag geht sie mit ihrem Mann mindestens eine Stunde spazieren. Gemeinsam mit ihrem Mann singt sie, pflegt Freundschaften, liest viel und hat angefangen zu malen. Bis jetzt denkt sie noch nicht daran, in den Ruhestand zu gehen. Aber ab jetzt sollte die Arbeit nur noch Spaß machen und entspannter sein, die Nachmittage sind frei.


Mehr Informationen über das „Gesundheitshaus“ gibt es unter www.ge-haus.de

Dieser Artikel erschien in Lydia 3/2022.
Fotos: Deborah Pulverich

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