Viele Frauen fühlen sich dauerhaft erschöpft – gefangen zwischen Erwartungen, Dauerstress und dem Gefühl, immer funktionieren zu müssen. Aber muss das wirklich so bleiben?
Unsere Erschöpfung äußert sich auf unterschiedliche Weise. Wir schlucken unsere Tränen hinunter, wenn eine Freundin uns fragt, wie es uns geht. Wir würden am liebsten tief aufseufzen, wenn wir morgens wach werden und nicht glauben können, dass die Nacht schon wieder vorbei ist. Wehmütig verfolgen wir die Statusmeldungen unserer Freundinnen in den sozialen Medien und fragen uns, wie sie so oft Urlaub machen können. Wir spüren, wie die Angst sich breitmacht, wenn das Wochenende zu Ende geht und der Montag vor der Tür steht. […]
Die Frage ist: Sind wir müde genug, um etwas an unserer Einstellung zu ändern? Müde genug, um unser Leben zu ändern? Müde genug, um uns ehrlich zu fragen, wie es mit uns so weit gekommen ist und wie wir aus diesem Erschöpfungskreislauf herauskommen?
Schlaflose Nächte
Meine Vorfahrinnen waren tolle Frauen, aber es gibt ein Erbe, auf das ich gern verzichtet hätte: Wir haben Probleme mit dem Schlafen. In den schlimmsten Nächten, wenn ich überhaupt nicht wieder einschlafen konnte, versuchte ich, aus dem Bett zu schlüpfen, ohne meinen Mann zu wecken. Ich beklagte mich nie – oder zumindest strengte ich mich sehr an, es nicht zu tun -, wenn der Rest meiner Familie zu normalen Aufstehzeiten nach und nach wach wurde. Es war das Vermächtnis meiner Ahninnen. So war das eben einfach.
Aber in einem Frühjahr änderte sich alles. Ich war zu dem Zeitpunkt 37 Jahre alt, und aus den gelegentlichen schlaflosen Nächsten wurden lange, quälende Phasen von Schlaflosigkeit. Es war eine Schlaflosigkeit, die durch Angst ausgelöst wurde: Panikattacken, die mich wie Wellen überrollten – von dem Moment an, wenn ich mich hinlegte, bis die Sonne aufging.
Das ist das Problem mit Erschöpfung: Sie will immer mehr. Sie durchdringt jede Facette unseres Lebens, bis wir uns endlich mit dem beschäftigen, was unserer Erschöpfung zugrunde liegt.
Jesus hat unsere Freiheit nicht erkauft, damit wir ein Leben führen, das von Erschöpfung geprägt ist – darum muss es mehr für uns geben als diesen endlosen Teufelskreis der Erschöpfung.
Die eigenen Grenzen akzeptieren
Das Ganze ist in Wirklichkeit ein kulturelles Problem, das eine geistliche und eine konkrete, praktisch umsetzbare Antwort erfordert.
Wir sind seelisch erschöpft, weil wir in einer Kultur des „reaktiven Versagens“ leben – einer Kultur, die akzeptiert, dass Erschöpfung unvermeidlich ist, statt sich dafür einzusetzen, dass die Menschen Ruhe und Erholung bekommen.
Ständig beschäftigt zu sein, ist für uns wie ein Götze, vor dem wir uns niederwerfen, statt auf ein vernünftiges Lebenstempo zu achten, das uns guttut. Wir belohnen Frauen, die die Zähne zusammenbeißen und weitermachen, statt dankbar die Grenzen zu akzeptieren, die Gott uns gesetzt hat.
Wenn wir Ruhe für unsere Seele finden wollen, dürfen wir nicht länger resigniert hinnehmen, dass es immer so bleiben wird. Wir müssen lernen, auf unsere wahren Bedürfnisse zu achten, damit wir wieder zu Kräften kommen, und für uns selbst im Hören auf Gott neue Gewohnheiten entwickeln. Und zwar Gewohnheiten zu finden, die uns helfen, ein Lebenstempo zu finden, das zu uns und unserem Leben passt.
Anders über Erschöpfung sprechen
Wir müssen die Art und Weise verändern, wie wir über unsere Erschöpfung reden, wenn wir bleibende Veränderungen in unserem Umfeld und in unserem persönlichen Leben sehen wollen.
Ich möchte dir gern ein paar Möglichkeiten aufzeigen, wie wir bei uns selbst anfangen können, um die Sprache und Gesellschaft zu verändern.
- Wir hören auf damit, ständiges Beschäftigtsein oder Erschöpfung zu glorifizieren. […] Wir können lernen, uns auf ein Lebenstempo einzulassen, das im Einklang mit Gottes Prinzipien steht, indem wir nicht länger prahlen, wie müde wir sind oder wie voll unsere Tage sind. […] Wir können auch darauf achten, die Müden und Geschäftigen um uns herum nicht zu loben, sondern ihnen mit Mitgefühl zu begegnen.
- Wir hören damit auf, es allen recht machen zu wollen. […] Wenn wir ständig darauf aus sind, es anderen recht zu machen, hindert uns das daran, Gott zu dienen und gute Leiterinnen zu sein; es macht uns zu Frauen mit falschen Prioritäten und wird ohne Zweifel zu einem Leben führen, das uns in mehrfacher Hinsicht erschöpft.
- Wir hören auf damit, uns dafür zu entschuldigen, wenn wir Nein sagen, Ruhe brauchen oder Grenzen setzen.
- Wir verbergen nicht länger, wie schlimm unsere Erschöpfung tatsächlich ist. […] Wenn du körperlich, geistlich, mental und emotional erschöpft bist – dann müssen deine Leute das wissen. […]
Wenn du die Art und Weise veränderst, wie du über dieses Thema sprichst, funktioniert das tatsächlich. Es schafft eine Atmosphäre, in der andere eine Ahnung davon bekommen, wie es ist, sich auf eine realistische Art von Ruhe einzulassen. Und auch wenn es dir abverlangen wird, kompromisslos ehrlich zu sein, ist das ein Investition, die sich beständig auszahlen wird, wenn du siehst, wie sich dein Umfeld verändert.
Dies ist ein bearbeiteter Auszug aus dem Buch "Einatmen. Aufatmen. Leben." von Jess Connolly, Gerth Medien.
