Kontakt & Service

Vergessene

Träume

pexels-pavel-danilyuk-7120916

Es begann mit einem Kindheitstraum. Ein Bleistift ist nur ein Stück Holz mit einer Bleimine in der Mitte. Aber für mich als kleines Mädchen war er ein wahrer Schatz. Ich bin in einem ungarischen Dorf aufgewachsen. Wir waren nicht reich, und ein Bleistift musste lange halten. Um ihn zu schonen, schrieb ich im Sommer mit dem Finger in den Sand. Im Winter war der Schnee mein weißes Blatt Papier.

Schon als Kind träumte ich davon, eines Tages Schriftstellerin zu werden. Als meine Familie zu Jesus fand, stellte ich fest, dass es in meinem kommunistisch regierten Land keinen Platz für eine christliche Schriftstellerin gab. Also legte ich meinen kostbaren Bleistift beiseite, begrub meinen Traum vom Schreiben und lernte nähen. Stoffballen traten an die Stelle meines Bleistiftes, und ich wurde Modedesignerin.
Doch eines Tages geschah etwas Unerwartetes. Ich hörte von einem Missionar, der durch mein Land reisen würde. Neugierig geworden, ging ich zu der Versammlung und rechnete damit, einen kräftigen Mann zu sehen, der imstande war, es mit Löwen und Krokodilen aufzunehmen. Zu meiner Überraschung betrat eine schlanke Frau das Podium.
Aufgeregt saß ich auf der Kante meiner harten Holzbank und fragte mich: Gibt es im geistlichen Dienst einen Platz für Frauen? Während die Frau sprach, betete ich leise: „Gott, wenn du jemals eine andere Frau brauchen solltest, wäre ich gerne bereit, für dich zu arbeiten.“
Ein paar Jahre später machte ich eine theologische Ausbildung, während der ich meinen deutsch-kanadischen Ehemann kennen- und lieben lernte. Als jung verheiratete Ehefrau vergaß ich meinen Traum vom Schreiben. Aber Gott vergaß ihn nicht. Zwanzig Jahre später erlaubte er mir von Neuem, meinen Bleistift in die Hand zu nehmen.

Unerträgliche Schmerzen

Im Jahr 1984 bekam ich aufgrund einer ärztlichen Fehlbehandlung schreckliche Schmerzen und suchte Hilfe in verschiedenen Krankenhäusern in Europa und den Vereinigten Staaten. Immer wieder bekam ich zu hören, dass man mir nicht helfen könne. Ich müsse lernen, mit den unerträglichen Schmerzen zu leben.
Eines Morgens kam ich bei einem Spaziergang auf eine Brücke. Während ich die Felsen unter mir anschaute, hatte ich den Eindruck, dass der Feind mir zuflüsterte: „Warum springst du nicht einfach herunter – dann bist du diese Schmerzen ein für allemal los!“ Erst an diesem Morgen hatte ich in der Bibel Matthäus 4 gelesen, wo der Teufel versucht, Jesus von seinem gottgegebenen Auftrag abzubringen. Ich dachte: Diese Abkürzung werde ich nicht nehmen.
In diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass Gott mir die Augen öffnete und mir die Not der Frauen in Europa zeigte. Ja, da gab es Traumhäuser mit Blumenkästen voller prächtiger Blühpflanzen hinter weiß getünchten Lattenzäunen. Aber hinter den frisch gefegten Stufen, den verschlossenen Haustüren und den modischen Kleidern lebten Frauen mit Schmerzen.
Mir schien, als ob Gott leise zu meinem Herzen sprach: „Äußerlich sieht alles wunderschön aus und scheint in bester Ordnung zu sein, aber Tausenden von Frauen geht es heute wie dir. Ihr Schmerz mag körperliche, seelische oder geistliche Ursachen haben, aber Schmerz ist Schmerz, ob der Grund dafür nun Krankheit, Einsamkeit oder irgendein anderes Problem ist.“
„Ich möchte ihnen helfen, Herr“, betete ich. „Aber was kann ich tun?“

„Vertrau mir“

Plötzlich kam mir mein Kindheitstraum vom Schreiben wieder in den Sinn, und Gott ließ in meinem Herzen die scheinbar unmögliche Idee von einer christlichen Zeitschrift für Frauen entstehen. Überrascht und tief bewegt stellte ich mich Gott zur Verfügung und sagte ihm, dass es mir eine Freude wäre, als Stift in seiner Hand zu dienen. Und an jenem Tag, inmitten von Schmerzen, wurde eine neue Vision geboren.
Der Gedanke nahm mir den Atem. Es gab keine solche Zeitschrift für Frauen in Deutschland. Sie wurde gebraucht, und es schien, als hätte ich den Auftrag bekommen, sie ins Leben zu rufen. Aber als ich an die praktischen Einzelheiten dachte, die man berücksichtigen musste, wenn man eine Zeitschrift gründen wollte, betete ich: „Herr, gibt es für diese Arbeit nicht jemand qualifizierteren?“
„Vertrau mir“, hörte ich.
Warum ist es so schwer, diesen beiden kleinen Worten zu gehorchen? Dennoch – in meinem Herzen beschloss ich, dass ich ihm vertrauen würde.

Gottes Idee

Ich nährte meinen Traum den Frühling und Sommer über, und im Herbst war die Zeit gekommen, die Idee mit meinem Mann zu teilen. Ditmar war sofort begeistert. „Du solltest dich an einen Verlag wenden“, riet er mir.
Das schien nur logisch. Aber die Reaktionen, die ich bekam, verblüfften mich. „Die Zeitschrift wird nicht überleben“, bekam ich zu hören.
So gründeten wir ein Jahr später den unabhängigen LYDIA-Verlag. Mit tausend Mark, die ich von meinem Haushaltsgeld gespart hatte, begann ich glaubensstärkende Geschichten zu sammeln. Mein jugendlicher Blick für Modedesign und meine Neigung zum Geschichtenschreiben kamen mir nun zu Hilfe. Gott erlaubte mir, durch LYDIA meine beiden Kindheitsträume gleichzeitig in seinen Dienst zu stellen.
1986, zwei Jahre später, kam die erste Ausgabe der Zeitschrift LYDIA aus der Druckerei. Heute ist sie die größte christliche Frauenzeitschrift in Europa und erscheint in drei Sprachen – Deutsch, Rumänisch und Ungarisch.
Ja, ich hatte als Kind einen Traum. Aber Gott hatte einen größeren Traum als meinen. Im Laufe der Jahre hatte ich das Vorrecht, Tausende von Artikeln herauszugeben – Geschichten von Ewigkeitswert, die zahllosen Frauen geholfen haben, zu Gott zu finden, und sie auf ihrem Glaubensweg ermutigt haben.

Elisabeth Mittelstädt ist Gründerin und langjährige Redaktionsleiterin der Zeitschrift Lydia". Die ausführliche Geschichte lesen Sie in ihrer Biografie „Größer als meine Träume" und in ihrem Buch „Wunderbar geleitet“.

"Danke" an die Autorin

Der Beitrag hat Ihnen gefallen? Sagen Sie der Autorin „Danke!“ mit einem Kommentar.

Artikel teilen?

Was denken Sie?

Teilen Sie Ihre Gedanke mit uns und anderen Lesern! Wir freuen uns über Ihren Beitrag.

> Kommentieren

Eine Antwort

  1. 1 von 10 000

    Nie vergessen werde ich,
    den Frauentag in Frankfurt. (1999)

    Im Vorfeld habe ich mich riesig gefreut,
    für Elisabeth und ihr Team,
    weil ich die Info bekam : die Veranstaltung wird in einer anderen Halle stattfinden, es haben sich so viele Frauen angemeldet !!!

    Und dann, hatte ich das Vorrecht ganz vorne einen Sitzplatz zu bekommen. So konnte ich direkt in die strahlenden Augen von Elisabeth schauen.

    Eine halbe Ewigkeit nahm sie sich Zeit,
    uns einfach nur an zu strahlen...

    Die Zeitschrift Lydia war mir noch neu.

    Doch,
    da gab es noch andere Gastfrauen,
    die mich seit diesem Tag,
    nicht mehr losgelassen haben.

    Lynn Hybels, Anja Lehmann, Judy Bailey, und die kleine Frau aus Russland....

    Letztes Jahr nun,
    hatte ich endlich die Gelegenheit,
    das Buch
    "Größer als meine Träume "
    zu lesen.

    Zu studieren, muss man schon sagen.
    Denn, ich habe das Buch in Etappen gelesen...

    Gott sei Dank
    war dass, im Urlaub.

    So konnten mein Mann und ich uns,
    ihre Geschichte , so richtig zu Herzen gehen lassen.

    So, wie man ein gutes Stück Kuchen,
    Stück für Stück
    genießt.

    Was für ein Gott !!!

    Dem auch ich mich anvertrauen kann,
    an jedem neuen Tag.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

* Hiermit erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre E-Mail-Adresse zur Prüfung und Benachrichtigung sowie Ihr Kommentar und der gewählte Name zur Veröffentlichung gespeichert und verarbeitet werden. Sie können diese Einwilligung jederzeit widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ähnliche Artikel

Mutig weitermachen - wie das Eichhörnchen
Darius Götsch erzählt, wie er im Wald Lektionen fürs Leben lernt.
> weiterlesen
Zuhause auf zwei Kontinenten
Als Daniela Tembo den christlichen Glauben annahm und später nach Afrika reiste, um dort für eine Missionsgesellschaft zu arbeiten, waren ihre Eltern skeptisch. Wie ihre Tochter sich durch den Glauben veränderte, konnten sie nicht nachvollziehen. Als sie dann einen Mann aus Malawi heiratete, wurde die Beziehung noch distanzierter. Im Interview erzählt Daniela (38), wie sie mit der Spannung umgeht und wie sie das Leben in zwei Kulturen erlebt.
> weiterlesen