Als der erste Schnee dieses Jahr fiel, beschlossen meine Tochter und ich spontan, in einen Nachbarort zu fahren, der deutlich höher liegt und wo immer mehr Schnee liegt als bei uns.
Wir packten den Hund ins Auto und starteten voller Vorfreude auf einen schönen Spaziergang im Schnee. Als wir die Straße erreichten, die wir hochfahren mussten, sah ich das Schild: „Kein Winterdienst.“
Da die Straße frei aussah und es nicht so viel geschneit hatte, beschlossen wir, dass wir weiterfahren. Es ging eine Weile ganz gut, dann führte die Straße durch ein Wäldchen und danach waren wir in einem Winterwunderland. Der Schnee glitzerte in der Sonne- wir waren fast oben. Hier lag deutlich mehr Schnee als bei uns. Leider lag der Schnee nicht nur neben der Straße. Obwohl außer uns kein Auto unterwegs war, lag auf der steilen Straße vor uns eine dicke festgefahrene Schneedecke. Hoffentlich schaffen wir diese Steigung!
Das Auto wurde langsamer und langsamer, die Anzeige für Glätte begann zu leuchten. Irgendwann drehten die Räder durch und rutschten zur Seite. Ich musste bremsen, um nicht in dem seitlichen Graben zu landen.
Das Auto blieb zum Glück stehen. Mitten auf der Straße. Aber nun war es unmöglich, am Berg anzufahren - auch wenn ich es schaffte, sofort hochzuschalten, kamen wir nicht vorwärts. Nur seitwärts. Das Heck rutschte immer weiter Richtung Graben. Ich gab auf. Es waren etwa 600 Meter bis zum Ortsrand. Nur kamen wir dort nicht hin.
„Vielleicht ist dort oben ein Kasten mit Split, den ich holen kann“, meinte meine Tochter und stapfte los. Ich stieg aus und betrachtet mir die Lage. Unter dem Schnee war offenbar eine Eisschicht. Was machen wir denn jetzt? Von unten näherte sich ein Auto – und blieb in weiter Entfernung stehen. Die Person am Steuer hatte mich offenbar gesehen und ließ nun das Auto langsam nach unten rollen.
Na toll. Wenn ich das versuchen würde, müssten wir einen weiten Weg auf glatter Fahrbahn rückwärts nach unten zurücklegen. Meine Tochter kam zurück. „Ich habe keinen Kasten mit Split gefunden.“ Ich war wirklich mutlos: „Was machen wir denn jetzt?“ „Mama, hast du schon gebetet?“, fragte meine 17Jährige. Ich schüttelte den Kopf. Nein, ans Beten hatte ich nicht einmal gedacht. „Weißt du was, lass das Auto doch so runter rollen, dass ein Rad auf dem Seitenstreifen im tiefen Schnee ist“, meinte sie.
Ich hatte Angst, dass wir auf der schmalen Straße in den Graben rutschen. Aber irgendwie mussten wir ja hier wegkommen. Ich stieg ins Auto, ließ den Motor an und wollte den Wagen an die Seite rollen lassen. Fehlanzeige: Stattdessen begann sich Vorderteil des Autos zur Straßenmitte zu drehen.
„Mama willst du wenden?“ „Eigentlich nicht, dafür reicht der Platz gar nicht.“ Ich versuchte, den Wagen gerade zu richten, aber das Auto drehte sich hartnäckig weiter um die Hinterachse – bis wir auf der schmalen Straße eine 180 Grad-Wendung gemacht hatten. Dann blieb es stehen. Nun konnten wir vorwärts den Berg runterrollen. Dieses Manöver hätte ich mir nie zugetraut. Da hatte doch jemand eingegriffen …
Meine Tochter stieg ein. „Hast du gebetet?“, fragte ich sie. „Ja klar, ich habe Gott gebeten, uns zu helfen“, meinte sie ganz selbstverständlich. Ich selbst war vor lauter Schreck nicht auf die Idee gekommen. Warum eigentlich nicht? Von meiner Tochter kann ich noch viel lernen!
5 Antworten
Sehr schön und so lebensnah beschrieben!
Danke für dieses Beispiel- mit vielen Grüßen aus dem verschneiten Erfurt, wo sich heute kein Rad dreht(Streik).
Dorothea Trautvettter
Herzlichen Dank, so Lebensnah und klar! Beten wir doch heute für alle Städte in Deutschland. wege Streiks fährt der öffentlich Verkehr nicht. Gott behüte alle Menschen in den Städten, das sie bewahrt bleiben!
Rosmarie
Da passt das heutige Wort aus der Losung: ,"Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. " Hebr 10, 35
Danke für das mutmachende Erlebnis.
Christina Meier, auch aus Erfurt 😄
Wie wunderbar ist es doch, dass da manchmal EINER ist, der eingreift. Und manchmal braucht es einen, der im stillen betet. Großartig.
Ich selbst hatte vor einigen Jahren ein solches Erlebnis während einer Meditation. Ich war in einer depressiven Phase und fuhr zu einem Seelenverwöhnwochenende. Als ich während der Meditation in mir eine Spirale spüre, die mich a die Oberfläche zieht. Da wusste ich, da hat Gott gewirkt.
Wunderbar! Danke, für diese ermutigenden Montagsgedanken. Manchmal müssen wir daran erinnert werden, dass Gott nur ein Gebet weit entfernt ist. Herzliche Grüße aus dem verschneiten Sauerland. Doro