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„Ich habe mich nie zu Hause versteckt“

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Vor vier Jahren hat sich innerhalb von einer Sekunde das Leben von Hannelore Royer komplett verändert, als ihr Mann Hans Peter einen tödlichen Unfall hatte. In den vergangenen Jahren hat sie viel gelitten. Fast jeden Tag sieht sie im Vorbeifahren die Stelle, an der ihr Mann verunglückt ist. Sie hat für sich Wege gefunden, mit der Trauer umzugehen, das Leben wieder neu zu genießen. „Das, was mir passiert ist, ist Tausenden anderen auch passiert“, sagt sie. Ihnen möchte sie Hoffnung machen.

Frau Royer, Ihr Mann, der bekannte Evangelist Hans Peter Royer, starb am 17. August 2013 bei einem Gleitschirmunfall. Können Sie kurz erzählen, was an diesem Tag geschehen ist?

An jenem Tag war das Wetter wunderschön. Hans Peter sagte mir, dass er zum Jungfrauensteig hinaufgehen wolle. Gegen drei Uhr habe ich gedacht: Komisch, dass er noch nicht zu Hause ist! Ich habe ihn ein paar Mal angerufen, aber er ging nicht ans Telefon. Wir hatten verabredet, uns um fünf Uhr zu treffen. Doch er ist nicht gekommen. Vier seiner Bergrettungskameraden haben sich auf die Suche nach ihm gemacht. Ich habe in der Zwischenzeit meine Kinder alarmiert und gesagt, sie sollen nach Hause kommen.

Gegen sieben Uhr habe ich leise Schritte vor der Tür gehört. Da habe ich gewusst: Da ist etwas Schreckliches passiert! Die Freunde sind gar nicht reingekommen, ich musste ihnen entgegengehen. Keiner hat etwas gesagt. Es ist ein unbeschreiblicher Moment, wenn du die Nachricht bekommst, dass dein Mann verunglückt ist. Ein Teil von mir ist mit ihm gestorben. Es entstand eine unheimliche Leere in mir. Ich habe versucht, irgendetwas zu tun, und wusste eigentlich gar nicht, was. Die Nachricht von seinem Unfall hat sich sehr schnell herumgesprochen. Innerhalb von einer Stunde hat sich meine Küche gefüllt, alle sind gekommen, um mir beizustehen. Gegen Mitternacht sind alle wieder gegangen. Da saß ich dann und dachte: Wie geht es jetzt weiter?
Ich habe Hans Peters Armbanduhr und sein Handy bekommen, die gefunden wurden. Die Uhr ist kurz vor eins stehen geblieben. Er war nur wenige Minuten in der Luft. Obwohl viele Gleitschirmflieger oben gestartet sind, hat keiner etwas gehört oder gesehen. Niemand weiß, was wirklich passiert ist.

Wie konnten Sie dieses Ereignis verarbeiten? Was hat Ihnen geholfen?

In einer Trauerzeit oder in der ersten Trauer kann dir eigentlich niemand helfen. Du musst mit dem Verlust einer Liebesbeziehung, dem Fehlen der alltäglichen Kommunikation und der inneren Einsamkeit allein fertigwerden.
Die Anteilnahme meiner Freunde und Familie war überwältigend und eine große Hilfe. Ich fühle mich bis heute sehr getragen. Wir haben so viele Freunde auf der ganzen Welt. Wenn sie in Neuseeland aufhören zu beten, dann fangen sie in Österreich wieder an. Aber man merkt auch bald, dass das Leben der anderen sich wieder normalisiert. Nur mein Leben wird nie mehr so sein, wie es einmal war.
Ich habe mich nie zu Hause versteckt. Die Beerdigung war an einem Donnerstag und am Freitag bin ich einkaufen gegangen. Ich habe mir gedacht, ich mache es den anderen leichter und gehe auf sie zu. Das ist das Beste, was du tun kannst – dem anderen zu zeigen, dass er ganz normal mit dir umgehen kann. Wenn du die ganze Zeit mit einem traurigen Gesicht herumläufst, dann bist du nicht besonders attraktiv und Menschen meiden dich.
Am meisten hat mir die Zeit allein in den Bergen geholfen. Ich bin jeden Tag unterwegs gewesen. Ich musste einfach raus aus meinem Haus. Ich musste spüren: Ich bin nicht tot!, musste mich bewegen. Immer, wenn ich unterwegs war, war mein Kopf frei, ich dachte an nichts. Und wenn ich nicht denke, erholt sich meine Seele. Das ist heute noch so. Auf den Berggipfeln ließ ich viele Tränen, dachte über meine Situation nach und kam zu dem Schluss, dass Gott meine Situation im Griff hat. Ich kann nicht tiefer fallen als in seine Hände.

Ihr Mann war ein beliebter Redner und Direktor des „Tauernhofs“, der viele auf Jesus aufmerksam gemacht hat. Haben Sie sich je gefragt, warum Gott ihn hat sterben lassen?

Ich weiß, dass Gott keine Fehler macht. Warum Hans Peter sterben musste, weiß ich nicht. Einer meiner Kondolenzbesucher war ein junger Mann, zu dem ich gesagt habe: „Wenn nur einer durch den Tod von Hans Peter zum Glauben kommt, hat es sich gelohnt!“ Zwei Jahre später bekam ich eine E-Mail von ihm und er schrieb: „Es hat sich gelohnt!“ Er ist durch den Tod meines Mannes zum Glauben gekommen. Das war immer mein Gebet, dass durch seinen Tod noch mehr Menschen zum Glauben kommen, als wenn er noch dreißig oder vierzig Jahre gelebt hätte. Ich bekomme immer noch E-Mails oder Briefe von Menschen, die sich für die Predigten von Hans Peter bedanken und dadurch zum Glauben gefunden haben. Das ist immer sehr berührend, und es zeigt mir, dass Gott mein Gebet erhört. Der Tod meines Mannes war nicht sinnlos.

Hat sich Ihr Bild von Gott durch den Verlust verändert?

Ich glaube, ich habe noch nie so intensiv mit Gott gelebt wie in den letzten vier Jahren, vor allem im ersten Jahr nach Hans Peters Tod. Ich bin keine Glaubensheldin. Ich beginne jeden Tag mit dem Gebet: „Herr, ich bin nicht perfekt. Ich weiß nicht, was heute auf mich zukommt. Ich werde viele Dinge tun, die dir wehtun. Und ich bin jetzt schon dankbar, dass du mir vergibst.“
Eins habe ich gelernt: Ich möchte nicht in der Vergangenheit oder in der Zukunft leben, sondern im Heute. Im Jetzt. In der Gegenwart Gottes. Ich genieße die Zeit mit Gott, ich genieße meine Zeit auf der Terrasse oder in den Bergen. Und was morgen ist, da bin ich flexibel geworden.

Sie betreiben die Frühstückspension „Waldschlössl“ in Ramsau. Da gibt es sicher immer viel zu tun. Kennen Sie auch Zeiten der Einsamkeit?
Ja, es gibt immer viel zu tun, Langeweile kenne ich eigentlich nicht. Hans Peter war früher etwa drei Monate im Jahr auf Reisedienst. Die Zeit alleine zu Hause hat mir nicht viel ausgemacht. Aber es gibt einen Unterschied zwischen allein sein und einsam sein. Das Einsamsein tut weh, es schmerzt. Ich weiß nicht genau warum, aber je länger ich alleine bin, umso einsamer werde ich. Ich verbringe sehr viel Zeit mit Freunden und meiner Familie. Aber man kann sehr einsam sein, auch wenn man von lieben Menschen umgeben ist. Auch wenn alle lachen und ich mitlache, ist trotzdem eine gewisse Einsamkeit in mir. Vor allem allein zu Hause oder am Abend überkommt mich die Einsamkeit. (…)

Der Titel eines Buches Ihres Mannes lautet „Du musst sterben, bevor du lebst, damit du lebst, bevor du stirbst.“ Was bedeuten diese Worte heute für Sie?

Wir haben oft übers Sterben gesprochen. Denn nichts im Leben ist so sicher wie der Tod. Ich weiß: Mein Mann ist auf der besseren Seite, er hat sein Ziel erreicht und freut sich. Das ist etwas, worüber ich mich auch freuen kann, trotz des Leids. Wir haben uns oft gefragt, wer von uns zweien wohl früher sterben wird. Ich habe immer gesagt: „Du natürlich!“ „Wie kommst du darauf?“, hat er gefragt. Und ich habe gesagt: „Du warst mir immer einen Schritt voraus!“ Und jetzt schon wieder. Er darf Jesus vor mir sehen.
Es war ein wichtiger Schritt für mich, Hans Peter loszulassen. Ich glaube, dass das Loslassen sehr wichtig ist, um wieder ein normales Leben zu führen. Loslassen heißt ja nicht vergessen. Wenn man festhält, beansprucht man etwas und das hält einen gefangen. Wenn man loslässt, beginnt die Heilung. Losgelassen habe ich schon einen Tag nach seinem Tod. Ich habe laut gesagt: „Ich gönn dir so sehr, dass du jetzt daheim bist.“ Das gönne ich ihm wirklich, dass er bei seinem Herrn ist, denn dafür hat er gelebt: Christus zu sehen. Sterben war sein Gewinn.
Ab und zu bin ich fast ein wenig eifersüchtig. Ich möchte auch, dass Sterben mein Gewinn ist. Aber ich lebe noch so gern! Ich weiß: Meine Hoffnung ist im Himmel, meine Zukunft ist im Himmel. Und in der Zeit, die ich noch hier auf Erden lebe, frage ich Gott: „Was hast du mit mir vor?“ Ich bin offener als je zuvor, das zu tun, was er von mir möchte.

Das Interview führte Saskia Barthelmeß. Es erschien in LYDIA 4/2017. Dies ist eine gekürzte Fassung.

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9 Antworten

  1. Herr, ich danke Dir, was Du heute wieder tun wirst ...
    für jeden Menschen, den Du heute retten wirst ...
    für den Trost, den Du geben wirst ,
    denn Du hast versprochen, es zu tun ....

    und wenn Du mich dazu gebrauchen willst:
    hier bin ich, Herr

    ( Hans Peter Royer - Forum Wiedenest )

    Ihre Ausführungen
    sind mir sehr zu Herzen gegangen. Ich habe sie immer wieder gelesen. Vor ein paar Tagen entdeckte ich eine Predigt ihres Mannes. Das Gebet oben, erwähnte er.
    Zu meinen freien Gebeten, habe ich diesen kostbaren Schatz hinzugefügt.

  2. Ich bin so dankbar über die Predigten in you Tube von Hans-Peter Royer , gerade jetzt suchte ich nach Wrklärungen für die Offenbarung und wollte sehen , ob er dazu was sagte und ich fand gestern die ganze Reihe dazu , ich ersrbeite mir das jetzt , und ich verstehe schon ein bisschen mehr durch ihn Danke

  3. Ich höre mir jeden Tag Predigten an und besonders gern von Hans peter royer durch einen anderen Prediger erfuhr ich erst heute von seinem Tod das hat mich sehr bestürzt und mich sehr nachdenklich gemacht. Er wird bei mir immer in guter Erinnerung bleiben bei jeder Predigt danke

  4. Gott ist mit uns in guten und schlechten Zeiten!
    Danke fürs teilen liebe Hannelore Roal.
    Gottes Segen für Euch und und allen!

    Wenn Gott vertrug mit uns ist, dann holt uns zuhause!

  5. Erst diese Woche bin ich "zufällig" auf die Predigt gestoßen, als Hans Peter Royer von seinen Spaziergängen mit Jesus erzählte. Es hat mich so beeindruckt und ich konnte es bisher nicht formulieren, aber er sprach mir aus dem Herzen. Meine Ehe ist in die Brüche gegangen, aber Jesus steht seither wieder an erster Stelle.... Welch Geschenk und Wunder.... Danke, Frau Royer für das ehrliche Zeugnis, es hat mich tief berührt und ich kann von Herzen mitfühlen. Herzliche Grüße aus Eselsburg

  6. Es tut sehr weh, so ein guter Prediger musste so früh gehen. Noch nie hatte ich so einen authentischen und bodenständigen Prediger gesehen. Mit humor gewürzt und echt im Leben stehend. Ich habe gar nicht gewusst das Hans Peter Royer 2013 verunfallt ist. Ich höre seine Predigten gerne, weil er echt ist in dem was er sagt und nichts verschönert. Eben, real und ungeschminkt.

    Und wieder frage ich mich: Wozu das Ganze? Schon wieder Leid. Und die Frage: Warum lässt Gott das zu!? Mir tut Hannelore Royer leid, es muss so imens schwer für sie gewesen sein. Gott stehe ihr bei. Danke für den Bericht.

  7. Vor einer Woche schickte mir eine Freundin per Whatsapp einen Vortrag von Hans Peter und ich war überwältigt. Ich wusste damals noch nicht, dass er verunfallt ist und wünschte mir ihn einmal live zu hören. In der Zwischenzeit haben wir schon etliche seiner Vorträge gehört und sind jedesmal gesegnet. Habe auch schon ein paar Vorträge weitergeleitet und hoffe, dass es ihnen auch zum Segen wird.
    Was die Trauer angeht, sagte ein indischer Evangelist, dessen Sohn von Hindus umgebracht wurde: „Es fühlt sich an wie ein amputierter Arm. Er ist zwar nicht mehr da, aber die Phantomschmerzen holen mich immer wieder ein. Und einenBekannte, die ihren 20 jährigen Sohn durch einen Motorradunfall verloren hat, sagte mir, dass der Weg der Trauer ein einsamer Weg ist. So bete ich, dass Gott Hannelore immer mal wieder „umarmt“ und ihr besondere Momente schenkt in seiner Gegenwart.

  8. Jesus hat Seinen Platz in meinem Leben seid ich 16 J.alt war in den vielen ups and downs ging Er verloren
    Heute weiß ich das ich Ihm nie verloren ging ,
    Seine Liebe zu mir war immer gleich, Seine Treue ohne Vergleich
    Hans Peter Royer u seine Predigten sind ein Liebesbeweis v Jesus an mich , dadurch konnte ich Ihm wieder näher kommen u auch heute noch ermutigen diese oftmals.
    Das Er verunfallt u Tod ist hab ich lange zeit nicht gewusst
    Seine Beziehung zu seiner Frau u wie er immer wieder über sie spricht lassen einen besonderen Eindruck in mir zurück
    Gott macht keine Fehler u Er hat mit seinem Tod " kein Recht verletzt "
    Dankeschön Hr.Jesus für Menschen wie ihn die uns zeigen Wer oder Wie unser Vater ist

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