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Depression: Mein Weg zur Heilung

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Vor Jahren litt ich unter Erschöpfungsdepressionen. Ich hatte das Gefühl, als stünde ich mitten in dunkler Nacht auf einer Hängebrücke, die über einer tiefen Schlucht hing, in der wilde Tiere hausten. Ich wusste nicht, wohin. Die panische Angst zerriss mich fast in Stücke.

In dieser Zeit las ich eine Geschichte über eine jüdische Frau, die während des Zweiten Weltkriegs in ein Konzentrationslager kommen sollte. Mit vielen anderen Volksgenossen trieben Soldaten sie in einen Güterzug, der sie nach Auschwitz bringen sollte. Die Frau hatte eine solche Angst, dass sie fast irrsinnig wurde. In dem überfüllten Waggon sah sie einen alten Rabbi. In ihrer Not stürzte sie zu ihm hin und schrie: „Helft mir doch, ich werde verrückt vor Angst!“ Da legte der Rabbi ihr seine Hand auf den Kopf und fragte: „Kind, kennst du das Geheimnis unseres Volkes nicht? Das Geheimnis Israels ist das Geheimnis des Roten Meeres

Gott führt durch das Meer hindurch

Es gibt keinen Weg um das Meer herum, weder einen Weg darüber noch darunter. Der Weg Gottes führt mitten durch das Rote Meer hindurch. Und nun leg deine Hand in Gottes Hand, meine Tochter, und dann geh in das Wasser hinein. Du wirst staunend erleben, dass es zurückweicht!“ Und das Wunder geschah! Die Frau wurde still und die irre Angst fiel von ihr ab.

Würde Gott dieses Wunder auch in mir tun? Ich wünschte mir nichts sehnlicher als den „Stecken und Stab“ meines guten Hirten, der mich im Tal der Depressionen trösten und führen würde

Schlaflose Nächte

Ich fühlte mich wie diese Frau im Zug. Unbeschreibliche Angst packte mich. Selbstmordgedanken plagten mich, und die innere Unruhe trieb mich hin und her. Ich konnte mich nicht konzentrieren, konnte nicht beten, lag nächtelang wach und verlor jeglichen Appetit. Außerdem hatte ich fürchterliche körperliche Beschwerden. Mir tat einfach alles weh. Ich wollte nicht mehr leben, weinte viel und nahm rapide ab. Sieben Monate lag ich fast nur in meinem Bett.

Schließlich wurde mir klar, dass ich irgendetwas unternehmen musste. Obwohl mir mein Mann einige Male vorgeschlagen hatte, eine Kur zu machen, hatte ich mich bis dahin geweigert. Ich hatte immer gesagt: „Ich habe dich und die Kinder noch nie alleine gelassen. Ihr kommt ohne mich doch gar nicht zurecht. Nein, das tue ich euch nicht an.“

Heilung ist ein Prozess

Dieses Mal musste ich mich aber der Realität stellen, auch wenn ich nicht wollte: Die Depressionen waren nicht von heute auf morgen gekommen, und genauso wenig würden sie von heute auf morgen verschwinden. Heilung geschieht als Prozess.

Der Arzt verschrieb mir neun Wochen Kur. Dort wurde ich medikamentös behandelt. Nach fünf Wochen merkte ich langsam einen Unterschied. Es ging bergauf! Ich konnte sogar wieder beten und wusste, dass Gott mich hört. Es waren immer die gleichen Worte: „Heile mich! Heile mich! Heile mich! Du weißt, ich habe eine große Familie und meine Kinder brauchen mich. Und mein Mann und die Gemeinde brauchen mich auch.“

Hilfe annehmen

Doch zunächst musste ich in dieser Zeit lernen, selbst Hilfe anzunehmen. Zum einen war ich sehr dankbar, dass mein Mann mich und unsere sechs Kinder so gut versorgte. Außerdem lernte ich das Gebet anderer zu schätzen. Vor der Kur schien es mir, als würde eine große schwarze Wolke über mir die ganze Sicht zum himmlischen Vater versperren. Aber ich dachte mir: ‚Wenn mein Himmel auch dicht ist, scheint vielleicht trotzdem bei den anderen die Sonne.‘ Deshalb war ich froh, dass mein Mann und die Gemeinde für mich beteten.

Wenn mein Himmel auch dicht ist, scheint vielleicht trotzdem bei den anderen die Sonne.

Und tatsächlich: Gott erhörte die Gebete. Die Kur tat mir gut. Nach und nach merkte ich, dass die schwarze Wolke wegzog und die Sonne langsam sichtbar wurde. Es war wie bei der jüdischen Frau, als der Rabbi ihr seine Hand auf den Kopf legte. Das Wunder geschah! Ich wurde still, und die irre Angst fiel von mir ab. 

An Gottes Hand

Dies passierte nicht von heute auf morgen, doch das Wunder war trotzdem real! Nach zwei langen Jahren der Dunkelheit ging die Sonne in meinem Leben wieder auf. Tageslicht erhellte die „Hängebrücke“, auf der ich mich immer noch befand, und plötzlich sah sie nicht mehr so schrecklich aus. Ich konnte sehen, wo ich stand. 
Jesus hat mir den schwierigen Weg durch das „Rote Meer“ nicht erspart. Doch er lief neben mir und teilte die Fluten. Und an Gottes Hand konnte ich weitergehen. Ich wusste: Er selbst war diesen Weg gegangen. Er hatte unsägliches Leid erlebt, aber es auch überwunden. 

Falls Sie auch durch ein finsteres Tal gehen, möchte ich Ihnen sagen: Ich verstehe Sie. Bitte geben Sie nicht auf! Lassen Sie sich von der Angst nicht irremachen. Suchen Sie sich Hilfe und Gebetsunterstützung. Legen Sie Ihre Hand in Gottes Hand und warten Sie, bis er Ihr „Rotes Meer“ teilt. 

Irene Justus ist verheiratet und Mutter von sieben Kindern. Sie unterstützt ihren Mann in seinem Dienst als leitender Pastor der Elim-Gemeinde Hannover und Präses des BFP (Bund Freier Pfingstgemeinden). Dieser Artikel erschien in LYDIA 3/2009.

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2 Antworten

  1. „Sehr, sehr wahr, was in diesem Artikel geschrieben steht. Ganz ähnlich geht es mir seit über einem Jahr, kein Licht am Ende des Tunnels. Ich musste aus unserem Haus ausziehen, habe dort häusliche Gewalt erlebt, kann das alles einfach nicht verarbeiten. Ich hoffe wieder auf Normalität in meinem Leben, habe den Weg dahin aber noch nicht gefunden.”

  2. „Liebe Irene
    Ihre Geschichte macht mir Mut. Ich bin letztes Jahr auch an einer Erschöpfungsdepression erkrankt. Diese Ängste haben mich auch schier verzweifeln lassen. Es war ein langer und schwieriger Weg. Ich bin sehr dankbar für alle Gebete während dieser Zeit. Obwohl ich mich immer wieder frage wozu ich diese schlimme Erfahrung in meinem Leben machen musste - ich bin dankbar dass Gott mit mir durch das finstere Tal ging. Vielleicht werde ich irgendwann eine Antwort auf meine Frage nach dem Warum erhalten.”

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