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Behüte dein Herz!

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Als eine Bekannte gelobt wird und ich unbeachtet bleibe, spüre ich wieder dieses eigenartige Gefühl des Betroffen-Seins. Ich kann mich nicht freuen, wenn ich meine, übergangen zu werden. Gleichzeitig ärgere ich mich über mich selbst. Warum bin ich so empfindlich und kann anderen keinen Erfolg gönnen?

Gedanken und innere Einstellungen können zum Fallstrick werden. Unter Umständen hindern sie uns daran, ein gutes Leben zu führen. In den Sprüchen heißt es: „Mehr als alles andere behüte dein Herz.“ Aus unserem Herzen kommen die Gedanken und Gefühle, die unser Leben prägen, die uns gute oder schlechte Wege einschlagen lassen. Deshalb will ich schlechten Gedanken nicht erlauben, Wurzeln zu schlagen.

Wenn alles unfair erscheint

Manches, was in meinem Leben geschieht, erscheint mir sehr ungerecht. Durch eine Krankheit musste ich auf manches verzichten, und das, was ich tun konnte, stand oft im Schatten dessen, was andere schafften. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich dies mit Gottes Hilfe akzeptieren konnte. Manchmal übermannt mich immer noch das Gefühl „Ich komme zu kurz“. Dann rutsche ich schnell in Selbstmitleid, werde unzufrieden, neidisch und eifersüchtig.
In solchen Situationen wende ich mich im Gebet an Jesus. Vor ihm kann ich meine Gefühle und Gedanken ausbreiten. Er versteht mich wie kein anderer, und er kann mir helfen, meine innere Einstellung zu überwinden. Außerdem hilft es mir, meine Gedanken zu sortieren, indem ich sie in mein Tagebuch schreibe. Doch ich lerne immer wieder, dem zu vertrauen, der jetzt schon die Antworten kennt. Außerdem will ich mich beständig fragen: Wächst durch meine Grenzen Reife oder Bitterkeit in meinem Herzen? Die Entscheidung liegt bei mir!
Josef – wie wir im Alten Testament lesen können – erlebte viele Ungerechtigkeiten. Seine Brüder verkauften ihn nach Ägypten, wo er im Gefängnis landete. Doch er hatte eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott. „Ihr zwar, ihr hattet Böses gegen mich beabsichtigt; Gott aber hatte beabsichtigt, es zum Guten zu wenden“, sagte er zu seinen Brüdern (1. Mose 50,20). Er sah hinter dem Handeln der Menschen den verborgenen Willen Gottes und wusste: Sein Leben war in Gottes Hand. Er gab damit den Menschen keine Macht in seinem Leben, die ihnen nicht zustand.

Unvergleichliche Handarbeit

Je mehr ich in der Bibel lese, desto mehr stelle ich fest: Gott behandelt Menschen nicht gleich. Er vergleicht auch nicht. Das ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft. Gottes Gerechtigkeit ist keine Gerechtigkeit im Sinne von Gleichheit. Wenn wir meinen, wir haben einen Anspruch darauf, das Gleiche zu bekommen wie unsere Schwester, dann werden wir enttäuscht. Gott gibt uns nicht das Gleiche, sondern das Richtige.
Gott wird in der Bibel mit einem Töpfer verglichen. Wir sind seine Gefäße. Perfekte Handarbeit. Kein Töpfchen oder Tässchen gleicht dem anderen. Sogar die Handschrift eines jeden Menschen ist individuell und unverwechselbar wie ein Fingerabdruck. Das zeigt mir: Ich als Persönlichkeit bin einmalig. Niemand kann so reagieren, denken, lachen, leiden und arbeiten wie ich. Deshalb ist es entscheidend, wie ich mich persönlich entwickle: ob sich mein Charakter verändert und in das Bild Jesu verwandelt wird. Ich muss mich nicht vergleichen, sondern nur fragen: „Was will Gott aus meinem Leben machen?“

Bedingungslos geliebt

Bei dem Bemühen zu wachsen ist es allerdings wichtig, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Wenn ich mich verbiege, um Anerkennung zu bekommen oder mir etwas bei Gott zu verdienen, finde ich nicht meine Identität. Ich könnte sogar bitter werden. Das beste Beispiel: der daheimgebliebene Sohn in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Er war bescheiden und arbeitete hart. Er wollte sich mit seinem Verhalten die Liebe des Vaters verdienen; eine Liebe, die ihm doch uneingeschränkt gehörte. Er glaubte, besser als sein Bruder zu sein, und reagierte verletzt und hart, als sein Bruder zurückkehrte – war er doch der Treue, Fleißige, der, auf den man sich verlassen konnte.
Dieses biblische Beispiel half mir, mich daran zu freuen, Gottes geliebte Tochter zu sein, und mir bewusst zu machen: Ich darf täglich in einem Meer von Liebe baden und muss nicht versuchen, Gottes Gunst zu gewinnen. Ich habe seine volle Aufmerksamkeit. Er liebt mich, als wäre ich das einzige Geschöpf auf der ganzen Welt.

Zur Ruhe kommen

Ich begreife immer mehr, dass alle emotionalen Bedürfnisse nur bei Gott gestillt werden können. Sein Vaterhaus ist der einzige Ort, an dem meine Seele alles findet, was sie braucht. Jede Regung von Stolz, es besser zu wissen als meine Mitmenschen; jedes Gefühl, benachteiligt und nicht beachtet zu werden, kann hier zur Ruhe kommen. Ich begreife, dass Gott es gut mit mir meint. Ich finde Frieden mit seinen Wegen, die er mit mir geht. Die Worte des Psalmisten Asaph drücken dies aus: „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat (...). Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil“ (Psalm 73,23-26).
Deshalb will ich immer mehr lernen, meinen Blick nicht auf die Menschen um mich herum zu richten; auf das, was sie können oder sind. Ich blicke auf Jesus, der sich selbst für mich hingegeben hat, und frage: „Welchen Weg soll ich gehen? Ich weiß, du gibst mir nicht das Gleiche wie anderen, aber immer das Richtige. Bei dir komme ich nicht zu kurz.“

Dieser Artikel erschien in LYDIA 1/2012.

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4 Antworten

  1. „Das ist ein sehr schöner, ein sehr anspruchsvoller Text ...
    Gerade jetzt habe ich solche Worte nötig - krank zu sein und
    immer wieder Rückschläge zu erleben kann ungemein zermürben - noch kann ich mich nicht fallen lassen in die liebenden Hände meines Vaters - immer wieder mach ich einen Rückzieher und versuche, alles aus eigener Kraft zu schaffen und zu lösen.
    Mehr und mehr begreife ich, dass das nicht möglich ist - nicht mehr. Je mehr ich mich abmühe, desto größer wird das Loch, in das ich zu fallen drohe.
    Der Text hier sagt mir zwar nichts Neues , aber er sagt es in aller Deutlichkeit und Tiefe, und ich bin froh und dankbar, dass es Menschen wie die Autorin gibt, die das so ausdrücken können und weitergeben.
    Es ist eine erneute Aufforderung an mich, das, was mir Gott auferlegt hat, zu akzeptieren, aber auch zu begreifen, dass er mir helfen will, indem ich mich trotz allem lieben lasse und ihm vertraue.
    Vertrauen ist ein großes Wort in meinem Leben. Vertrauen ist etwas, das sehr leicht zerstört werden kann.
    Es ist auch eine Aufforderung an mich, in der Bibel zu lesen und nicht so schnell aufzugeben.
    Zur Ruhe kommen - unsere Seele will zur Ruhe kommen, und diese Sehnsucht wird in dieser Welt immer größer.
    Ostern ist ein Neuanfang - immer wieder. Ostern - Auferstehung - Neuanfang - findet nicht nur einmal im Jahr statt, sondern kann jeden Tag in uns stattfinden, wenn wir es nur zulassen, dass wir geliebt werden von unserem himmlischen Vater und dass er uns verändern möchte in das Bild, das er sich von uns von Anfang an gemacht hat. 
    Wenn wir fallen, hilft er uns auf.
    Wenn wir scheitern, rückt er unser Weltbild wieder zurecht.
    Ute”

  2. „Sehr interessanter Beitrag! 
    Jeden von uns überkommen hier und da mal diese unguten Gefühle des Übergangen-Werdens. Sei es die Eifersucht in der Ehe, in Freundschaftsbeziehungen oder als Eltern, wenn man das Gefühl hat, dass andere Eltern die braven und kompetenten Kinder abbekommen haben.
    Dennoch ist Neid und Eifersucht eher ein Tabuthema unter Christen.
    Danke für den tollen Artikel und liebe Grüße aus Wien,
    Nicole Bayar”

  3. „Dieser Artikel spricht mich sehr an. Mit solchen Gefühlen wie Neid und Eifersucht muss ich auch schon lange kämpfen. Bei mir ist es die jüngere Schwester, die viel hübscher, liebevoller und finanziell besser gestellt ist. Oft fühle ich mich wie Aschenputtel neben ihr. Sie wird als Frau mit 58 Jahren immer noch von den Männern beachtet, mich übersieht man. Alle, die sie kennen, lieben sie. Neben ihr fühle ich mich hässlich und weniger liebenswert. Aber sie ist nun mal so, wie sie ist, und ich habe sie sehr gerne. Ich gönne ihr das auch alles. 
    Aber leider quält es mich, wenn ich mich so minderwertig fühle.
    Mit jemanden reden kann ich auch nicht, dafür schäme ich mich zu sehr. 
    Deshalb hilft mir dieser Artikel von Frau Rosemarie Dingeldey sehr. Ich möchte auch zu Jesus gehen und ihm meinen Kummer anvertrauen. Ich möchte so gerne jeden Tag voller Freude leben in dem Bewusstsein, dass Jesus mich liebt und er mich schön findet.”

  4. „Das ist ein sehr wertvoller Beitrag, denn dieses Thema beschäftigt auch viele junge Menschen und Mütter, mit denen ich spreche. Ich nehme diese Sätze gerne mit: Gott behandelt Menschen nicht gleich. Gott gibt uns nicht das Gleiche, sondern das Richtige.”

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