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Wo Freude aufersteht

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Die Bibel ist voller Verheißungen von Freude. Und doch begegnet uns immer wieder Schmerz und Leid – in der Welt und persönlich. In den Tagen um Ostern erlebt Maria Magdalena beides: tiefe Trauer und übersprudelnde Freude. Ihre Geschichte steht im Johannesevangelium in Kapitel 20.

Zu einer Zeit in ihrem Leben litt Maria Magdalena große seelische und vermutlich auch körperliche Schmerzen. Dann begegnet sie Jesus. Der Evangelist Markus berichtet, dass Jesus sieben Dämonen von ihr austrieb. Sie erfährt Heilung, Freiheit und Freude. Ihr Leben bekommt einen Sinn. Sie begleitet Jesus auf seinen Reisen und dient ihm. Doch dann geschieht das Unfassbare: Jesus wird verhaftet, verurteilt, gekreuzigt und stirbt. Maria Magdalena ist dabei. Sie steht am Kreuz, als er stirbt. Sie beobachtet, wo der Leichnam bestattet wird.

Der folgende Tag ist ein Sabbat. Der Ruhetag der Juden, an dem alle Arbeit verboten ist. Aber es gibt noch eine Sache, die Maria für Jesus tun möchte. Einen letzten Liebesdienst möchte sie ihm erweisen. Sie möchte den Leib nach jüdischer Tradition mit Ölen salben. Und so verabredet sie sich mit einigen Freundinnen am Sonntagmorgen, sobald der Sabbat vorbei ist.

Eine Nacht voller Trauer

Maria kommt früh zum Grab, als es noch dunkel ist. Vielleicht konnte sie vor lauter Trauer nicht schlafen und konnte es kaum erwarten, bis es Zeit war, aufzustehen. Auf jeden Fall steht sie früh auf und geht mit ihren Freundinnen zu der Grabhöhle, in die Jesus gelegt worden ist. Als sie ankommen, ist der Fels, der vor dem Eingang lag, weggewälzt. Das Grab ist offen. Die Frauen bücken sich, um durch den niedrigen Eingang die Höhle zu betreten, und erschrecken. Denn das Grab ist leer! Nur die Leinentücher liegen dort. Nicht aber der Leichnam, den sie salben wollten.

Das ist die Ostergeschichte. Wir wissen, dass das leere Grab ein Grund zur Freude ist. Aber die Frauen wissen das nicht. Sie sind entsetzt! Wo ist der Körper hin, wer hat ihn weggenommen?
Die Frauen laufen zurück in die Stadt, um es den Jüngern zu sagen. Zwei von ihnen, Petrus und Johannes, laufen zum Grab und finden es so vor, wie die Frauen es gesagt hatten. Dann kehren sie wieder um.

Allein am Grab

Maria Magdalena bleibt allein zurück.
Sie weint.
Auf einen inneren Impuls hin bückt sie sich noch einmal und schaut in die Grabhöhle.
Und auf einmal ist die Höhle nicht mehr leer, sondern sie sieht zwei Männer in weißen Kleidern darin. Ob Maria gewusst hat, dass es Engel waren?
Die Männer sprechen sie an: „Warum weinst du, Frau?“
„Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!“
Die Engel antworten nicht.
Maria richtet sich wieder auf und dreht sich um – vielleicht spürt sie, dass jemand hinter ihr steht. Und da steht Jesus. Der auferstandene Herr. Ganz nah.
Doch Maria erkennt ihn nicht.
Jesus spricht sie an. „Frau, warum weinst du?“
Maria antwortet: „Wenn du ihn weggetragen hast, sag mir, wo du ihn hingelegt hast!“
Da sagt Jesus zu ihr nur ein Wort: „Maria!“
Und Maria begreift, dass es Jesus ist. Dass er lebt. Dass er tatsächlich leibhaftig vor ihr steht.
„Rabbuni!“, ruft sie. Das ist Hebräisch, eine besonders ehrfurchtsvolle Anrede für einen jüdischen Lehrer.

Die Welt scheint still zu stehen. Die Engel sind vergessen, die Jünger sind vergessen. Es wird nicht berichtet, was Maria fühlt, aber dass sie intensiv fühlt, sehen wir daran, dass Jesus zu ihr sagt: „Berühre mich nicht!“ Vielleicht hat sie sich ihm zu Füßen geworfen und wollte seine Füße umarmen. Jesus schaut sie an und sagt: „Ich gehe zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“ Welche Freude muss Jesus empfunden haben, Maria diese Botschaft zu verkünden!

Freude, die uns niemand nehmen kann

Ich glaube, dass Maria an diesem ersten Ostermorgen Freude erlebt hat, der das Leben nichts anhaben kann. Was auch immer noch in ihrem Leben passieren wird: Sie weiß, dass der, den sie totgeglaubt hat, lebt, und dass er sie hineinruft in die Gemeinschaft mit sich und mit seinem Vater im Himmel. Es ist der gleiche Grund zur Freude, den auch wir haben. Jesus selbst verspricht uns eine Freude, die uns niemand nehmen kann. Kurz vor seinem Tod sagte er zu den Jüngern: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass ihr weinen und wehklagen werdet … aber eure Traurigkeit wird zur Freude werden. Ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude nimmt niemand von euch“ (Johannes 16,20–22).

Er spricht genau das an, was Maria erlebt hat: „Ihr werdet traurig sein. Ihr werdet weinen und trauern, weil ich sterben werde. Aber der Tod hat nicht das letzte Wort. Ich werde euch wiedersehen und ihr werdet euch freuen und diese Freude nimmt niemand von euch.“ Jesus wusste, dass die Menschen, die an ihn glauben, Leid erleben würden. Das galt für die Jünger damals und das gilt für uns heute. Den Verlust von geliebten Menschen. Verfolgung. Krankheit. Schmerzen. Konflikte in der Familie. Verrat von Freunden. Geplatzte Träume. Enttäuschung. Arbeitslosigkeit. Finanzielle Schwierigkeiten. Probleme in der Ehe. Rebellische Kinder. Neid und Eifersucht. Verzehrende Sehnsucht. Alkoholsucht. Meinungsverschiedenheiten. Missverständnisse. Und doch sagte er: „Eure Freude nimmt niemand von euch.“

Das muss eine Freude sein, der das Leben nichts anhaben kann.
Das muss eine Freude sein, die unabhängig ist von den Umständen.

Was haben wir sicher?

Wenn wir eine Freude entdecken möchten, der das Leben nichts anhaben kann, dann sollten wir uns fragen: Was haben wir sicher? Was habe ich, das mir niemand nehmen kann? Was habe ich auch dann noch, wenn ich krank werde oder wenn eine Beziehung zerbricht oder wenn irgendetwas anderes Schlimmes passiert? Mir fallen mindestens sieben Dinge ein, die unabhängig von unseren Umständen sind:

  1. Gottes Gegenwart. Egal, was passiert: Wir sind nicht allein.
  2. Die Gewissheit, geliebt und gewollt zu sein. Jeder Mensch sehnt sich danach, geliebt zu werden. Und Gott schenkt uns genau das: eine bedingungslose Liebe, die jedem von uns ganz persönlich gilt.
  3.  Kommunikation mit Gott. Wir können jederzeit mit ihm reden.
  4. Vergebung unserer Sünden, wenn wir annehmen, was Jesus am Kreuz für uns getan hat.
  5. Die Aussicht auf ein vollkommenes Leben in der Zukunft. Im Himmel wird es kein Leid mehr geben.
  6. Die Bibel. Gottes Wort, seine Verheißungen, die uns stärken und uns Hoffnung geben.
  7. Gemeinschaft mit anderen Christen. Gott selbst hat so eingerichtet, dass wir in der Gemeinde eine geistliche Familie haben.

Was die Bibel und Gemeinschaft betrifft, gibt es Ausnahmen, etwa Christen, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden und in Einzelhaft sind. Aber die meisten von uns haben diese Dinge unabhängig von den Lebensumständen, und sie können uns Freude schenken.

Freude ist Gottes Antwort auf unsere Trauer

Maria war in tiefer Trauer. Dann begegnete sie Jesus. Interessant ist, dass Jesus schon da war, ehe sie es merkte. Sie drehte sich um und sah ihn, doch sie erkannte ihn nicht. Kann es sein, dass Jesus schon da ist, obwohl ich ihn nicht sehe? Als Maria Jesus erkennt, ist sie erfüllt von Freude. Sie läuft sofort zu den anderen Jüngern, um ihnen von dieser Begegnung zu erzählen. Später, als Jesus in den Himmel auffährt, hat sie diese zwei Dinge immer noch: Sie weiß, dass er lebt und sie liebt, und sie erfährt Gemeinschaft mit anderen Gläubigen.

Freude ist Gottes Antwort auf unsere Trauer. Aber nicht nur das. Freude ist auch Gottes Antwort auf unsere Angst. Die Jünger waren voller Angst, nachdem Jesus gekreuzigt worden war. Doch die Botschaft der Auferstehung erfüllte sie mit Freude und machte sie zu mutigen Zeugen. Denn die Auferstehung war der Beweis dafür, dass Jesus seine Aufgabe erfüllt hatte: Er kam, um für die Sünden der Menschen zu sterben. Johannes drückt es so aus: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“ (Johannes 3,16). Welchen größeren Grund zur Freude gibt es als diesen? Weil Jesus auferstanden ist, dürfen alle, die an ihn glauben, ewig mit ihm leben. Ohne Leid. In heiler Beziehung mit Gott und anderen Menschen. „Geh hinein in die Freude deines Herrn“ (Matthäus 25,21), heißt es im Matthäusevangelium über die, die in den Himmel kommen. Das ist eine Freude, der selbst der Tod nichts anhaben kann.

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