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Mutig weitermachen -

wie das Eichhörnchen

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Ich beobachte sehr gerne Eichhörnchen. Wenn sie mir über den Weg laufen, halte ich meine Kamera hoch und mache Bilder. Viele Bilder. Von diesen schönen Tieren kann ich im Wald viel lernen. Heute hat das Eichhörnchen mich zuerst entdeckt und faucht mich gedämpft an. Wer das Maul so voll hat wie dieses Tier, muss auch gedämpft klingen. Die Walnüsse sind reif und das Eichhörnchen hat sich gleich zwei davon gesichert. Ganz schön fleißig!

Der Fleiß ist nach König Salomo auch für uns Menschen eine der wichtigsten Eigenschaften für ein erfolgreiches Leben. Salomo formulierte einen Spruch, der mir seit Jahren Mut macht, aufzustehen, rauszugehen und engagiert meine Ziele zu verfolgen: „Der Faule sagt: Ein Löwe ist draußen; ich könnte mitten auf der Straße ums Leben kommen!“ (Sprüche 22,13). Ja, es gibt Gefahren. Ja, auch sehr viele Eichhörnchen werden durch Raubtiere erbeutet. Und es ist wichtig, die Gefahren zu analysieren und diese dann zu umschiffen. Aber nur der Faule folgt der Stimme des inneren Schweinehundes vorbehaltlos und lässt sich durch potenzielle Gefahr davon abhalten, das Richtige zu tun. Oder überhaupt etwas zu tun. Mutig kann nur derjenige sein, der Angst empfindet und dennoch handelt. Ohne Risiko gibt es im Leben keine Frucht. Gefahr ist überall vorhanden. Wenn ich mich von meiner Angst bestimmen lasse, werde ich am Ende zurecht als faul bezeichnet werden. Und als logische Konsequenz meines Nichthandelns bleibe ich ohne Ergebnisse. Ein Schreckensszenario für mich! Das möchte ich unbedingt vermeiden.

So schaue ich auf das Tier, in seine wildentschlossenen Augen, und nehme mir erneut vor: „Stell dich deiner Angst, geh raus, bewege etwas, lass dich von Gott gebrauchen!“

Mit weiser Voraussicht

Aber da ist noch mehr: Das Eichhörnchen hat nicht gleich an Ort und Stelle die leckeren Nüsse verspeist. Nach kurzer Begutachtung meiner Person rannte es schwer beladen weg. Nicht, um die Nüsse in Ruhe zu genießen, sondern um sie als Vorrat in der Erde zu vergraben. Es werden keine tiefen Löcher gegraben, oft reicht eine Vertiefung in der Erde. Es muss auch schnell gehen; die Konkurrenz schläft nicht. Die Nüsse werden dann mit etwas Erde und den herumliegenden Blättern zugedeckt, und schon rennt das fleißige Tier zurück zum Walnussbaum. Und schnappt sich die nächste Nuss. Und die nächste. Das Eichhörnchen vergräbt die Nüsse an unterschiedlichen Stellen und vergisst später im Winter das eine oder das andere Versteck – auch so werden neue Bäume im Wald gepflanzt.

Ich staune über den Fleiß, den ich beobachten kann. Und ganz schön weise, das Kleine: Statt die Nuss sofort zu verspeisen und sich zufrieden in die Sonne zu legen, übt das Eichhörnchen Verzicht und investiert in die Zukunft. Ohne dieses Verhalten würde es den Winter nicht überleben. Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf und brauchen auch dann Futter, wenn die Bäume kahl und fruchtlos stehen und draußen Frost herrscht. Sie reduzieren im Winter ihre Aktivitäten stark, aber brauchen dennoch Nahrung. Ohne Vorräte wäre für sie kein Frühling möglich. So sammeln sie fleißig Eicheln, Bucheckern und alle Arten von Nüssen und vergraben sie für Notzeiten. Ständig in Bewegung suchen sie aktiv nach neuen Chancen an unterschiedlichen Orten und verteilen diese dann auf viele Stellen.

Wieder kommt mir Salomos Weisheit in den Sinn: „Am Morgen säe deinen Samen, und bis zum Abend lass deine Hände nicht ruhen; denn du weißt nicht, was gelingen wird, ob dieses oder jenes, oder ob gar beides zugleich gut geraten wird“ (Prediger 11,6). So kommt neben dem Fleiß kluges und überlegtes Handeln ins Spiel. Wer fleißig ist, hat schon viel gewonnen, aber wer noch die Weisheit berücksichtigt und diese auf sein Tun anwendet, wird die Chance auf viel Frucht in seinem Leben noch erhöhen. Die Weisheit rät uns, zu sparen, Vorräte anzulegen und diese an unterschiedlichen Stellen zu investieren. Am besten ist es bei der Geldanlage zu sehen. Wer alles in eine Aktie steckt, kann Glück haben und eine gute Investition getätigt haben. Aber aus persönlicher schmerzhafter Erfahrung rate ich zu einer weiten Streuung. Wie es das Eichhörnchen vormacht und Salomo empfiehlt – unterschiedliche Arten von Werten an unterschiedlichen Stellen.

Verluste akzeptieren und weitermachen

Ehe der Winter kommt, investieren die Eichhörnchen auch in den Körper (mehr Fettreserven, mehr Fell) und in ein warmes Zuhause (den Kobel, eine Art Nest, das sie schön kuschelig dämmen). Es ist gar nicht einfach, so ein Eichhörnchen-Haus zu finden. Auch im Winter ohne störendes Laub ist mein Fund ein Glückstreffer. Jetzt aber finde ich ihn nicht mehr. Den Kobel des Eichhörnchens konnte ich vor einigen Tagen in einer der alten Eichen zehn Meter über dem Boden lokalisieren. Aber heute richte ich die Kamera aus und suche und suche. Kein Kobel zu sehen.

Fotos: Darius Götsch

Ich sehe das Eichhörnchen in den Strahlen der aufgehenden Sonne. Es sitzt bewegungslos, scheinbar ohne die sonstige übersprudelnde Energie. Ich schöpfe einen Verdacht – das Eichelhäher-Pärchen, die ich hier neu entdecke, hat wohl den Kobel in die Tiefe stürzen lassen. Das Eichhörnchen lief den Baum hoch und runter, als könnte es nicht fassen, dass sein Zuhause nicht mehr existierte. Ich ging zu dem Baum und fand den Kobel etwas aufgerissen auf dem Boden. Wie traurig.

Nachdenklich schaue ich auf die Trümmer und muss an die Enttäuschungen in meinem eigenen Leben denken. An die Dinge, in die ich viel investiert habe und die andere dann zerstört haben. Der Verlustschmerz war groß. Was tut man dann? Was wird das Eichhörnchen tun?

Nach zwei Tagen entdecke ich den Kobel neu aufgebaut. Nach der Phase des Schocks und der Trauer hat das Eichhörnchen das alte Material benutzt und einige Bäume weiter ein neues Zuhause gebaut.

Auch uns bleibt nichts anderes übrig, als das Geschehene zu akzeptieren, es zu verarbeiten und dann weiterzumachen. Jammern und bedauern kommt im Wald nicht vor. Man stellt sich entschlossen den Schwierigkeiten und glaubt unbeirrt an einen guten Ausgang. Und arbeitet hart. Und wenn Gott segnet, ist man auch erfolgreich. Auch ich werde irgendwann meinen Enkeln von meinen Niederlagen erzählen. „Wisst ihr, als der Großpapa noch jung war …“ Das Schlimme von heute wird übermorgen Geschichte sein.

Fotos: Darius Götsch

Wenn wir mutig neu anfangen, wird uns der heutige Verlust stärker machen. Die Welt steht uns genauso wie dem Eichhörnchen offen. Es gibt Baustoff, und es gibt Bäume. Es wird Mühe kosten, ja, aber es ist alternativlos. Und wir schaffen es auch. Lasst uns weiter machen und Neues entstehen lassen. Vielleicht mit mehr Weisheit und besseren Ratgebern als beim letzten Mal. Aber unbedingt weitermachen. Oder wie es Winston Churchill sagte: „Gib niemals, niemals, niemals auf!“ Noch besser brachte es Paulus auf den Punkt: „Lasst uns also nicht müde werden, Gutes zu tun. Es wird eine Zeit kommen, in der wir eine reiche Ernte einbringen. Wir dürfen nur nicht vorher aufgeben!“ (Galater 6,9)

Morgen gehe ich wieder in den Wald.

Darius Götsch ist Diplom-Forstwirt und Autor. Der frühere Manager nimmt mit seinem Unternehmen „WaldFührung“ Führungskräfte mit in den Wald und sorgt für Wachstumsimpulse und Aha-Momente. www.Wald-Fuehrung.de

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Eine Antwort

  1. Den Weg mutig weitergehen mit Gott, Er gibt die Weisheit und Kraft dazu. Er allein weiß, wie mein Weg aussieht, vom Anfang bis zum Ende, Er hat nur Gutes für uns im Sinn...

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