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Wenn Männer Pornos anschauen

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Laut Umfragen schauen sich zwischen 30 und 50 Prozent aller Männer regelmäßig Pornofilme an. Über 90 Prozent haben in ihrem Leben schon einen Pornofilm gesehen. Auch wenn die Zahl der weiblichen Porno-Nutzer steigt (zwischen 10 und 20 Prozent), bleibt Pornografie doch vor allem ein Fluchtmittel für Männer.

Ich finde es überall. In den Köpfen von Männern und Frauen, in den Medien: Das Bild eines emotionslosen Mannes, der von seinem Trieb beherrscht wird und deswegen Pornos schauen oder fremdgehen muss. Ja, es ist richtig, dass ein Mann durch einen höheren Testosteronspiegel ein höheres Bedürfnis nach sexueller Befriedigung hat. Aber anders als bei Tieren, kann der Mensch, also auch der Mann, dies steuern. Sexualwissenschaftler haben festgestellt, dass hinter dem sexuellen Bedürfnis meist eine große Sehnsucht nach Liebe, Annahme, Geborgenheit und Freiheit steckt. Ein Mann, der Pornos anschaut, sucht also nicht nur den sexuellen Kick, sondern versucht, seine emotionale Leere oder Einsamkeit zu füllen.

Flucht vor der Realität

Vielen Männern geht es auch so wie mir früher, dass sie auf der Suche nach Abenteuern sind, um ihrem langweiligen Leben zu entfliehen. Männer flüchten sich in die Pornowelt, in der sie keine Ansprüche von Frauen erleben. Aber auch Frauen flüchten. Für sie ist es vielleicht der Liebesroman, die Shopping-Tour, der Online-Flirt oder die Schokolade, mit der sie versuchen, ihre Sehnsucht zu stillen. Das Problem bei Pornografie ist, dass der Konsum der Männer immer auch Auswirkungen auf die Partnerschaft und die Partnerin hat. Ich habe selbst erlebt, wie mein Pornokonsum das Vertrauen in meiner Beziehung eine Zeit lang erschüttert hat und wie verunsichert meine Frau dadurch war. Immer wieder höre ich von Männern, dass sie durch Pornos weniger Lust auf Sex mit ihrer Frau haben. Regelmäßiger Pornokonsum lässt Männer emotional abstumpfen. Pornos zerstören Menschen und Beziehungen. Und doch – so schlimm der Pornokonsum des Partners auch ist – sollten Frauen versuchen zu verstehen, dass ihr Mann kein Sexmonster ist, sondern Hilfe braucht.

Was eine Frau tun kann

Die Geschichten von Frauen, deren Männer Pornos konsumieren, sind sehr unterschiedlich. Dennoch möchte ich ein paar Punkte nennen, die Frauen helfen können:

1. Es ist nicht meine Schuld.
Auch ich habe damals diesen Satz gesagt: „Schatz, das hat doch nichts mit dir zu tun!“ Männer können in ihrem Kopf erstaunlich gut zwischen Sex und Beziehung trennen. Deswegen glauben sie tatsächlich, dass Pornos anschauen und der Umgang mit ihrer Partnerin zwei verschiedene Bereiche sind. Doch das ist Unsinn. Sexualität betrifft immer beide Partner. Aber Pornos zu konsumieren und so sein Herz zu füllen ist immer die Entscheidung des Partners. Das Aussehen einer Frau, zu wenig Sex in der Beziehung oder mangelnde Abwechslung im Bett dürfen nie eine Ausrede für Pornokonsum sein. Jeder Pornokonsument muss selbst die Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Es ist „erst mal“ nicht die Schuld der Frau, dass er Pornos schaut.

2. Ich bin nicht allein.
Immer wieder beschreiben Frauen, wie einsam sie sich bei dem Thema fühlen. Viele schämen sich, mit Freundinnen oder Seelsorgern darüber zu reden. Hier liegt die Verantwortung bei der Frau, mutig darüber ins Gespräch zu kommen. Das Problem haben viel mehr Menschen, als man denkt. Der Pornokonsum und der Vertrauensbruch des Partners können sehr schmerzhaft sein. Hilfe zu suchen ist sinnvoll. Die Organisation „Das Weiße Kreuz“ hat viele Beratungsstellen in ganz Deutschland.

3. Wie denke ich über den Pornokonsum meines Partners und wie ist meine Einstellung zu Sex?
Ich stehe zu meiner ersten Aussage, dass die Frau nicht für den Umgang des Partners mit seiner Lust verantwortlich ist. Aber beide sind verantwortlich, dass über Bedürfnisse (auch sexuelle) in einer Beziehung geredet wird. Das heißt, es kann sein, dass über Sehnsüchte geredet werden muss, und dass gegebenenfalls auch die Frau ihre Einstellung zur Sexualität prüfen und überdenken sollte. Genauso, wie der Mann prüfen muss, wie er seine Sehnsüchte und seine Leere ausfüllt, so muss auch sie sich die Frage nach ihren unerfüllten Sehnsüchten stellen. Leider haben auch Frauen oft eine „sexuelle Wunde“ aus ihrer Kindheit und Jugend, die ein erfülltes Sexualleben behindert. Männer berichten mir immer wieder, dass die Ungepflegtheit ihrer Frau oder ihre Fixierung auf die Kinder ihnen sexuell große Mühe bereitet.

4. Streng mit ihm sein
Das Schlimmste, was meine Frau hätte tun können, als sie erfahren hat, dass ich Pornos konsumiere, wäre zu sagen: „Ach, ist mir egal. Mach doch, was du willst.“ Nach dieser Aussage hätte ich nie aufgehört, Pornos zu konsumieren. Hier kann es helfen, ein klares Ultimatum und Grenzen zu setzen. Die Partnerin muss reagieren, wenn er sich keine Hilfe holt. Auch Filterprogramme (z. B. Safe Eyes) auf dem Computer können eine große Hilfe sein. Allerdings sollte dies nur in Absprache mit dem Partner installiert werden.

5. Ihm vergeben
Strenge kann helfen, wirklich heilen kann allerdings nur Liebe und Vergebung. Ich weiß, dass es eine große Anforderung ist, zu sagen: „Ich vergebe dir!“ Und ganz sicher braucht so etwas Zeit. Aber wenn ich keine neue Chance bekommen und mich meiner Frau gegenüber immer weiter schuldig gefühlt hätte, hätte ich nie ein besseres Selbstwertgefühl entwickeln können. Vergeben heißt nicht vergessen, aber es bedeutet, Gnade walten zu lassen. Für uns war damals der Glaube an einen Gott der Gnade und Vergebung eine große Hilfe.

Ist es schon eine Sucht?

Immer wieder stellen mir Frauen die Frage, ob ihr Mann oder ihr Kind pornosüchtig ist. Das ist schwer zu beantworten. „Die Häufigkeit der Internetsexsucht wird zwischen drei und sechs Prozent der Nutzer angegeben“, erklärt der Facharzt Dr. Samuel Pfeifer. „Dazu kommt eine deutlich höhere Dunkelziffer für Gelegenheitsnutzer von pornografischen Inhalten, die nicht als typische Süchtige in Erscheinung treten und doch einen enormen inneren Kampf erleben.“
Es gibt jedoch ein paar Hinweise darauf, ob von einer Pornografiesucht gesprochen werden kann:

  • Kontrollverlust. Man kann seinen Konsum nicht mehr kontrollieren, muss beispielsweise am Arbeitsplatz masturbieren oder hält kaum einen Tag ohne Pornos aus.
  • Rückzug aus dem normalen Leben. Dazu gehört das Einschränken von sozialen Kontakten, der Rückzug aus Gruppen oder aus der Familie.
  • Gefährdung schulischer Leistungen, des Arbeitsplatzes oder des eigenen Körpers (Schlafentzug, mit Schmerzen verbundene Masturbation).
  • Mehrmaliges Bemühen, mit dem Pornokonsum aufzuhören, und regelmäßige Rückfälle.
  • Verharmlosung des Konsums und Rechtfertigung des Verhaltens.
  • Pornografie und Sex als einziger Fluchtpunkt vor realen Problemen.
  • Gedanken, sich umzubringen, wenn man nicht davon loskommen kann.

Was hilft?

Wer süchtig ist, braucht Hilfe von professionellen Therapeuten. Deutlich mehr Männern geht es jedoch so wie mir – sie zeigen „suchtartiges Verhalten“. Im Folgenden will ich ein paar Punkte nennen, die mir geholfen haben:

Den Pornokonsum ans Licht bringen.
Heimlichkeiten bringen nichts. Das Wichtigste für mich waren die Gespräche mit einem Seelsorger. Das macht keinen Spaß, ist aber der beste Weg, um frei zu werden. Ich kenne keinen Mann, der es allein geschafft hat, von regelmäßigem Pornokonsum wegzukommen. Ans Licht bringen heißt auch, seiner Partnerin sein Problem einzugestehen. Das wird sie sicher verletzen, aber es kann langfristig die Beziehung stärken und vertiefen.

Eine ernsthafte Entscheidung treffen.
Ich treffe immer wieder Männer, die im tiefsten Herzen nicht bereit sind, es ohne Pornos zu versuchen. Der Wille muss da sein.

Filtersoftware nutzen.
„Safe Eyes“ ist ein gutes Programm, das wirklich funktioniert. Filter allein helfen jedoch nicht.

Sich auf die Suche machen.
Herausfinden, was die wahren Sehnsüchte sind, und den Grund finden, warum man Pornos schaut.

Ja zu sich und seiner von Gott geschenkten Sexualität sagen.

Mit seinen Problemen zu Gott kommen.
Die Vergebung Gottes annehmen. Pornosucht sollte einen zu Gottes Gnade treiben und nicht von Gott wegbringen.

Mutig und gnädig voran

Dieser Artikel könnte ein guter Einstieg für ein Gespräch mit Ihrem Partner sein. Berichten Sie ihm davon, beschreiben Sie Ihren Wunsch, offen miteinander zu reden. Aber lassen Sie Ihrem Mann etwas Zeit. Und bitte verurteilen Sie ihn nicht. Mir hat es damals sehr geholfen, dass meine Frau versucht hat, mich zu verstehen, und gnädig mit mir war, auch als ich wieder rückfällig geworden bin.
Der Kampf um die Freiheit von Pornografie ist oft hart. Aber es gibt immer wieder Berichte, dass Menschen und Beziehungen durch Gespräche und Gottes Hilfe heil geworden sind. Und glauben Sie mir: Wir Männer wollen tief in unserem Herzen keine Pornobilder, sondern echte Frauen, die uns lieben.

Dies ist ein gekürzter Auszug aus dem Artikel in LYDIA 3/2014.

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8 Antworten

  1. Ein wirklich sehr schöner Artikel. Traurigerweise einer der wenigen, wenn nicht sogar der einzige, den ich finden konnte indem der v.a. Frau generiert wird, dass ein Mann das tun muss und die v.a. Frau sich doch mal nicht so haben soll.

    Vielen Dank für diesen Artikel er bestärkt meine Ansicht zu den Thema und gibt mir Kraft.

  2. Vielen Dank für diesen Artikel. Ich bin derzeit wirklich sehr verzweifelt, möchte meinem Partner helfen und bin gleichzeitig total verunsichert. Dieser Beitrag gab mir Kraft und zeigte mir, dass ich nicht damit Leben MUSS, wenn das Liebesleben leidet und der Partner seine alleinige Befriedigung sucht. Ich hoffe, dass ich meinem Partner so helfen kann, wie die tolle Frau aus diesem Beitrag. Der Text gab mir ein kleines bisschen mehr Mut und hilft mir ein Stück mehr aus dieser Verzweiflung herauszukommen.
    Danke!

  3. Ich finde alles, was geschrieben und gesagt wurde als sehr infomartiv. Aber wenn du keinen Partner hast, finde ich Pornograpiehe besser für mich, als ich in irgend einen Pfuff gehe, wenn ich mich selbst befriediege und niemand ,damit verletze, kann ich damit sehr gut leben. Danke. In der Porografie kann ich meine eigenen Sensüchten ausleben, ohne das ich jemand, weh tu. Das ist meine Meinung dazu.

  4. Mein Freund, den ich nicht so oft sehe weil er keine traditionelle Beziehung eingehen möchte (er ist jünger als ich) und er ist trockener Alkoholiker. Er erzählt mir viel von seinen wirklich schlimmen Problemen in seiner Familie und möchte mich sehen für Sex und Spaß. Also ich weiß, dass er sich regelmäßig selbst befriedigt und dabei auch Pornos schaut, das ist vielleicht sein einziges Ventil in seiner Situation. Jetzt hat er mir ein Porno-Video gesandt wo eine ältere Frau (eine Oma mit ihrem Enkelsohn) Sex hat, was ich sehr abstoßend finde und ich weiß nicht, wie ich auf so etwas reagieren soll?

  5. Ich finde den Artikel sehr gut, allerdings in meinem Fall ist mein Patrner 13 Jahre jünger und sucht in mir wohl eher einen Mutterersatz. Wenn ich zurück denke, hatte er eigentlich nie wirklich Lust auf mich. Ich muss ihn stimmulieren, sonst liefe nix. Und nun, da ich herausgefunden habe, das er sich Videos mit Frauen anschaut, die er toll findet, lange Haare, dicker Busen und geiler Hintern, denke ich immer, was sieht er in mir. Ich bin nicht mehr jung und knackig nach 4 Kindern, obwohl ich nicht dick bin. Er allerdings schon, 150 kg.... Dabei kann er mit mir über alles reden. Wenn er jetzt ankäme, würde ich automatisch mich mit diesen Frauen vergleichen. Ich glaube, es wäre für mich besser, zu gehen, denn als begehrenswerte Frau nimmt er mich garnicht wahr. Mich verletzt das unwahrscheinlich, denn meine Bedürfnisse spielen garkeine Rolle und wenn ich was sage, gibt es eh nur Krach. Mir geht es zur Zeit nicht gut, es belastet mich sehr

  6. Das erste, was Frauen tun könnten wäre. wieder mal mit ihrem Mann zu schlafen. Seien wir ehrlich. Auch wenn das ein absolutes Tabu ist, eine Mehrheit der Frauen schläft im zweiten Jahr der Ehe nur noch selten oder gar nicht mehr mit ihrem Mann. Ausreden wie Dauermigräne, Dauermenstruation vorwürf wie du stinkst, werd endlich klüger, wir haben Kinder, oder eben so lange aufblieben, bis der Partner eingeschlafen ist, sich beim Duschen einschließen oder einfach in ein anderes Zimmer ziehen, damit man sicher ist, dass er nicht etwa am Morgen zudringlich wird. Eheberaterinnern können da ein Lied singen, und immer hat die Frau keine schuld.

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