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Nächstenliebe und der Klimawandel

Die Erde, auf der wir leben, wird immer wärmer. Es reicht ein Blick auf die vertrockneten Wälder mitten in Deutschland, um zu sehen: Etwas hat sich verändert. Das Thema Klimawandel wird dringlicher und bewegt viele Menschen in unserer Gesellschaft. Doch in welcher Beziehung steht es zum christlichen Glauben?

Nachdem ich mich ausführlich mit dem Klimawandel beschäftigt habe, bin ich zu dem Schluss gekommen: Das Thema hat vor allem etwas mit Nächstenliebe zu tun. Um das zu verstehen, müssen wir uns einen traurigen Zusammenhang klarmachen: Die Folgen des Klimawandels wie Naturkatastrophen, Überflutung oder Ausbreitung von Wüsten treffen die Armen und Schwachen dieser Welt am stärksten. Durch die Folgen des Klimawandels wird die Lebensgrundlage von Millionen Menschen zerstört. Der Klimawandel hat deswegen sehr viel mit sozialer Gerechtigkeit zu tun.

Jesus und die Menschen in Not

Spätestens hier kommt der christliche Glaube zum Tragen. Jesus Christus hat die Menschen besonders im Blick, die arm und benachteiligt sind. Er wendet sich ihnen zu. Er hilft ihnen. Und er schickt seine Nachfolger gerade zu den Armen und Benachteiligten.
In Matthäus 25,31–46 sagt Jesus: „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen.“ Er zählt eine Reihe unterschiedlicher Situationen auf, in denen seine Nachfolger Menschen in Schwierigkeiten helfen. Und dann schließt er ab: „Ich sage euch: Was immer ihr für einen meiner Brüder getan habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen –, das habt ihr für mich getan.“ Ihm ist es so ernst mit diesen Menschen, dass er sich mit ihnen identifiziert. Und darin steckt eine Einladung: Jesus ist da, wo Menschen in Not sind. Wenn wir ihm nachfolgen wollen, dann müssen auch wir uns dahin begeben.

Doch was bedeutet das für uns? Der erste und wichtigste Schritt ist: wahrnehmen. Bevor wir irgendwem in Not helfen können, müssen wir diese Menschen und ihre Probleme wahrnehmen und uns davon berühren lassen. Danach ist es wichtig zu verstehen: Was genau ist die Not? Wie ist es dazu gekommen? In welchen Zusammenhängen steht das alles? Je besser wir diese Fragen beantworten können, desto klarer werden wir sehen, wie wir handeln können, um den Menschen zu helfen.

Wahrnehmen

Da ist Ngana, ein Bauer in Simbabwe. Er besitzt nicht viel, doch bisher konnte er sich durchschlagen. Das Maisfeld vor seinem Haus hat ihn die letzten Jahrzehnte versorgt. Und nicht nur ihn. Er hat drei kleine Kinder – ein viertes ist unterwegs. Doch vieles hat sich mittlerweile verändert. Die Dürre kam. Und plötzlich hat Ngana nicht mehr genug, um abends den Tisch für seine Familie zu decken. Und langsam, aber sicher breitet sich Hunger aus – nicht nur in Nganas Familie, sondern in der ganzen Region. Der Klimawandel verursacht und verstärkt solche Dürren. Und stürzt Menschen ins Elend. Diesem Schmerz in die Augen zu schauen tut weh. Und doch will ich hinschauen, denn das ist Nächstenliebe: nicht die Augen zu verschließen und seinen gewohnten Weg zu gehen, sondern innezuhalten und den Schmerz zu spüren.

Verstehen

Dann können wir versuchen, die Situation besser zu verstehen. Es gibt mittlerweile viele informative Webseiten, Bücher und Erklärvideos zum Thema Klimawandel. Wenn wir uns informieren, kann schnell ein anderes Problem auftauchen: Es wird alles schrecklich kompliziert. Zu jedem Thema gibt es eine Flut von Meinungen und Texten. Es gibt Experten, die sich teilweise widersprechen. Schnell kann sich ein Gefühl der Überforderung breitmachen. Das ist natürlich ein Problem – aber nicht das letzte Wort. Es ist der Normalzustand in unserem Leben, nicht alles zu wissen und zu verstehen. Wir müssen nicht Experten in allen Einzelfragen werden. Doch wir können uns Schritt für Schritt informieren und dazulernen, um immer bessere Entscheidungen treffen zu können. Bei all den komplizierten Fragen können wir uns sicher sein: Unser Lebensstil macht einen Unterschied. Vor allem der Lebensstil der westlichen Industriestaaten bringt andere Menschen in Not – ein erschreckender Zusammenhang.

Kommen wir auf Ngana zurück. Stellen Sie sich vor, er steht neben seinem Feld, auf dem noch ein paar wenige Pflanzen wachsen. Und dann gehen Sie hin und nehmen ihm das weg, was er noch hat. Das wäre eine grausame Tat. Das würde niemand übers Herz bringen. Doch leider tun wir das trotzdem jeden Tag – indirekt, durch unseren Lebensstil. Wenn wir vom Klima reden, ist das etwas Abstraktes und Unpersönliches. Das schiebt sich zwischen uns und die schmerzerfüllten Augen eines Ngana und verdunkelt uns den Blick auf die persönlichen Folgen für einzelne Menschen.

Wenn wir verstanden haben, dass unser Lebensstil etwas ausmacht, können wir einen Schritt weitergehen und uns klarmachen: Der beste Weg, anderen Menschen in der Not zu helfen, ist es, sie gar nicht erst in eine Notsituation kommen zu lassen. Wir werden nicht alles Leid auf der Welt verhindern können, bevor es geschieht. Doch das Leid, das durch den Klimawandel verursacht wird, können wir zumindest abschwächen. So liefert jeder Einzelne von uns seinen Beitrag – zum Guten wie zum Schlechten. Wenn ich Jesus nachfolge, ist die Frage nicht, ob denn auch die ganze Gesellschaft nachfolgt, sondern ob ich ihm nachfolge.

Handeln

Was kann das nun für meinen persönlichen Lebensstil heißen? Ein wichtiger Faktor beim Klimawandel ist das CO2, das in die Luft freigesetzt wird. Das heißt: Je mehr CO2 ich einspare, desto mehr kann ich den Klimawandel bremsen – und damit Menschen bewahren. Es gibt dazu viele Möglichkeiten. Nehmen wir das Thema Lebensmittel als Beispiel: Anstatt Avocados zu kaufen, die aus Südamerika nach Deutschland geflogen werden mussten, ist es besser, saisonal und regional einzukaufen. Es gibt viele Lebensmittel, die bei uns produziert werden. Auch Fleisch, besonders vom Rind, hat eine ziemlich schlechte Klima-Bilanz. Jedes Gramm, das wir weniger kaufen, bremst den Klimawandel. Das muss keine „Alles-oder-nichts“-Entscheidung sein. Es ist schon besser, statt 500 Gramm pro Woche nur noch 100 Gramm zu essen. Es geht nicht um Perfektionismus, sondern um jeden kleinen Schritt.

So gibt es viele verschiedene Faktoren, die wir entdecken können: Ökostrom, Einweg-Produkte vermeiden, weniger Autofahren und vieles mehr. Wir können uns informieren und Schritt für Schritt unseren Lebensstil anpassen. Und vielleicht zieht das Kreise. Andere schließen sich an und so werden es immer mehr, die einen Unterschied machen.

Wann ist es genug?

Doch irgendwie wirkt das wie ein Fass ohne Boden. Wie viel muss ich tun? Und wann ist es genug? Das ist eine sehr schwierige Frage, wenn es um Nächstenliebe geht. Nächstenliebe rechnet nicht und berechnet deswegen auch nicht, wie viel sie geben muss, um „durchzukommen“. Sie versucht auch nicht, sich etwas zu verdienen. Sie verschenkt sich bedingungslos und ohne Vorbehalt. Diese sich schenkende Liebe begegnet uns in Jesus Christus. Wir sind geliebt. Und weil wir dieses Geschenk selbst erhalten haben, können wir es weiter schenken und anderen Menschen ebenfalls in Liebe begegnen. „Das, was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan.“ Ich wünsche mir, dass ich in einen Lebensstil hineinwachse, der dieses Lob empfängt.

Sergej Kiel 
Dieser Artikel erschien in längerer Form in Lydia 1/2021.

 

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