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Frust im Büro

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Eine Zeit lang hatte ich eine recht kritische Kollegin. Wir teilten ein Büro miteinander, und sie saß mir am Schreibtisch gegenüber. Nach fast jedem Telefonat belehrte sie mich, was ich hätte anders sagen sollen, oder fragte mich, warum ich dieses oder jenes nicht hinzugefügt hätte.

Nun fällt es mir ohnehin nicht leicht, vor anderen frei zu sprechen, und es stresste mich sehr, wenn meine Kollegin da war. Ich versuchte, Telefonate entweder von zu Hause aus zu führen oder Zeiten ihrer Abwesenheit zu nutzen, was nicht immer gelang. Außerdem betete ich dafür, dass Gott einen Ausweg aus meiner Misere finden würde – dass sich ein Bürotausch ergeben würde, dass die Kollegin die Stelle wechseln würde oder sonst irgendetwas. Um ehrlich zu sein, ich hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn eine von uns beiden sich ein Bein gebrochen hätte, um dieser Situation wenigstens ein paar Wochen zu entgehen. So sehr setzten mir ihre permanenten Kommentare zu.

Die Situation annehmen
Doch Gott hatte eine bessere Lösung. Wieder einmal sprach ich mit ihm über meine Arbeitssituation, weil meine dominante Kollegin mich ausgiebig belehrt hatte, was ich alles anders machen müsste. Ich klagte Gott mein Leid und spürte seinen Trost. Nach und nach fielen mir dann Dinge ein, für die ich Gott danken konnte – Situationen, in denen er mir geholfen hatte, sei es im Beruf oder in anderen Bereichen. Ich spürte auf einmal ganz tief, wie sehr ich ihm vertrauen konnte.
Je mehr ich darüber nachdachte, wie machtvoll ich Gott schon erlebt hatte, desto gelassener wurde ich. In mir festigte sich die Gewissheit, dass Gott keine Fehler macht und alles seinen Sinn hat. Schließlich kam ich an den Punkt, an dem ich im Gebet einfach Ja sagen konnte zu der Situation, dass ich im Büro mit dieser Kollegin bin. Ich konnte sie als Person annehmen und sogar für sie danken! Ich staunte selbst darüber. Die Veränderung in mir fühlte sich übernatürlich an.
In dem Moment, in dem ich anfing, Gott zu danken und die Situation zu bejahen, spürte ich eine große innere Freiheit. Mein Frieden war nun nicht mehr von den äußeren Umständen abhängig, sondern gründete in dem Vertrauen, dass Gott alles im Griff hatte.

Eine Beziehung auf Augenhöhe
Nach diesem Gebet veränderte sich die Situation im Büro – nicht das Verhalten meiner Kollegin, aber mein Innenleben. Wenn meine Kollegin meine Anrufe oder meine methodische Vorgehensweise kommentierte, konnte ich ihr – immer besser – humorvoll und selbstbewusst den Ball zurückspielen. Ich gab ihr zu verstehen, dass ich es so machte, wie es mir entsprach – ohne dabei (wie vorher) unsicher und verschämt herumzueiern, aber auch ohne in einen Gegenangriff überzugehen. Ich tat es in einer natürlichen Leichtigkeit und Souveränität, die meinem Gespräch mit Gott entstammte. Es war faszinierend: Mir graute nicht mehr davor, ins Büro zu fahren.
Mein innerer Wandel veränderte auch meine Rolle im Team, denn in Besprechungen konnte ich den vehementen Aussagen meiner Kollegin auf freundliche, lockere, weiche und doch selbstbewusste Art etwas entgegensetzen. Und meine Kollegin? Sie reagierte auf meine Veränderung, indem sie respektvoller mit mir umging. Ich war bei ihr auf Augenhöhe angelangt.
Wir haben noch einige Jahre miteinander im Büro verbracht und uns am Schluss richtig gut verstanden. Und ich bin an ihr gewachsen. Aus meiner Verunsicherung wurde Stärke. Aus meinem Ja zu ihr wurde ein Ja zu mir. Meine Wurzeln gehen nun mehr in die Tiefe und ich kann besser standhalten, wenn jemand mich infrage stellt. Im Rückblick kann ich nur sagen: Gottes Lösung war viel besser als meine eigenen Ideen. Er hat „aus Mist Dünger gemacht“!

Dieser Artikel erschien in LYDIA 3/2016.

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