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Beate Nordstrand

Worte der Gnade

Da hatte anscheinend jemand komplett die Nerven verloren. Vom anderen Ende des Parkplatzes vor dem Einkaufszentrum hörte ich, wie eine Frau tobte. Beim Näherkommen hoffte ich inständig, dass es keine Kinder waren, die diesen Zornausbruch abbekamen. So ein ungebremster Wutanfall könnte ein echtes Trauma verursachen, ging es mir durch den Kopf.

Inzwischen war ich beim Auto der Frau angekommen und warf einen prüfenden Blick ins Innere. Drei verstrubbelte Blondschöpfe saßen auf der Rückbank und die Mutter auf dem Fahrersitz starrte mich böse an. Instinktiv  trat ich an die Fahrertür. Sie kurbelte das Fenster herunter und zeterte: „Sie brauchen gar nicht so zu gucken! Die Kinder haben sich schlecht benommen und da hab ich mit ihnen geschimpft. Ich kann es gar nicht leiden, wenn die Leute glotzen, nur weil ich mal rumschreie.“

Da traten mir die Tränen in die Augen. Ich beugte mich zu ihr und hörte mich selber reden: „Ich wollte Ihnen nur meine Hochachtung aussprechen, dass Sie drei Kinder haben. Ich habe fünf und weiß, was das für eine Leistung ist. Und ich weiß auch, wie anstrengend das manchmal ist und was es für Nerven kostet. Meine Hochachtung für alles, was Sie schon getan haben. Ich möchte Ihnen einfach von ganzem Herzen Danke sagen und alles Gute wünschen.“

Ich sah, dass die Frau sehr bewegt war und das Gespräch beenden wollte. Sie krabbelte aus dem Auto und machte sich am Kofferraum zu schaffen. Ich winkte den Kindern zu und ging tränenüberströmt einkaufen. Aus meinem Mund waren Worte gekommen, die ich vorher noch nicht einmal gedacht hatte, aber die Situation entspannten. Worte, die nicht aus einem verurteilenden Herzen kamen, sondern aus einem gnädigen Herz, wie nur Gott es hat und gibt. Das war das größte Wunder für mich.

Mir fiel eine Situation ein, als unsere Kinder klein waren und ich lautstark mit ihnen geschimpft habe. Warum erinnere ich mich so gut daran? Weil es genau in diesem Moment an der Haustür klingelte und ich sicher war, dass die Person meinen Ausbruch gehört hatte. Ist Sünde, die niemand sieht, weniger schlimm?

Bevor wir andere Menschen verurteilen, deren Geschichte wir gar nicht kennen, sollten wir erstmal vor unserer eigenen Türe kehren. Mit Gottes Hilfe können wir Menschen werden, die nicht nur selbst Gnade empfangen, sondern sie in Wort und Tat weitergeben. Und ist es nicht auch ein Wunder, dass diese drei Strubbelköpfe am Leben sind und ihre Mutter die Herausforderung angenommen hat, sie großzuziehen?

Ich könnte anfangen, für diese Familie zu beten, fällt mir gerade ein.

Beate Nordstrand
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5 Kommentare

Vielen Dank für deinen Beitrag, liebe Beate. Da hat Gott dir wirklich eine gute Idee gegeben. So zu reagieren. Vor allem, so einen Mut zu haben, zu einer tobenden Frau zu gehen und ihr etwas zu sagen. Noch bin ich da zu ängstlich, auf die Reaktionen. Ich werde dafür beten, dass ich so einen Mut bekomme.

Manu Paslar

Durch die Urlaubszeit und hitzebedingt ist die Situation im Reinigungsdienst bei uns im Betrieb sehr angespannt! Am Vormittag zum Gang zur Toilette fällt mir im Vorraum auf, dass einige benutzten Handtücher einfach achtlos neben dem Papierkorb liegen. Dem ersten Impuls nachgebend, schimpfte ich über den „Saustall“ und wollte mich beschweren. Doch auf einmal fühlte ich mich gebremst und mir viel die geplagten Kolleginnen ein und auch als ich selbst mal in Eile den Abfallbehälter im gehen nicht getroffen habe . Eine innere Stimme erinnerte mich an Gnade vor Recht . Ich habe den Abfall aufgehoben und in den Abfallkorb entsorgt. Ein friedliches und gutes Gefühl gespickt mit Dankbarkeit für die Lenkung des Heiligen Geistes hat den Tag und das miteinander mit den Kolleginnen gerettet.

Helga Sturm

Beim Lesen des Artikels sind mir ebenfalls Tränen in die Augen geschossen. Er hat mich zu folgendem Gebet bewegt: "Herr, sei du in mir gnädig, barmherzig und voller Liebe zu den Menschen, die mir begegnen. Lass mich gute Gedanken über sie haben und vergib mir, wo ich böse über jemanden gedacht und geredet habe. Ich staune darüber, wie gut du zu mir bist."

Miriam Krech

Vielen Dank für das Teilen.

Karin Wiens

Liebe Beate, lieben Dank fürs Teilen!!
In solchen Situationen kommen mir auch immer die Tränen und ich denke an Situationen als unsere 5 Kinder noch klein waren.
Man war auch oft einfach überfordert!
Deine Worte haben dieser Frau Mut gemacht! Danke!

Anke
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Alltagswunder

Gott handelt – nicht immer so spektakulär, wie wir es vielleicht erwarten, manchmal nur ganz leise und unaufdringlich. Doch wenn er es tut, ist es immer ein Wunder, das alles verändern kann.

In unserem Blog „Mein Alltagswunder“ erzählen Lydia-Autorinnen von diesen wunder­baren, kleinen Momenten mit Gott, die ihren Alltag erhellt haben.

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