Ich gebe zu, ich bin ein kleiner Tollpatsch. Ich bin oft so in meinen Gedanken, dass ich wortwörtlich über meine eigenen Füße stolpere.
Als mir das das letzte Mal passiert ist, war ich allein wandern. Mit dem Gesicht zuerst landete ich auf dem Schotterweg. Kinn und Handflächen bluteten und ich fing vor lauter Schreck und Schmerzen erst einmal an zu weinen. Weit und breit war niemand zu sehen. Im ersten Moment war ich dankbar dafür, hieß das doch, dass mich niemand bei meinem peinlichen Sturz beobachtet hatte. Dann aber wurde mir klar: Ich war völlig auf mich allein gestellt. Bis zum Parkplatz waren es noch gut drei Kilometer Fußmarsch. Und so blieb mir nichts anderes übrig, als die letzte Wegstrecke humpelnd und blutend allein zurückzulegen. Ich war in meinem Unglück nur froh, dass mir nicht Schlimmeres passiert ist, denn der Handyempfang war sehr schwach und der Weg per Auto nur schwer zu erreichen. Hilfeholen wäre also gar nicht so einfach gewesen.
Ganz anders einige Wochen später beim jährlichen Wandern mit den Frauen aus meiner Kirchengemeinde. Für zwei Tage liefen wir eine wunderschöne Strecke am Rheinsteig entlang. Zum Glück sind wir alle vor schlimmeren Stürzen bewahrt geblieben, was auch daran liegen mag, dass wir uns, wenn die Wegstrecke sehr steil und steinig wurde, gegenseitig stützten und aufeinander achteten.
In Prediger 4,10-11 heißt es: „Zwei haben es besser als einer allein, denn zusammen können sie mehr erreichen. Stürzt einer von ihnen, dann hilft der andere ihm wieder auf die Beine. Doch wie schlecht steht es um den, der alleine ist, wenn er hinfällt! Niemand ist da, der ihm wieder aufhilft.“
Wie weise diese Worte doch sind! – Wortwörtlich, wie im oben genannten Beispiel, aber auch metaphorisch. Denn es gibt sicherlich Wegstrecken im Leben, da sind wir mehr oder weniger auf uns allein gestellt. Wenn wir dann fallen, müssen wir uns bis zum nächsten Rastpunkt durchschleppen, denn es ist niemand da, der uns aufhilft.
Doch meist ist die Hilfe gar nicht so fern, wie wir oft glauben. Denn da sind Menschen – Familie, Freunde, Partner oder auch Nachbarn –, die uns in schweren Zeiten aufrichten, verarzten und trösten. Die uns auch in unseren Stürzen und Momenten des Scheiterns nicht verlassen, sondern zu uns stehen und uns wieder aufhelfen. Es ist unsere Entscheidung, ob wir deren Gemeinschaft suchen, ihre Hilfe annehmen oder lieber allein durchs Leben wandern.
Mir gibt es oft Sicherheit, jemanden in der Nähe zu wissen – als Backup, im Fall des Falles sozusagen – wie etwa bei der Frauenwanderung. Aber auch bei erstgenanntem Beispiel. Denn, sobald der Empfang es zuließ, rief ich meine Mutter an, die in der Nähe wohnte und bat sie, mit Verbandszeug zum Wanderparkplatz zu kommen. Die Gewissheit, dass Hilfe nahte, half mir, mit mehr Zuversicht und Ruhe die letzten Kilometer zurückzulegen.
Aber selbst in den Momenten, in denen wir uns dennoch von allen verlassen fühlen, dürfen wir wissen, dass wir nie tiefer fallen können als in die Hand unseres liebenden Vaters. Und selbst wenn wir das Gefühl haben, dass auch er uns verlassen hat und Gott anklagend fragen, warum er nicht eingreift, ist er da. Oft stelle ich nach solchen Phasen des Haderns im Rückblick fest: Das waren die Momente, in denen er mich durch alles Geröll und Gestein, durch die Fluten und Stürme, die das Leben bereitstellt, wieder aufgerichtet und getragen hat.
2 Kommentare
Sehr tröstlich. ❤️ Danke fürs Teilen.
Dankeschön für deine Worte' ich bekam einmal nach einem Sturz der einen Oberarmbruch zur Folge hatte, eine Karte mit dem Spruch "ICH LASS DICH NICHT FALLEN "spricht der Herr.
Welch wunderbare Zusage!