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Montag, 24.08.2020

Wegweiser zum Himmel

Als Wally und ich uns kennenlernten, ging es uns beiden nicht gut. Wir lagen im Krankenhaus im selben Zimmer. Sie mit einer Bronchitis, die ihr mit ihren 95 Jahren sehr zu schaffen machte; ich mit Herzbeschwerden. Trotz des Altersunterschieds von über 40 Jahren verstanden wir uns auf Anhieb und erzählten uns so einiges aus unserem Leben.
Unter anderem erfuhr ich, dass die Verbindung zu ihrer einzigen Tochter schon vor vielen Jahren abgebrochen war und ihr diese Beziehung sehr fehlte. In unseren Gesprächen fiel mir auch auf, dass ihr jetzt – am Ende ihres Lebens – noch das Wichtigste fehlte: Jesus. Sie dachte, durch den Segen, den sie bei gelegentlichen Gottesdienstbesuchen erhalten hatte, wäre ihr Leben vor Gott schon in Ordnung. Über eine persönliche Beziehung zu ihm hatte sie noch nicht nachgedacht und auch nicht darüber, dass Vergebung und Versöhnung im Leben eines Christen enorm wichtig sind.
So hatte ich die Ehre, ihr die gute Nachricht zu bringen, dass Gott sie ganz persönlich liebt und Jesus für all ihre Fehler, die sich im Laufe ihres langen Lebens angehäuft hatten, gestorben war. Immer noch hatte sie Zeit, ihm ihr Leben anzuvertrauen und ihn um Vergebung ihrer Sünden zu bitten. Außerdem konnte ich ihr davon erzählen, dass auch meine Mutter zehn Jahre lang nicht mit mir hatte reden wollen und wie sehr es mich schließlich gefreut hatte, nach dieser langen Funkstille einen Anruf von ihr zu bekommen. Im Grunde meines Herzens hatte ich immer sehnlichst darauf gewartet und auch dafür gebetet. Schließlich hatte Gott vor ihrem Tod noch die Versöhnung zwischen uns geschenkt. Ich wollte Wally dadurch ermutigen, mit ihrer Tochter wieder Kontakt aufzunehmen, und ihr sagen, dass man trotz vieler Schwierigkeiten und jahrelangem Schweigen mit Gottes Hilfe zu Vergebung und Versöhnung finden kann.
Es war für mich offensichtlich, dass wir nicht zufällig im selben Zimmer gelandet waren! Unser Gott ist so groß und schenkt immer wieder wunderbare Gelegenheiten, seine gute Botschaft mit anderen zu teilen. Es erfüllt mich mit Ehrfurcht und Dankbarkeit, wenn ich darüber nachdenke, wie er alles führt und lenkt.
Nach meiner Krankenhausentlassung besuchte ich Wally noch mehrere Male im Pflegeheim. Dabei sprachen wir immer wieder über Gott und die Bibel. Als ich sie jedoch das letzte Mal besuchen wollte, war ihr Bett leer und der Raum schon für den nächsten Pflegeheimbewohner hergerichtet. Als mein Blick ein letztes Mal durch ihr Zimmer schweifte, sah ich Wallys Lächeln in Gedanken noch einmal vor mir, sowie auch die Karte mit dem Bibelspruch, den ich ihr im Krankenhaus geschenkt hatte und der seitdem immer auf ihrem Nachttisch gestanden hatte: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1) Was für ein Privileg, Botschafterin für Jesus zu sein!

Birgit Weiß

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5 Antworten

  1. Dasselbe habe ich , dass meine Mutter und ich den Kontakt abgebrochen haben. Ich bete fast jeden Morgen für und um meine Mutter sehr viel. Ich hatte sogar im März und im Juli dieses Jahres telefoniert, aber von meine Mutter kommt kein Rückruf. Es ist nicht einfach als Taubheitgrenzendenschwerhörig zu sein und mich so anzunehmen wie ich bin. Bei Gott bin ich geliebt und sehr wertvoll.

  2. Danke für diesen lebensnahen, ergreifenden Beitrag.

    Hat Wally ihre Tochter nochmal gesprochen? Das wäre schön zu wisssen!

    Herzliche Grüße

  3. Ich habe vor 3 Jahren meine Freundin nach der Krebsdiagnose begleitet und dabei habe ich sie auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass sie es ihren Kindern mitteilen sollte.
    Leider hatte sie keinen Kontakt zu ihnen.
    Erst war meine Freundin dagegen, sie meinte:“die Kindern könnten denken, jetzt wo es mir schlecht geht, müssen sie sich um mich kümmern!“
    Ich betete für meine Freundin und ihren Kinder über eine längere Zeit.
    Eines Tages sagte meine Freundin: „ich habe meine Tochter angerufen!“ Ich musste weinen, so gerührt war ich! Ich freute mich sehr für meine Freundin und für ihre Kinder!!
    Sie haben sich ausgesprochen und meine Freundin ist ein Jahr später gestorben.
    Am Sterbebett habe ich die Kinder kennengelernt, sie waren sehr froh, dass sie die Möglichkeit hatten sich von ihren Mutter zu verabschieden.
    Solange wir leben gibt es die Möglichkeit
    Sich auszusprechen und zu vergeben, wenn nur noch die einen zurück bleiben, werden sie ihr ganzes Leben lang fragen, hätte ich etwas anders mache sollen!
    Warum war ich nicht bereit den ersten Schritt zur Vergebung , zu gehen? Dann lässt sich vieles nicht mehr bereinigen und vergeben!!!

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