Kontakt & Service

Mittwoch, 29.08.2018

Wasserprobleme

Ich fand den unscheinbaren Zettel abends im Briefkasten. Die Stadtverwaltung informierte uns darüber, dass man Keime im Trinkwasser gefunden habe. Um gesundheitliche Schäden zu vermeiden, sollten wir das Leitungswasser abkochen. Auch zum Zähneputzen und Geschirrspülen dürfe nur abgekochtes Wasser verwendet werden.
Es würde einige Tage dauern, bis die Ursache gefunden und beseitigt werden könne. Ich setzte also einen großen Topf Wasser auf und holte Kannen, um darin das abgekochte Wasser aufzubewahren. Eine Kanne für die Kaffeemaschine, eine ans Waschbecken zum Zähneputzen … Alles machbar.
Für Samstag hatte ich geplant, Marmelade zu kochen. Morgens überlegte ich, ob das eine gute Idee sei, aber der Blick in den Familienkalender zeigte, dass ich in den nächsten Tagen für die Verwertung des Obstes keine Zeit haben würde. Also: Wasser kochen und die Gläser damit befüllen, um sie keimfrei zu bekommen.
Nun das Obst waschen – Moment: nur mit abgekochtem Wasser! Der Wasservorrat war zu Ende, ich musste wieder neues Wasser aufsetzen. Dann das gewaschene Obst zu Marmelade kochen. Drei Sorten. Alle verwendeten Löffel konnte ich nur mit abgekochtem Wasser spülen, ebenso alle Töpfe und Messbecher. Am Schluss war ich reichlich entnervt von der umständlichen Küchenarbeit.
Als ich am Montag einer Freundin von den bösen Keimen, die mir das Leben schwermachten, berichtete, sagte diese gelassen: „Das habe ich schon in vielen Ländern erlebt. Erst kürzlich in Singapur, aber auch in anderen Ländern kannst du das Trinkwasser nie verwenden, ohne es abzukochen.“
Statt mich zu bemitleiden, wies sie mich darauf hin, dass es vielen Menschen auf der Welt immer so geht. Nun erinnerte ich mich an meinen Aufenthalt in Kenia vor einigen Monaten. Die Menschen dort müssen ihr Wasser jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr abkochen. Diejenigen, die das nicht tun oder nicht tun können, riskieren, dass sie und ihre Kinder schwer krank werden.
Ich war beschämt, dass mir das, was ich mich während der Reise sehr beschäftigt hatte, nicht mehr präsent war. Wie schnell hatte ich mich wieder im Wohlstand eingerichtet und bemitleidete mich, weil ich ein paar Handgriffe mehr tun musste.
Am Dienstag steckte wieder ein Zettel im Briefkasten: Man könne das Trinkwasser nun wieder gefahrlos verwenden. Die Ursache des Keimbefalls sei beseitigt. Ich war wirklich dankbar dafür. Aber die Sache hatte mich nachdenklich gemacht: Ich darf in einem Land leben, in dem sauberes Wasser aus der Leitung kommt und genug da ist – zum Trinken, zum Kochen und zum Duschen. Wie schnell hatte ich vergessen, dass das ein Luxus ist. Natürlich kann ich nicht die Wasserprobleme der Welt lösen. Aber ich kann mir immer wieder neu bewusst machen, dass meine äußeren Lebensbedingungen ein Geschenk von Gott sind. Das ist Gnade und ein Grund, Gott zu danken. Ich möchte meine Keniareise nicht vergessen, die mir so deutlich vor Augen geführt hat, dass dieses Geschenk nicht selbstverständlich ist.

"Danke" an die Autorin

Der Beitrag hat Ihnen gefallen? Sagen Sie „Danke!“ mit einem Kommentar.

Artikel teilen?

Was denken Sie?

Teilen Sie Ihre Gedanke mit uns und anderen Lesern! Wir freuen uns über Ihren Beitrag.

> Kommentieren

Eine Antwort

  1. Eine unserer Töchter ist auf dem Weg, sich vegan zu ernähren.
    Daher habe ich auch mehr als sonst Artikel über Tierhaltung, Ökobauern usw.gelesen.
    Nachdem mich ein Tatbestand besonders betroffen gemacht hatte, spürte ich einige Zeit später, als die Gedanken schon verflogen waren, Gottes Gegenwart sehr intensiv in mir.
    Er liess mich fühlen, ich meine, durch Seinen Geist, wie überaus traurig und voller Schmerz Er ist über die Art und Weise, wie bewusst gedankenlos, sorglos und nicht wertschätzend wir mit Seiner Schöpfung umgehen.
    Obwohl es ein sehr wehmütiges Gefühl war, war es dennoch sehr, sehr schön, Gott so nah wahrzunehmen.
    Was ich daraus persönlich mache, weiß ich noch nicht genau.
    Auf jeden Fall sind mir in den letzten Tagen nicht nur die groben Fehler der Verantwortlichen, sondern auch diverse eigene Maßlosigkeiten bewußt geworden...

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

* Hiermit erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre E-Mail-Adresse zur Prüfung und Benachrichtigung sowie Ihr Kommentar und der gewählte Name zur Veröffentlichung gespeichert und verarbeitet werden. Sie können diese Einwilligung jederzeit widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Keinen Montag verpassen?
Unser Impuls zum Wochenstart jeden Montag im Postfach 

> NEWSLETTER ANMELDEN

Mehr Montage

In poetischen Worten drückt Antje Schering aus, was ihr fehlt und was sie in Gottes Gegenwart findet.

Von Antje Schering

Bleicht Sonnenlicht eher aus oder gibt es uns Farbe? Diese Frage bringt Anita Enbrecht zum Nachdenken.

Von Anita Enbrecht

Da, wo Pläne sich zerschlagen und der Weg unklar ist, hat Nicole Sturm ein Gebet König Davids ganz neu für sich entdeckt.

Von Nicole Sturm

Wenn unser Leben ein buntes Bild wäre, denkt Lydia Bucci, was machen wir dann mit den vielen schwarzen Linien darin?

Von Lydia Bucci

Ein Jahr volle Montage?

52 Impulse zum Wochenbeginn. Damit Montage zu Lieblingstagen werden.

> JETZT ALS E-BOOK BESTELLEN