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Montag, 25.07.2022

Tandem

Mein Mann ist seit einiger Zeit mit dem Verdacht auf Herzmuskelentzündung zu Ruhe und Langsamkeit angehalten. Arbeitsunfähig, denn schon geringe Belastungen lassen seinen Puls in die Höhe schnellen. Es gilt, das Herz zu schonen. Zu warten. Arzt- und Kontrolltermine wahrzunehmen. Und weiter zu warten ... Auf Besserung. Auf hoffentlich gute Besserung.

Sein Bruder, der einige Jahre zuvor eine Herzmuskelentzündung zu überstehen hatte, sendet ihm aus der Ferne seine Pulsuhr. Sie unterhalten sich am Telefon, und schließlich kommt er sogar vorbei, um nach ihm zu sehen. Ich merke, wie erleichtert er ist, seinen Bruder bereits wieder sitzend vorzufinden.

Etwa ein halbes Jahr später wird die Planung für das jährliche Familientreffen mit der allseits beliebten gemeinsamen Radtour erstellt. Es ist klar, dass mein Mann nicht am Radfahren teilnehmen kann. Das betrübt nicht nur ihn, sondern auch seine Geschwister.

Da erreicht ihn eine E-Mail mit einer Einladung seines Bruders, die ihm und mir Tränen der Rührung und Dankbarkeit in die Augen treibt:

Hallo Horst,

ich könnte mir vorstellen, für ein bis zwei Tage ein Tandem zu mieten und dann fahre ich und du kannst die Gegend und die Gespräche genießen.

LG Heinz

Was für eine wunderschöne Idee! Bruder Heinz weiß, wie es ist, plötzlich durch eine Herzmuskelentzündung sehr beeinträchtigt zu sein, und auch, wie es sich anfühlt, seine eigene Endlichkeit zu spüren zu bekommen. Und da er ein lösungsorientierter, sportlicher Typ ist, bietet er an, seinen Bruder durch die Gegend zu radeln. Das nennt sich Bruderliebe. Respekt!

Ich denke, diese Tandem-Idee ist ein gutes Bild für etwas, das schon in der Bibel beschrieben wird. „Es helfe einer dem anderen dabei, seine Lasten zu tragen“,heißt es dort in Galater 6,2. Es fühlt sich gut an, einen Tandemplatz angeboten zu bekommen und tiefes Verständnis und Wohlwollen zu erfahren.

Und ein anderes Mal biete ich einem Bruder oder einer Schwester, einem Freund oder einer Freundin einen Tandemplatz an, indem ich helfend handele, Gespräche oder ein gemeinsames Erleben ermögliche. Und zusammen bleiben wir unterwegs – hin zu Gott.

Christine Schlagner

"Danke" an die Autorin

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5 Antworten

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Ich denke bei dieser Tandem-Fahrt nicht unbedingt gleich an meine Mitmenschen, sondern an Jesus. Er „fährt“für mich , wenn ich nicht mehr kann-wie tröstlich!

  2. Vielen Dank liebe Frau Schlagner. Das ist so berührend und erinnert mich daran: wir müssen nicht immer stark sein und alles alleine schaffen wollen. Wir dürfen schwach sein und liebe hilfreichende Hände dankbar ergreifen. Damit machen wir auch den helfenden Händen eine Freude und zeigen Ihnen, wie wertvoll und wichtig sie sind.

  3. Danke für das Teilen dieser Geschichte, liebe Christine Schlagner. Ich bin sehr berührt! Gleichzeitig bin ich ermutigt, wie Heinz, anderen aufgrund meiner Erfahrungen einen Tandemplatz anzubieten.

  4. Super Artikel! So einen Bruder wünscht man sich und so ein Bruder sollte jeder sein. Danke für dieses anschauliche Bild und die Ermutigung durch diesen Artikel!

  5. Was für eine Mut machende Geschichte. Es gibt Lösungen für Probleme und Schwierigkeiten. Manchmal sind es auch überraschende Lösungen-in diesem Fall das TANDEM !
    Einfach nicht die Hoffnung aufgeben- und manches ergibt sich im Warten und Vertrauen auf Gott !
    Danke, liebe Christine Schlagner, für‘s Teilen dieser Gedanken:-)

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