Vor einer Weile las ich in einem Buch die Aufforderung: „Tu eine Stunde lang absolut gar nichts.“ Schon meine erste Reaktion darauf war ziemlich bezeichnend: „Ich weiß doch gar nicht, wie das geht?!“ Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, eine Stunde lang wirklich gar nichts zu tun!
Wenn ich morgens aufstehe, schalte ich das Radio ein, damit es in meiner Wohnung nicht so still ist. Tagsüber verbringe ich 9 bis 10 Stunden im Büro – und wenn mein Chef mich dabei erwischen würde, dass ich nichts tue, wäre er wohl not amused! Nach der Arbeit gehe ich einkaufen, erledige Behördengänge oder muss zum Arzt. Wenn ich nach Hause komme, kümmere ich mich um private E-Mails und die Hausarbeit. Ich schaue mir die Nachrichten an und viel zu viele Serien, telefoniere mit Freunden oder lese ein Buch – aber nichts tun ... Geht das überhaupt?
Damit stehe ich vermutlich nicht allein da. Viele Menschen bekommen sofort ein schlechtes Gewissen, wenn sie einfach nur im Garten sitzen und die Sonnenstrahlen genießen – haben wir überhaupt eine Lebensberechtigung, wenn wir nichts leisten? Oder vielleicht vermeiden wir auch bewusst „Stand-by-Pausen“, um nicht nachdenken zu müssen ... über das, was wir machen, was gut läuft und was wir uns eigentlich anders vorgestellt hatten.
Wie wäre es wohl, wenn wir hin und wieder einen Termin mit uns selbst vereinbaren? Wenn wir Handy, Radio und Fernseher ausschalten und einfach einmal nichts tun? Auf dem Bett liegen und an die Decke blicken. Auf dem Balkon sitzen und den Autos zuschauen, die an unserem Haus vorüberfahren. Die Fische im Aquarium beobachten oder das Feuer im Kamin. Wie wäre es, wenn wir in den Wald gehen, uns auf eine Bank setzen und einfach nur in die Ferne blicken ...
Ich glaube, in alldem steckt auch eine geistliche Einladung. Die größte Gefahr für unseren Glauben besteht oft nicht darin, dass wir uns bewusst von Gott abwenden, sondern dass wir uns so sehr im Tun verlieren, dass wir ihn kaum noch wahrnehmen. Unser Alltag ist laut und schnell, unsere Gedanken sind ständig beschäftigt. Und dabei spüren wir oft gar nicht mehr, wie es uns eigentlich geht. Noch weniger nehmen wir wahr, wenn Gott sanft an unser Herz klopft, um uns etwas zu zeigen oder zu sagen.
Vielleicht braucht es genau deshalb diese stillen Momente, in denen wir nichts leisten, nichts erledigen, nichts verbessern müssen. Einfach nur da sein – vor uns selbst und vor Gott. Ich glaube, ich werde mir am Wochenende so einen Moment schenken. Ein stilles Date – mit mir selbst und mit dem, der mich besser kennt als ich mich selbst. Und dann will ich einfach nur da sein. Will erwartungsvoll auf sein leises Reden hören.
Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!
Psalm 46,11
6 Antworten
Vielen Dank
Sehr ermutigend !
Es fällt mir auch unheimlich schwer einfach nichts zu tun , so schnell stellt sich Langeweile ein .
Einfach sitzen in der Gegenwart Gottes ohne Bibel , Buch oder handy ,
das tut unsere Seele und unserem Geist unheimlich gut ! Einfach nur zu sein .
Danke, liebe Frau Schol, für diese wichtige Erinnerung.
Und wir dürfen das tun, ohne hinterher ein schlechtes Gewissen zu haben. Das ist einfach wunderbar.
Heidrun Hemmerling
Sehr schön,
habe ich gerade im Urlaub mal gemacht- am letzten Abend nur auf die Ostsee geschaut- sehr wohltuend!
Keine Nachrichten, keine Zeitung , keine Email und ganz viele Postkarten an liebe Menschen geschickt.
Hatte den Eindruck, dass Gott sich darüber freut!
Dorothea
In einer Krankheitsphase, die mich plötzlich von 100 auf 0 gesetzt hat, stand mir immer dieser Vers vor Augen. Ich glaube aber, dass es einen Unterschied gibt zwischen „einfach mal nichts tun“ und „erkenne, das ich Gott bin“. Zweiteres hat mir damals sehr geholfen.
V. Stober
Mit einfach nichts tun, ohne schlechtes Gewissen, fängt die Übung Zeit mit/vor Gott verbringen an.
Wir Christen sind mal schnell dabei, auch bei Gott etwas tun zu müssen.
Vielleicht reicht für den Anfang auch eine halbe Stunde.
Es tut nur gut: Leib, Geist und Seele!
"Es gibt so viel, dass man nicht tun muss"
Thomas Sjõdin hat dazu viel gesagt und geschrieben. Diese Impulse zum NICHTS TUN
mit und ohne schlechtes Gewissen können sooo gut tun ...und ich gönne mir nun jeden Tag mal mehr, mal weniger, aber am liebsten noch mehr "Vom Glück der Ruhe" zu probieren und einfach "still" und stiller zu werden... Danke fürs heutige Erinnern!