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Montag, 09.03.2020

Mühsam umkämpfter Frieden

Frieden für mein geschundenes Herz – wie hatte ich darum gerungen und es wütend gefordert, wie darum gebetet und schluchzend gebettelt. Doch eine ganze Weile schien Gott für mich nur schwer erreichbar zu sein.
Viele Untersuchungen und Arztbesuche waren vorangegangen, Termine in der Uniklinik und nun das Ergebnis: ein zwei Zentimeter großer Tumor in der linken Augenhöhle. Eine Operation war unumgänglich, denn die Gefahr lebensgefährlicher Blutungen und einer Erblindung war groß.
In meinem Herzen tobte ein heftiger Kampf zwischen Angst, Wut, Schmerz und Hilflosigkeit. In den Wochen vor der Operation kam ich nicht zur Ruhe. Wenn ich meinen Mann anschaute, sah ich die Angst in seinen Augen. Die Risiken dieser schwierigen Operation ließen mich kaum noch schlafen. Zur Ruhe zu kommen und Frieden zu finden war die Sehnsucht hinter meinem Flehen und Klagen.
Einige Zeit ist die Operation nun schon her. Sie ist gut gelaufen. Der Tumor konnte fast in einem Stück entfernt werden und auch die gefährlichen Blutungen traten nicht ein. Laut des Professors war es fast ein Wunder. Manches braucht noch Zeit, um zu heilen. Die äußeren Narben sind zwar kaum noch zu sehen, aber das Augenlid lässt sich nicht richtig öffnen. Eventuell muss ein zweiter Eingriff die Fehlstellung korrigieren. Die Sehkraft liegt leider nur bei knapp zehn Prozent. Erneut warten wir – noch voll des Schreckens, denn der Tumor war bösartig. Hat er schon gestreut und Metastasen gebildet? Hilflosigkeit und Angst lassen uns auch jetzt nicht zur Ruhe kommen.
Da wird mir durch eine Predigt bewusst, dass nicht mehr Gott in meinem Leben im Mittelpunkt steht, sondern dass das permanente Kreisen um meine Sorgen und Ängste die Herrschaft übernommen hat. Meine halbherzigen Gebete, überschattet von Schmerz und Ohnmacht, zeugen von wenig Vertrauen in meinen großen und mächtigen Gott. Erst als ich ihm alles hinlege und die Irrtümer meines verängstigten Herzens vor ihm bekenne, finde ich den ersehnten Frieden.
Wie häufig versuche ich krampfhaft an etwas festzuhalten, um die Kontrolle nicht zu verlieren, und bin blind für die Macht und Größe meines Gottes, der nie den Überblick verliert? Ich kenne nicht alle Details von Gottes Plan für mein Leben. Vieles hier auf Erden scheint menschlich gesehen unüberwindbar und zu schwer, daher kann nur Gott die besten Wege und Möglichkeiten finden. Ich vertraue ihm und glaube seiner Liebe und Gnade, die ich immer wieder sehen und erleben darf. Und so gehe ich jeden Tag weiter an seiner Hand und in der Gewissheit: Er kennt den richtigen Weg und bringt mich sicher ans Ziel.

Dorothee Kowalke

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10 Antworten

  1. Vielen Dank für deinen ehrlichen Beitrag
    Das ist was auch mich bewegt, dieses dran bleiben an Jesus in jeder Situation meines Lebens

  2. Ich glaube... Hilf meinem Unglauben, lieber Gott! Jeden Tag neu!!! Bei uns in Namibia ist es die Trockenheit, die uns lange Zeit große Sorgen bereitet hat. Ich bin mir sicher, dass VIELE Gebete zum Himmel gestiegen sind - aber trotzdem der Glaube so winzig klein blieb... BIS DANN DOCH DIE ERLÖSUNG KAM !!! Und WIE!!! So guten Regen hatten wir lange nicht mehr! Für mich die Bestätigung: Auch heute geschehen noch Wunder. Bei Gott ist nichts unmöglich und ER weiß, was ER tut! Das macht mich ruhig!

  3. Nach 30Jahren mit diversen Autounfällen, Schleudertraumas oder Schädel -Hirn-Tauma, musste ich nun 3x innert 2 Jahren am gleichen Wirbel einen Bandscheibenvorfall operieren. Zum Schluss mit Bandscheibenersatz und Versteifung.
    Erst jetzt ist auch mir bewusst geworden, wie sehr ich mich von Gott entfernt habe. Auf meine statt auf seine Kraft gebaut habe. Wie erleichternd ist doch das loslassen!

  4. Oh ja, unsere Ohnmacht führt uns noch stärker vor Augen, wie abhängig wir sind von Gottes Güte und Allmacht. Das kann ich ebenfalls bezeugen, als Mutter autistischer Kinder, als Brustkrebs-Überlebende, als Ehrenamtliche im Gefängnis...
    Wie wunderbar, dass der innere Friede noch einkehren konnte!

  5. Das ist wahrlich nicht leicht zu tragen. Angst und Ungewissheit sind aus meiner Sicht eine zunächst logische Reaktion. Auch Jesus hatte Angst. So große Angst , dass sein Schweiß zu Blut wurde.
    Ich wünsche Dir und Deinem Mann viel Kraft und Gottes allerreichsten Segen um diese schwere Zeit durch zu stehen.

  6. Der Text ist sehr tröstlich und ermutigend! Es tut so gut zu lesen, dass es anderen Frauen auch so geht.
    Ich bin im Moment sehr beunruhigt durch das Corona Virus. Denn durch eine Therapie, die ich machen muss, ist mein Immunsystem herabgesetzt.
    Doch mit Gottes Hilfe will ich IHN im Zentrum meines Lebens haben und nicht diese Angst.
    Ich wünsche Frau Kowalke Gottes Segen und viel Kraft, freundliche Grüsse

  7. Tun wir das nicht alle? Wer bleibt denn schon gelassen, wenn ihm großes Leid widerfährt? Ich bete seit zwei Jahren, dass Gott mir einen lieben Partner schickt und meine Einsamkeit beendet. Ich weiß, dass Gott einen guten Plan für mich hat und ich geduldig warten und Gott vertrauen muss. Aber das zu wissen allein reicht nicht. Wenn mich der Schmerz der Einsamkeit trifft, dann haben die Gefühle die Oberhand und ich hadere mit Gott. Ich klage ihn an. Das ist aber keine schöne Art. Ich will Gott nicht für meine Situation verurteilen. Ich möchte eine schöne Beziehung zu Gott. Aber im Schmerz schaffen wir Menschen, auch wenn wir stark gläubig sind, es nicht immer, Gott zu vertrauen und alle Sorgen an ihn abzugeben. Dafür sind wir Menschen. Aber ich weiß, dass ich immer meinen Weg mit Gott gehen möchte.

  8. Dorothee und allen Schreiberinnen wünsche ich Gottes Bewahrung und seinen überreichen Segen. Lest die ermutigenden Verheißungen die für uns in Psalm 91 stehen!

  9. Vielen Dank für diesen offenen Beitrag und ich wünsche Frau Kowalke alles Gute und viel Kraft für den weiteren Weg mit
    dieser Diagnose. Gott schütze Sie !

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