Montag, 02.03.2026

Mitfühlen,

aber nicht mitleiden!

Vor ein paar Wochen war ich in einer Phase, in der alles sehr still schien. Ich war krankgeschrieben, und äußerlich war es ruhig, innerlich aber tobte ein Sturm. Zwei meiner Herzensfreundinnen mussten schwere Verluste ertragen, und unsere Nichte, die noch so jung ist, kämpft gegen eine schwere Krankheit. Auch unser Neffe hat ein schweres Päckchen zu tragen – seine starke Beeinträchtigung ist für ihn und seine Familie manchmal voller Leid und Sorgen. Und dann sind da noch zwei weitere liebe Freundinnen, die sehr erschöpft sind.

Ich spüre, dass ich an meine menschlichen Grenzen stoße, wenn es darum geht, ihnen zu helfen, wieder Kraft und Freude zu finden. Ich kann nur da sein – zuhören, mitfühlen und ermutigen. All diese Ereignisse und Umstände lassen mein Herz so schwer werden, weil es Menschen meines Herzens sind, die ich sehr mag und denen ich so gerne mehr geben würde. Diese Erlebnisse und Umstände ließen mein Herz vor ein paar Wochen fast zerspringen. Die Sorgen wurden größer, und ich fand mich immer öfter im Gebet für sie wieder. Ich bat um Trost und Heilung für alle, die im Moment so viel Schweres ertragen mussten. Während ich betete, merkte ich, wie ich immer erschöpfter wurde. Die Sorgen drückten mich, und die Gedanken an all das Leid waren schwer. Dann sprach mir meine Therapeutin einen Satz zu, der wie eine sanfte Befreiung wirkte: „Du darfst mitfühlen, das ist eine wunderbare Eigenschaft, aber es bringt nichts, mitzuleiden. Du musst nicht in den Schmerzen anderer ertrinken.“

Diese Worte öffneten mir die Augen. Es ist gut, Mitgefühl zu haben, aber Mit-Leid, das Gefühl, selbst zu „ertrinken“ in den Sorgen und Ängsten anderer, hindert uns daran, inneren Frieden zu finden. Und dann kam ein anderer Gedanke in mein Herz: „Vertraue mir, ich habe alles in der Hand.“

Ich erkannte, dass es beim Gebet nicht darum geht, die Last anderer zu tragen, sondern darum, Gott unser Vertrauen zu schenken.

Gießt euren Kummer vor ihm aus, denn er sorgt für euch.“1. Petrus 5,7

Dieser Vers erinnerte mich daran, dass Gott uns nicht nur in den großen Sorgen begleitet, sondern auch in den kleinen. Er möchte, dass wir ihm alles anvertrauen – unsere Ängste, unsere Sorgen, unsere Erschöpfung. Wir müssen nicht alles allein tragen.

Es gibt keinen Grund, sich in den Sorgen der Welt zu verlieren, wenn wir wissen, dass Gott uns auffängt. Er lädt uns ein, unsere Lasten bei ihm abzuladen und in seinem Frieden zu ruhen. Und so nehme ich heute, an diesem Montag, diese Erkenntnis mit: Ich darf mitfühlen, aber ich muss nicht mitleiden.

Gott erinnert uns daran, dass er die Kontrolle hat und uns zu einem ruhigen und vertrauensvollen Leben einlädt – auch im Sturm.                          

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7 Kommentare

  1. Liebe Monika! Deine Worte haben mich sehr berührt. Dieses Bibelwort ist mein Konfirmationsspruch, der mich schon mein ganzes Leben lang begleitet und in schwierigen Zeiten immer wieder aufrichtet. Gesegnete Woche allen Leserinnen! 🙏

  2. Was für ein großartiger Gedanke, den die Therapeutin aussprach.
    Das stimmt ganz genau; denn wenn wir untergehen, hilft es den andern erst recht nicht. Den Satz schreibe ich heute in mein Tagebuch.

  3. Mitleid, dass will man auch als Betroffener nicht. Aber Mitgefühl, das ist es, was wir alle brauchen, Einfühlungsvermögen, Zuhören, Verständnis, Interesse zeigen.
    Ich hab eine schlimme blöde Krankheit, für die kaum jemand Verständnis hat - ME/CFS - weder hier im Altenheim noch in meinem privaten Umfeld, weil man es mir nicht ansieht.
    Da leidet man dann noch zusätzlich.
    Und für das Umfeld ist wichtig: Mal nachfragen, Einfühlen und dann an Gott abgeben.
    Vielleicht auch mal Dasein für den anderen, aber nicht Mitleiden.

  4. Wie ist dann der Bibelvers aus
    Hebräer 13,3 zu verstehen??
    Für mich sagt dieser Vers das genaue Gegenteil aus!
    "Gedenkt der Gefangenen, als wäret ihr Mitgefangene und derer die misshandelt werden, so als wäret ihr selbst in deren Leib. " Hebräer 13,3
    Erbitte mir ein Kommentar von Monika Jenke! Danke, liebe Grüße Ruth Eberhart

  5. Liebe Frau Eberhart, Danke für den Hinweis auf Hebräer 13,3.
    Nach meinem Verständnis ruft dieser Vers dazu auf, nicht gleichgültig zu werden, sondern innerlich verbunden zu bleiben mit denen, die leiden.
    Meine Gedanken in meinem Artikel sind aus persönlicher Erfahrung und aus intensiver Auseinandersetzung mit Gottes Wort entstanden – in einer Zeit, in der ich selbst fast am Leid meiner Mitmenschen zerbrochen bin. Dabei habe ich lernen dürfen, dass Mitgefühl eine wunderbare Gabe ist, Mitleiden bis zur Selbsterschöpfung jedoch nicht Gottes Auftrag an mich ist.
    Für mich gehört deshalb 1. Petrus, 5,7 dazu:
    „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“
    Solidarität bedeutet für mich: das Herz nicht zu verschließen.
    Vertrauen bedeutet: die Last nicht selbst tragen zu wollen.
    Ich respektiere es selbstverständlich, wenn andere diesen Vers anders verstehen oder auslegen. Mein Text spiegelt meinen persönlichen Weg, meine Recherchen und meine Erfahrungen wider – nicht den Anspruch auf eine allein gültige Deutung. Herzliche Grüße Monika Jenke

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