Montag, 23.02.2026

Jesus ruft mich beim

Namen

Nach zwanzig Jahren Missionsdienst in der Slowakei, in dem vertrauten Umfeld bin ich vor einem Jahr zurück nach Deutschland gezogen. Neues Zuhause, neue Arbeit, neue Menschen – und plötzlich war ich nicht mehr „die, die schon immer da war“. Niemand hier kannte meine Geschichte, meine Erfolge oder meine Fehler.

Anfangs fühlte ich mich unsicher. Wer bin ich, wenn mich keiner kennt? Ohne die vertrauten Rollen, ohne die alten Etiketten?

Doch schon nach den ersten Wochen merkte ich etwas Überraschendes: Die Menschen begegneten mir offen und herzlich. Sie sahen in mir Fähigkeiten und Seiten, die ich selbst kaum wahrgenommen hatte – oft mehr, als ich mir jemals zugetraut hätte, und manchmal sogar das Gegenteil dessen, was ich über mich dachte.

Und dann fragte ich mich: Wenn mich Menschen schon so anders und wohlwollender sehen als ich mich selbst – wie sieht mich wohl Jesus? Jesus, der um meine Geschichte, meine Narben und meine Träume weiß. Er, der mich wirklich kennt – mit all meinen Ecken und Brüchen, aber auch mit allem, was er in mich hineingelegt hat. Oft haben wir ein Bild von uns, das geprägt ist von Erfahrungen, Fehlern und vielleicht auch alten Verletzungen. Wir sehen uns durch den Nebel der Vergangenheit. Aber Jesus sieht uns durch die klare Wirklichkeit seiner Liebe. Er sieht nicht nur, was war, sondern wer wir in ihm sind.
Wenn ich mit ihm unterwegs bin, darf ich mich von alten Etiketten lösen – von allen „nicht genug“:  „nicht stark genug“, „nicht mutig genug“ oder „nicht geistlich genug“.


Er ruft mich beim Namen, nicht bei meiner Geschichte. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Dieser Vers aus Jesaja 43,1 begleitet mich seitdem immer wieder. Er erinnert mich daran, dass Jesus mich nicht nach meinen Leistungen oder Fehlern beurteilt, sondern mich bei meinem Namen ruft – persönlich, liebevoll, ohne Vorbehalt.

Mein Umzug war wohl nicht nur ein geografischer Wechsel, sondern auch ein geistlicher: ein Aufbruch in ein neues Selbstbild – das Bild, das Jesus längst von mir hat.
Ein Bild, in dem Gnade lauter spricht als Vergangenheit.
Ein Bild, in dem Liebe stärker ist als Angst.
Ein Bild, in dem ich nicht mehr meine alte Geschichte erzähle, sondern seine Geschichte mit mir.  

"Danke" an die Autorin

Der Beitrag hat Ihnen gefallen? Sagen Sie „Danke!“ mit einem Kommentar.

Artikel teilen?

Was denken Sie?

Teilen Sie Ihre Gedanke mit uns und anderen Lesern! Wir freuen uns über Ihren Beitrag.

> Kommentieren

Ein Kommentar

  1. Dieser Artikel von Olga Müller ist mir tief ins Herz gefallen. Auch ich habe zusammen mit meinem Mann, in einem Missionsdienst gearbeitet. Nach 40 Jahren gaben wir die Arbeit ab. Er wurde krank und starb. Für mich gab es ein Umzug. Da begann für mich die Erfahrung von Olga Müller. Fremd. Und immer wieder fragte ich mich: Wer bin ich! Olga, danke für dein Zeugnisse.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Keinen Montag verpassen?
Unser Impuls zum Wochenstart jeden Montag im Postfach 

> NEWSLETTER ANMELDEN

Mehr Montage

Monika Jenke hat erlebt, wie befreiend es ist, wenn sie ihre Lasten bei Gott abladen kann.

Von Monika Jenke

Für Christine wird die Begegnung mit einem Reh auf einer dunklen Landstraße zu einem Zeichen von Gottes Schutz.

Von Christine Schlagner

Durch die Aufschrift auf einem kenianischen Reisebus wird Elisabeth Malessa daran erinnert, dass Gott über alles die Kontrolle hat.

Von Elisabeth Malessa

Auf der vereisten Straße wurde Ellen Nieswiodek-Martin neu bewusst, dass sie Gott in jeder Situation um Hilfe bitten darf.

Von Ellen Nieswiodek-Martin

Ein Jahr volle Montage?

52 Impulse zum Wochenbeginn. Damit Montage zu Lieblingstagen werden.

> JETZT ALS E-BOOK BESTELLEN