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Montag, 26.04.2021

Hilfe, ich bin eine Lügnerin!

Schon oft wurde mir gesagt, ich sei „zu brav“. Beim Lesen des Bibeltextes über den verlorenen Sohn habe ich mehr Mitgefühl mit dem braven Daheimgebliebenen als mit dem Tunichtgut, der Schweinefutter essen musste, bis er zur Besinnung kam. Auch bin ich manchmal eifersüchtig auf „das eine Schaf“, für das der gute Hirte lange Wege auf sich nimmt, um es zu finden, während die braven, folgsamen Schafe zurückbleiben. Ist das nicht ein bisschen ungerecht? Sieht Gott nicht, wie tugendhaft ich bin?
Heute Vormittag bekamen mein Stolz und meine vermeintliche Heiligkeit einen Dämpfer. Es klingelte an der Tür. Ein Herr mittleren Alters mit Aktenmappe stand lächelnd vor mir. Er kam gleich zur Sache und bot mir eine Gratis-Kiste Mineralwasser zum Ausprobieren an. Danach könnte ich entscheiden, ob ich regelmäßig dieses Wasser beziehen möchte.
Wie aus der Pistole geschossen sagte ich – ebenfalls mit einem Lächeln: „Ich habe absolut keinen Bedarf. Ich trinke nur Leitungswasser.“ „Nur Leitungswasser“, wiederholte der Mann traurig und ging wortlos weg. Oh nein!, schoss es mir durch den Kopf. Ich habe gelogen! Wo kam das nur her? Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal bewusst eine Unwahrheit gesagt hatte. Ich war entsetzt über mich selbst und spürte, dass diese Sache zwischen mir und Gott stand. Wie sehr wünschte ich, die Lüge zurücknehmen zu können!
Sofort bat ich Gott um Vergebung, aber die Sache ließ mir keine Ruhe. Ich bekannte meinem Mann, was ich dem Vertriebsmitarbeiter geantwortet hatte. Ich schaute, ob ich ihn irgendwo sah, um ihn um Verzeihung zu bitten, aber er war nicht mehr da.
Dann geschah etwas Merkwürdiges. Als ich den Wasserhahn aufdrehte, stellte ich fest, dass das Wasser gelblich und trüb war. Kurz darauf war es wieder normal. Ich spürte, dass Gott mir eine wertvolle Lektion erteilen wollte.
In Jakobus 2,10 heißt es: „Denn wer das ganze Gesetz hält, sich aber in einem verfehlt, der ist in allem schuldig geworden.“ Meine Selbstgerechtigkeit war wie das trübe, unappetitliche Wasser. Nur wenn ich die wahre Gerechtigkeit annehme, die Jesus am Kreuz für mich erwirkt hat, kann ich vor Gott bestehen. „Herr, lass dein Lebenswasser über mich fließen! Lass uns wieder ungetrübte Gemeinschaft haben,“ flehte ich innerlich.
„Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit“, steht in 1. Johannes 1,8–9. Heute durfte ich die Wahrheit über mich selbst erkennen. Heute bin ich barmherziger geworden mit dem verlorenen Sohn und dem auf Abwege geratenen Schaf. Heute hat Gott mir mein Herz gezeigt und mich Demut gelehrt. Heute bin ich so dankbar, dass er sein Kind nicht verstößt, sondern mich an sein Herz drückt.

Angelika Jackson

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8 Antworten

  1. ...danke für den offenen Bericht. Ich frage mich, welche Antwort gegenüber dem Vertreter wäre für Christen angemessen gewesen, ohne die Unwahrheit sagen zu müssen?

  2. Mir sind anschließend einige passende Antworten eingefallen, vor allem die Wahrheit, dass ich lieber billigeres Wasser kaufe wegen limitiertem Budget. Oder ich hätte einfach freundlich “nein danke” sagen können. Ich hoffe, die Lektion hilft mir, in Zukunft etwas überlegter zu handeln und vor allem überlegter zu reden. Da hapert es bei mir noch fest. Bin froh und dankbar, dass Gott so geduldig ist und mir vergibt! Gesegneten Montag und Woche allen Lydia Lesern!

  3. ich würde es, allerdings mit schlechtem Gewissen) als Notlüge ablegen. Denke der Besuch war unangemeldet und Du liebe Freundin nicht darauf vorbereitet.
    Wenn man so etwas nicht erlebt hat ist es für mich schwer zu urteilen.

  4. Ja......das musste ich auch schon mehr als einmal feststellen, dass meine Selbstgerechtigkeit vor Gott anders dasteht.... Wie gut, dass der himmlische Vater viel Geduld hat und mich in Liebe darauf hinweist und mir vergibt!!!

  5. Mir geht es mit der Selbstgerechtigkeit auch oft so das mir der Gedanke kommt, ich tue nicht dies oder mache nicht das falsch. Und doch so oft hat Gott mir schon gezeigt das ich nur durch ihn gerecht bin und das Demut gewinnt. Auch kann ich mitfühlen mit zu schnell etwas sagen, so oft hat mein geduldiger himmlischer Vater mir schon vergeben für zu hastig ausgesprochene Worte.

  6. Danke für deinen Beitrag, ich fühl mich voll angesprochen. Aus meinem Mund kam auch so manche Notlüge, und das ist in Gottes Augen, nicht mehr und weniger, eine Lüge! Mir tut mein Verhalten leid! Danke auch für die Bibelstellen, wie 1.Johannes 1,8+9 Gott zeigt mir durch sein Wort, wie ich mit meiner Sünde richtig umgehen soll!

  7. Liebe Angelika,
    Danke für deine Offenheit in deinem Bericht. Er bringt mich zum Nachdenken. Meine Chefin sagte einmal über mich: "Elke lügt nicht". Sie weiss, dass ich Christ bin. Und ich habe mich sehr über diese Aussage gefreut. Sicherlich , in den "großen" Dingen sage ich die Wahrheit. Aber auch ich habe mich schon bei "Notlügen" ertappt, wenn etwas gerade unbequem oder für mich nicht passend war, so wie in deiner Begebenheit. Ich will in Zukunft mehr auf meine Worte achten, so dass meine Worte der Wahrheit entsprechen.
    Gottes Segen wünsche ich.

  8. Vielen Dank, die meisten der Beiträge sprechen auch mir aus dem Herzen. Ja, die "Notlügen" entstehen ja meistens, wenn man das Gegenüber nicht vor den Kopf stoßen möchte. Dabei könnte der Verkäufer in diesem Fall zB mehr mit einer ehrlichen Antwort anfangen, indem er schlussfolgert: Mein Verkaufs-Trick funktioniert so nicht...
    Ich glaube, es ist schon Sünde, zu glauben, dass man kein Sünder ist! (Das sagt der zitierte Bibelspruch aus 1.Johannes auch ganz deutlich!) Wir bedürfen ALLE, ohne Ausnahme, der Reinigung durch Jesu Blut. Wie gut, dass ER sie uns zugesichert hat, wenn wir unsere Sünden bekennen und uns an IHN halten.

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