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Montag, 05.08.2019

Hilfe für Stella

Für einige Wochen habe ich meinen Arbeitsplatz als Krankenschwester in einem hochmodernen Krankenhaus in Neuseeland eingetauscht, um im Inselstaat Vanuatu im Südpazifik zu arbeiten.
Mein Zuhause auf Zeit ist ein kleines Segelboot, in dem es mit unserem Team in verschiedene Kliniken und Schulen geht, um dort medizinische Hilfe zu leisten. So gut wie möglich versuchen wir, die kleinen und großen Leiden der Menschen zu behandeln. Der Aberglaube spielt eine wichtige Rolle im Leben der Inselbewohner. Erst wenn der Medizinmann im Dorf nicht mehr hilft, geht es in die Klinik, in der es oft an den nötigen Mitteln fehlt oder die Krankheit dann schon so weit fortgeschritten ist, dass sie nicht mehr auf eine Behandlung anspricht.
An diesem Tag haben wir rund sechzig Patienten behandelt, die oft mit Atemwegserkrankungen, Rückenschmerzen, hohem Blutdruck und kleineren Verletzungen zu uns gekommen sind. Müde packen wir unsere Sachen zusammen und gehen auf einem Trampelpfad zurück ins Dorf, wo in einer türkisblauen Bucht unser Segelboot liegt. Unter den vielen Kindern auf dem Dorfplatz entdecke ich ein Mädchen mit einer hässlichen eitrigen Wunde über dem linken Augenlid, aus der alte Fäden heraushängen. Nachdem wir die Mutter von Stella gefunden haben, erzählt sie uns, dass ihre Tochter beim Spielen auf einen Stein gefallen ist und die Platzwunde mit vierzehn Stichen genäht werden musste. Das Ganze ist vor etwa einem Monat passiert. Da Erntezeit ist und sie im Garten arbeiten muss, hatte die Mutter noch keine Zeit, in die Klinik zu kommen, um die Fäden ziehen zu lassen. Da es unser letzter Abend in diesem Dorf ist, beschließen wir, die kleine Stella mit der Erlaubnis ihrer Mutter direkt vor Ort zu behandeln. Das kommt wohl nicht so oft vor und eine große Menschenmenge aus den Dorf versammelt sich, um uns neugierig zuzuschauen. Da es nun dunkel geworden ist, beleuchten eifrige Helfer mit Taschenlampen die Szene. Vorsichtig reinigen wir die Wunde, entfernen die alten Fäden, legen einen Verband an und geben Stellas Mutter ein Antibiotikum mit. Nach vierzig Minuten sind wir fertig. Die Menschenmenge löst sich langsam auf. Dankbar machen sich Mutter und Tochter auf den Weg zu ihrer Hütte. Wir packen unsere Sachen zusammen und begeben uns müde auf den Heimweg. Mit einem motorisierten Schlauchboot geht es zurück zu unserer schwimmenden Unterkunft.
Als ich nach oben schaue, blicke ich in den endlos leuchtenden Sternenhimmel, der majestätisch über uns scheint. Tiefer Friede und Dankbarkeit erfüllen mich. Manche Tage sind frustrierend, schweißtreibend und anstrengend. Nicht immer kann man den Menschen helfen, da sie oft zu spät kommen oder wir nicht die nötigen medizinischen Hilfsmittel zur Verfügung haben. Doch heute haben wir einen kleinen Hilfsdienst für ein Mädchen namens Stella getan.

Daniela Merkert

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