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Montag, 07.10.2019

Gib mir alles!

Es ist ein warmer, goldener Herbsttag. Der Park ist voller Menschen, die ihr Picknick in der Sonne genießen, und die Spielplätze sind bevölkert von Kinderscharen. Mein Sechsjähriger hat gerade einen neuen Drachen bekommen, und den will er heute unbedingt ausprobieren. Hin und wieder streicht tatsächlich eine Windböe durch den Park und lässt die bunten Herbstblätter auf den Bäumen so wundervoll rascheln. Während ich den Drachen festhalte, rollt mein Sohn die Schnur ein Stück aus und will losrennen. „Warte noch!“, rufe ich, „du musst erst auf den nächsten Windstoß warten!“ Aber mein Sohn hat keine Zeit zu warten; er rennt los – und wirklich – der Drache hebt sich ein wenig in die Höhe. Jauchzend rennt der kleine Mann über die Wiese. „Mama, er fliegt!“, jubelt er.
Doch sobald er aufhört zu rennen, gleitet der Drachen wieder zum Boden zurück. Der Motivation meines Sohnes tut das keinen Abbruch. So geht das eine ganze Weile und irgendwann kann ich es nicht mehr mit ansehen. „Komm, ich helfe dir; ich kann den Drachen für dich hochziehen, und dann übernimmst du die Schnur!“ Doch mein Sohn ist anderer Meinung – er will es allein schaffen. Und so rennt er wieder und wieder los. Ohne mich helfen zu lassen. Irgendwann kommt er erschöpft und frustriert zu mir gelaufen. Das Projekt scheint doch schwerer in der Umsetzung, als er sich das vorgestellt hat. Er hält mir den Drachen hin: Nun soll ich ihn festhalten, während er losrennt. „Gib mir doch lieber alles!“, bitte ich ihn, „dann ziehe ich den Drachen für dich in die Luft. Ich kann das!“ Während mein Mund diese Worte ausspricht, spüre ich plötzlich, wie Gott im selben Moment die gleichen Worte an mein Herz richtet: „Gib mir doch alles!“
Oh ja, mein Leben ähnelt in manchen Bereichen den erfolglosen Versuchen meines Sohnes, den Drachen in die Luft zu bekommen. In vielen Punkten mühe ich mich ab, ohne Erfolg zu sehen. Statt Gott die Kontrolle über diese Bereiche zu geben, will ich sie lieber selbst kontrollieren und es aus meiner eigenen Kraft schaffen. Und selbst wenn ich Gott um Hilfe bitte, bin ich doch zu stolz, ihm ganz die Kontrolle über mein Leben zu überlassen. Abends blicke ich oft erschöpft zurück auf einen Tag, an dem es mit der Gelassenheit meinen Kindern gegenüber wieder nicht besonders gut geklappt hat, oder ich bin frustriert, dass mich wieder diese innere Unruhe durch den Tag getrieben hat.
Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben für mich aufgibt, der wird es für immer gewinnen“ (Matthäus 10,39). Er kennt meinen Wunsch nach mehr Leichtigkeit im Leben. Die Frage ist nur: Vertraue ich ihm genug? Und glaube ich wirklich, dass er es gut mit mir meint, sodass ich ihm getrost die Kontrolle über meinen „Lebens-Drachen“ anvertrauen kann?

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7 Antworten

  1. Liebe Schwägerin,
    Danke für diese passenden Worte am Montag morgen, wo ich - kaum hat die Woche angefangen- schon abgekämpft vor dem PC „hänge“ und Dinge organisiere.
    Wie gut das wir einen Vater im Himmel haben der uns zuspricht, dass wir täglich neu aus seiner Quelle schöpfen dürfen.
    Danke lieber unbeschreiblich großer und liebevoller Papa dafür.

  2. Ja das Thema passt heute gut zu meinen aktuellen Problemen.
    Wie oft habe ich erlebt ,dass Gott etwas für mich geregelt hat ,besser als ich es je selbst gekonnt hätte. Und immer wieder tue ich mich sehr schwer mit Entscheidungen , statt es einfach "ihm" zu überlassen.Danke!

  3. AMEN! Ich reihe mich ganz da mit ein... Trotz des wunderbaren Wissens (und ebensolcher Erfahrungen, die ich bereits gemacht habe) muss ich es täglich noch üben, ALLES abzugeben!
    Der Vergleich ist einfach super: So einleuchtend, dass die Mama in dem Fall tatsächlich die komplette Übersicht hat und daheraus die richtigen Entscheidungen treffen kann; diese komplette Übersicht hat Gott, deshalb muss es nicht sein, dass wir uns so abmühen.
    Natürlich gilt in manchen Fällen auch das "Erziehungsprinzip": Selber machen lassen, damit das Kind es lernt! Wahrscheinlich kommt da die Warteperiode ins Spiel, die uns ja oft so zu schaffen macht, dass wir es in unserer Ungeduld dann doch immer wieder selber in die Hand nehmen.
    "So ihr nicht werdet wie die Kinder..." Matth.18,7

  4. Das ist eine wunderbare Metapher,es ist wahrlich nicht einfach loszulassen um die so ersehnte Leichtigkeit zu spüren, ja natürlich frag ich mich ständig ob ich genug vertrauen kann -wie war das nochmal mit dem gebrannten Kind ?(ein ungeheuerlicher Sprachgebrauch)-
    Es ist nur es gibt ganz real und massiv die Gegenseite die unkontrolliert in alle Lebensbereiche eindringt und gerade auch in die Erfahrenswelt der Kinder nicht nur in der Popkultur,Film,Medien, die sind doch ablesbar und immer weniger versteckt satanisch unterwandert.
    Kann ich das laufen lassen in der Hoffnung das meine Kinder durch eigene Erfahrung zu Gott finden ? Das ist doch der Punkt der Verantwortung, man kann es auch Kontrolle nennen, ich lasse gerne meinen Kindern die Freiheit zur Selbsterfahrung, hoffe mit meiner christlichen Wertigkeit auch nonverbal Vorbild zu sein, Ob das reicht weiß ich nicht denn die antichristliche Gegenseite ist - und das mag ein Kind ggf. nicht zu unterscheiden -immer aggressiver aktiv. Ich wünschte ich könnte mit beruhigten Herzen des öfteren loslassen und laufen lassen, das würde mich auch sehr erleichtern aber vielleicht habe ich nicht genug vertrauen ? Liebe Grüße Michael

  5. Vertaue ich ihm genug!?
    Ich will vertrauen, obschon die Gedanken da sind, meint es Gott mit uns wirklich gut, wenn er vor einigen Monaten meine Schwester, die so gerne noch gelebt hätte, trotz vieler Gebete sterben liess. Und zwei Monate später mein Mann die Krebsdiagnose bekam. Und trotzdem will ich an Gottes Liebe festhalten- mir zuliebe- denn was kann ich schon aus eigener Kraft erreichen? Der Drachen erhebt sich höchstens, aber fliegen- was Freiheit bedeutet- kann nur Gott bewirken.

  6. Liebe Sarah
    Wie schön treffen Ihre Worte auch tief in mein Herz hinein. Auch ich stehe immer wieder auch an diesem Punkt.Wie gut bekommen wir immer wieder die Ermutigung unseres Herrn JESUS dass wir bei Ihm abladen dürfen und Ihn um alles bitten dürfen was wir benötigen. Ja auch wir dürfen lernen wie unsere Kinder IHM alles zu geben. Ich ermutige Sie herzlich weiterhin dazu. Diese Lebensschule ist wunderbar.
    Gott segne Sie und Ihre Familie.
    Elisabeth

  7. Genau das brauche ich jetzt. Vielen Dank für diese Ermutigung. Mein Mann hat gerade seine Ausbildung im IT angefangen. Ich mache mir Sorgen wie er es wegen der Sprache in der Schule schaffen wird. Er ist Iraner. Eigentlich muss ich Gott voll vertrauen. Wir haben beide gebetet, dass Gott ihm nur dann eine Ausbildung schenkt, wenn er es auch schaffen wird.
    Gott hat ihm wirklich eine sehr gute Stelle geschenkt...aber vertrauen und glauben fällt mir manchmal doch schwer. Ich möchte Gott ALLES abgeben.

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