Ich sehe dieses kleine Mädchen mit einem roten Pulli, wie es vertrauensvoll an der Seite seines Vaters geht. Trotz seiner kurzen Beinchen hält es mit ihm Schritt. Es schaut nach oben, sucht sein Gesicht. Es plappert drauf los, sagt unbeholfene Worte, die nur er versteht.
Hand in Hand gehen sie weiter. Die Stille der Natur erzählt von ihren Wundern, die jeder hören kann, der diese Stille versteht. Dieses Mädchen weiß noch so wenig von den Geheimnissen, die darauf warten, entdeckt zu werden. Glücklich lacht es den Himmel an. Ist da eine kleine Wolke, die zurücklächelt? Die Zeit vergeht. Das Mädchen redet nicht mehr. Scheint es nachzudenken, warum sein Vater so lange schweigt?
Hand in Hand gehen sie weiter. Erneut versucht die Kleine ihren Vater zum Reden zu bringen. Sie lacht nicht mehr. Hat ihr Vater sie nicht gehört? „Papa, was ist los!“ Sie achtet nicht mehr auf ihren Weg, stolpert und lässt vor Schreck seine Hand los. Sie fällt hin und weint. Schnell und sanft zugleich hebt der Vater seine Tochter auf. In der Geborgenheit seiner Arme hört sie auf zu weinen. Eng schmiegt sie sich an ihn und fühlt sich getröstet.
Diese Situation erinnert mich an mein neues Leben, das Gott mir vor vielen Jahren gab. Ich fühle mich wie das kleine Mädchen, das damals noch jung im Glauben war. Meine Beziehung zum Vater im Himmel war unbeschwert. Ich ging an seiner Hand und erlebte eine Sicherheit, die ich vorher noch nie erlebt hatte. Vertrauensvoll blickte ich zu ihm auf. Mein Vater im Himmel beschützte mich vor manchen Gefahren, manchmal auch vor mir selbst. Er befreite mich von Bitterkeit, Unversöhnlichkeit, Lieblosigkeit und Anderem. Er öffnete mir die Augen für die Schönheit der Dinge, für die ich vorher blind war.
Doch nun bin ich unglücklich. „Warum schweigst Du Herr? Du bist doch mein Papa im Himmel. Ich verstehe das nicht. Ich brauche Dich, weil ich nicht mehr weiterweiß.“ Immer wieder bete ich, aber nichts geschieht. Doch irgendwann höre ich seine sanfte Stimme: „Gib nicht auf!“
Es ist der Charakter Gottes, nicht aufzugeben. Ist es das, was ich auf diese Weise von ihm lernen soll? Ich spüre, wie sich meine wankelmütigen Gedanken verändern. Ich will durch Gottes Kraft lernen, nicht aufzugeben, weder meine Beziehung zu ihm noch zu meinem Mann oder meinen Kindern. Auch Menschen, die mich verletzt haben, will ich nicht aufgeben und werde für sie beten. Sie brauchen Gottes Hilfe - genauso wie ich.
Ich erinnere mich zurück, wie ich eines Nachts auf der Dachterrasse des Krankenhauses stand. Ich betete für Menschen, die sich mir in ihrem Kummer anvertraut hatten. So schwer manches war, hier oben, mit dem weiten Blick über die Stadt und in die Dunkelheit des Himmels, wurde mir klar: Was mir auch passieren mag - es ändert nichts daran, dass Gott unverändert der Gott ist, der mich aus der inneren Dunkelheit in sein Licht geführt hat. Das gilt auch jetzt! „Du bist und bleibst mein Papa im Himmel. Ich will nie mehr ohne Dich leben.“
Glaubenskrisen gibt es. Ich brauche sie nicht zu verdrängen. Sie haben mich verändert, weil sie mir immer wieder gezeigt haben, wie sehr ich Gott brauche. Gerade dann, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Sie haben meine Beziehung zu ihm gefestigt. Und tief in mir erkenne ich, wie sehr ich ihn liebe. Er ist und bleibt meine Zuversicht und die Hilfe meines Lebens. Ihm vertraue ich, denn in seinen Armen bin ich geborgen.
Monika Goldsche
2 Kommentare
Liebe Schwester Monika ! Dickes Danke Dir für Deine Worte, die mir Freudentränen geschenkt haben !
Shalom allezeit wünsche ich Dir !
Bernd
Danke liebe Monika, so ist es. Danke für die Ermutigung heute. Ich darf auch in dunklen Zeiten dem Vater im Himmel vertrauen. In Johannes 10 steht: "...und niemand wird sie aus Meiner Hand reißen."