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Montag, 09.05.2022

Eulalia in Aufregung

Von einer wohlmeinenden Bäuerin hatte ich eine schöne ausgewachsene Henne geschenkt bekommen – für den Festtagsbraten. Nun ist Hühnerschlachten nicht so meine Sache, weil ich eher bei den Tierschützern angesiedelt bin. Also nahm ich das Tier dankend an und sicherte ihm insgeheim ein langes, sorgenfreies Dasein zu.
Mein Vater gab der Henne den Namen Eulalia. Wir bauten im Garten ein Ställchen für sie und fütterten sie mit Leckereien.
Allerdings haben wir auch mehrere große Hunde, die leider so gar nicht vegetarisch veranlagt sind. Einer von ihnen buddelte am Stall herum, bis sich ein Brett löste. Eulalia schlüpfte hinaus und der Hund jagte sie kreuz und quer durch den Garten. Um sie zu retten, musste ich sie einfangen und in Sicherheit bringen.
Nun sind Hühner angeblich sehr dumme Tiere. Wie bemächtigt man sich also eines aufgescheuchten Huhns? Das sieht normalerweise so aus: Ich übe mich im Dauerlauf und rufe ständig: „Komm zu mir! Bleib stehen! Ich will dir doch helfen!“ Und das Federvieh rennt, flattert, flieht und wetzt davon.
Was will man von so dummen Tieren auch anderes erwarten? Wenn ich sie einholen wollte, müsste ich schon sehr sportlich sein.
Nun sagt man ja: „Wie der Herr, so's G'schärr!“ Wie der Mensch sich verhält, so verhält sich auch sein Tier. Ich gebe es nur ungern zu, aber es gibt so manche Lebensbereiche, da flattere ich genauso aufgeregt umher wie Eulalia, ohne dauerhafte Lösungen zu finden. Aufgebracht renne ich herum, angetrieben von der fixen Idee: „Es muss etwas geschehen!“ Ich strenge mich an, bin mit viel Elan dabei ... Ja, bei was eigentlich? Was habe ich erreicht? Ist etwas geschehen? Hat es sich gelohnt? Während Hühner beim hektischen Herumrennen Federn verlieren, sind es bei mir Nerven, Frieden und wertvolle Zeit, die verloren gehen.
Eulalia hetzte also lauthals gackernd und flatternd auf der Flucht vor dem Hund umher. Als ich dazukam, hatte sie schon ein halbes Dutzend Federn verloren und jagte gerade in die entgegengesetzte Richtung. Ich rief sie bei ihrem Namen, ohne mir große Hoffnungen zu machen.
Doch da geschah das Unvorstellbare: Eulalia machte auf dem Absatz kehrt, kam geradewegs auf mich zugerannt und flatterte mir direkt in die Arme! Ich war sprachlos und so gerührt, dass ich vor Freude weinte.
Ich weiß nicht, wie viel Hühner denken können, aber das Einzige, worauf es in dem Augenblick ankam, erkannte Eulalia richtig: Sie wusste, wem sie vertrauen konnte. Ohne zu zögern, setzte sie dieses Wissen in die Tat um. Sonst hätte sie sich als Hundeleckerbissen aus dem Leben verabschieden müssen.
Verglichen mit einem Huhn, halte ich mich für recht intelligent. Aber weiß ich, worauf es in meinem Leben ankommt?
Jesus kann mir einen klaren Kopf und ein ruhiges Herz schenken. Er kann mir helfen und mich retten. Ihm kann ich vertrauen.
„Oh Gott, bitte schenk mir Eulalias Entschlossenheit und lass mich ohne Zögern in deine Arme flattern!“

Aus Lydia 2/2022 

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13 Antworten

  1. Zwischen Gerührtheit und Schmunzeln habe ich das gelesen, herrlich.
    Da steckt viel dahinter für uns Menschen.
    Danke für die wunderbare Geschichte.
    Gottes reichen Segen. Birgit

  2. Unglaublich! Und so gut übertragbar! Jesus spricht mich ja auch mit meinem Namen an - und ich darf und hab's schon erlebt, mich bei ihm bergen. DANKE!

  3. Oh je, auch ich habe mich direkt wiedererkannt…Regelmäßig lasse ich mich (bei den Kindern) derart aus der Ruhe bringen, dass ich mich wie Eulalia fühle.
    Vielen Dank für diese tolle Geschichte❣️

  4. Vielen Dank für diesen wunderbaren und ermutigenden Beitrag !
    Es ist doch immer wieder beruhigend , dass wir wissen dürfen, dass Gott unser Schutz und Schirm ist. Bei ihm finden wir Ruhe im
    größten Chaos !

  5. Lieben Dank für diese wunderbare Geschichte, die wie für mich geschrieben ist. Ich wurde daran erinnert, dass ich gar nicht alles alleine schaffen muss, sondern mit allen Sorgen und Problemen zu Jesus kommen kann.
    Gott segne Sie!

  6. Vielen Dank für die nette Geschichte. Eulalia ist überhaupt nicht dumm. Sie weiß, wo Hilfe zu finden ist. Meine Hühner sind sehr interessiert und lernen schnell und hören auf mich. Für mich die beste Entspannung

  7. Toller Text. Und ich habe mich wiedererkannt.
    Danke für die Erinnerung, dass Jesus mich bei meinem Namen ruft und ich Ruhe und Frieden bei ihm haben kann. Ich müsste nur mal zuhören.
    Danke für diese Geschichte. Gott segne uns.
    Sabine

  8. Eine wunderschöne Geschichte ! Ich bin auch eine große Liebhaberin von Hühnern, aber der Bezug zu unserem Herrn, dem wir ohne Umschweife in die Arme laufen dürfen ist ganz wunderbar. Vielen Dank für diesen schönen Beitrag.

  9. Vielen herzlichen Dank für die herzerfrischende Geschichte!! Wir sollten viel öfter auf Gottes Stimme achten und sofort in seine Arme flattern!!

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