Sonntag, 29.03.2026

Eine kostbare Tasche

Meine Tochter ist 38 Jahre alt und arbeitet als Sozialpädagogin in einer Schule. Heute Morgen legte sie vor mir eine Tasche auf den Tisch und fragte mich, was ich über diese Tasche denken würde.

Mein Geschmack mit fast 70 Jahren ist nicht der gleiche wie ihrer. Ich sah vor mir eine braune Damenhandtasche. Auf den ersten Blick wirkte sie recht geräumig mit nur einem großen Fach und zwei Bügeln. Damit war sie für mich untauglich, weil ich meine Handtasche gerne über der Schulter trage. Und bei nur einem Fach müsste ich ständig in den Tiefen der Tasche nach meinen Habseligkeiten suchen. Das Muster: zwei ineinander verschlungene Buchstaben, die sich durch einen helleren Farbton vom Untergrund abhoben. Nein danke – nicht mein Style. Insgesamt sah das gute Stück auch nicht mehr ganz neu aus. Ich würde sie nicht geschenkt haben wollen.

Meine Tochter berichtete mir, dass sie diese Tasche von einer Frau als Dank für ihre Hilfe erhalten hatte. Die Frau war von Afrika nach Deutschland geflüchtet und hatte die Tasche von einem Mann geschenkt bekommen, dessen Frau verstorben war.

Als meine Tochter mit dieser Tasche über das Schulgelände lief, wurde sie gleich zweimal erstaunt angesprochen: „Oh, Frau T., eine echte Louis Vuitton Tasche ... Die kostet mindestens 800 Euro! Wo haben Sie die denn her?“

Nun entdeckte auch ich die beiden Buchstaben: L und V ineinander verschlungen.

Als meine Tochter mir die Geschichte erzählte, kamen mir folgende Gedanken in den Sinn: Bei Gott bist du wie diese braune Damentasche.  Er denkt nicht: „Untauglich – nicht mein Stil!“ Du bist ihm noch viel kostbarer als 800 Euro. Er hat für dich den Höchstpreis bezahlt. Er gab seinen Sohn Jesus für dich! Auch wenn andere Menschen in dir vielleicht nur eine unbrauchbare Tasche sehen – sie irren sich. Du bist ihm unendlich kostbar!

Meine Tochter hat jetzt übrigens beschlossen, besser auf die Tasche zu achten und sie nicht unbeaufsichtigt liegen zu lassen.

Dorothea Trautvetter

"Danke" an die Autorin

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4 Kommentare

  1. Finde ich richtig gut geschrieben. Einfach wie es sich anfühlt, so eine Erfahrung zu machen. Kein frommes Gedöns dabei, die Wahrheit schlicht verpackt und umso deutlicher.
    Lieben Dank dafür!!!!

  2. Sich nicht wertlos fühlen (je nach Situationen) - dass versuche ich immer wieder mit positiven Gedanken zu durchbrechen... Mir vor Augen führen, dass ich bei Gott als wertvoll angesehen bin. Nach dem Lesen dieser Geschichte, kommt mir auch der Gedanke, ob uns vllt.auch unsere eigene Lebensgeschichte, (mit dem was wir alles überwunden und überlebt haben) wertvoller macht?

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