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Montag, 04.06.2018

Dort, wo es keinen Weg zu geben scheint

Ich kenne die Geschichte gut. Dennoch kommt es mir heute so vor, als ob ich zum allerersten Mal von den fünf Broten und den zwei Fischen lese. Die Geschichte wird lebendig, persönlich.
Jesus hatte die zwölf Jünger ausgesandt mit der Weisung, weder Essen, Geld noch Gewand mitzunehmen. Ich denke, er wollte, dass sie von Anfang an lernen, von ihm abhängig zu sein. Kurz danach sollen sie einer riesigen Volksmenge – etwa fünftausend Männern – zu essen geben. Aus der Perspektive der Jünger sieht die Aufgabe unmöglich aus. Sie sehen zwei Dinge: „Wir sind hier an einem öden Ort.“ Und: „Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische.“ Sie haben zwar schon viel in Jesu Namen getan, aber diese Situation ist ihnen eine Nummer zu groß. Sie denken vermutlich: Es ist hoffnungslos. Hier gibt es nichts! Mit dem bisschen, was wir haben, kann man nichts anfangen. Schicken wir alle weg! Außerdem sind wir müde und der Tag war lang …
Ich verstehe die Jünger. Ich weiß, wie es ist, sich so zu fühlen und keine Hoffnung zu haben. Es gibt genug Gründe, warum ich gerade heute aufgeben könnte. Ein Buchprojekt, das abgelehnt wurde. Ein Jahr lang habe ich daran gearbeitet und nichts ist daraus geworden. Ein unklarer Hormonbefund. Viele Fragen, wenige Antworten. „Gott, gib mir bitte etwas, irgendetwas, das mir hilft, weiterzugehen!“
Und er gibt mir etwas. Ich darf die Situation ein wenig durch seine Augen sehen. Er erinnert mich: Dort, wo ich keine Möglichkeiten mehr sehe, dort sieht Jesus immer noch Möglichkeiten. Dort, wo ich keinen Weg mehr sehe, sieht er einen Weg. Ich muss ihm nur geben, was ich habe.
„Er nahm aber die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel und segnete sie; und er brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie der Volksmenge vorlegten. Und sie aßen und wurden alle gesättigt; und es wurde aufgehoben, was ihnen an Brocken übriggeblieben war, zwölf Handkörbe voll“ (Lukas 9,16–17).
Während ich diese Worte lese, ist es so, als ob er mir mit dem Ellbogen einen freundlichen Schubs geben würde, während er mir ins Ohr flüstert „Hey! Vergiss nicht, dass ich auch noch da bin!“
Vielleicht sind die Dinge doch nicht so hoffnungslos, wie sie aussehen? Kann es sein, dass Gott Dinge sieht, die ich nicht sehe? Kann es sein, dass er in der Lage ist, Dinge zu tun, die ich für unmöglich halte? Auf jeden Fall! Vielleicht hat er vor, aus nichts etwas zu machen.
Hätten die Jünger die Volksmenge entlassen, dann hätten sie eine Gelegenheit verpasst, viel über Gottes Größe zu lernen. Gebe ich an dieser Stelle auf, verpasse ich womöglich auch viel. Ein Wunder vielleicht. Jedenfalls würde ich nie erfahren, was Gott aus meinen „fünf Broten und zwei Fischen“ machen kann. Ich denke, ich entscheide mich anders. Ich gebe ihm alles, was ich habe – meine Fragen, meine Enttäuschung, meinen Schmerz, alles, was mich belastet. Um ihn zu erleben.

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