Mein Sohn hat mich gebeten, ihm eine Decke zu Weihnachten zu nähen. Groß sollte sie sein, sodass er sich im Bett damit zudecken kann. Und kuschelig, flauschig, warm. Okay. Es war schon relativ kurz vor Weihnachten. Für eine Patchwork-Decke würde meine Zeit also nicht mehr reichen, aber ich fand einen Kompromiss und nähte eine einfache Decke aus Fleece, auf das ich Sterne applizierte und das ich mit einem gepatchten Rand einfasste. Und natürlich habe ich die Decke gequiltet, das muss sein, sonst ist es keine richtige Decke.
Aber das Quilten funktionierte nicht ganz so reibungslos wie geplant! Zuerst ging mir der Faden aus. Und ich hatte keinen mehr in dieser Farbe. Also musste ich erst mal zum nächsten Stoffgeschäft fahren und einen Faden kaufen, der möglichst den gleichen Türkiston hatte. Und dann quiltete ich leider ein paar Falten in die Decke hinein, die ich auch nicht mehr auftrennen konnte. Hmmmm. Mist!
Diese Decke ist nicht perfekt geworden, und wenn ein Fremder sie sieht, denkt er vielleicht: Ginge das nicht besser? Vielleicht denkt er sogar: Da hätte man doch lieber gleich eine Decke gekauft! Würde eine versierte Näherin meine Decke sehen, könnte sie mir sogar genau sagen, was hier besser gegangen wäre und wie.
Aber mein Sohn wollte keine perfekte Decke. Er wollte eine, die ich genäht habe. Nein, diese Decke ist nicht perfekt, aber in ihr steckt ganz viel von meiner Liebe zu ihm, ich habe sie überhaupt nur genäht, weil ich ihn liebe und seinen Wunsch erfüllen wollte. Ich wollte ihm eine Freude machen. Und das ist mir gelungen! Diese Decke ist ein Lieblingsstück, egal, ob sie perfekt ist oder nicht!
Perfektion loslassen
Ich singe in meiner Gemeinde in der Worship-Band. Unsere Bühne ist groß und sieht recht professionell aus. Die Bandbesetzung für einen Sonntagsgottesdienst ist auch groß und alles klingt sehr anspruchsvoll. Und immer wieder frage ich mich: Bin ich dafür eigentlich gut genug? Kann ich genug, um auf dieser Bühne zu stehen? Ich bin kein musikalischer Überflieger! Hilfe! Selbstzweifel! Selbstkritik! Minderwert!
Und dann, eines Sonntags kurz vor dem Gottesdienst, spricht Gott in mein Herz hinein. Ganz simple Worte. Er sagt: „Wenn du es für mich tust, ist es immer gut genug!“ Gut genug! Immer! Es muss nicht perfekt sein. Obwohl ich damit nicht sagen will, dass wir für ihn nicht unser Bestes geben sollen! Versteht mich bitte nicht falsch! Es geht nicht um Laschheit! Aber es geht eben auch nicht um Perfektion bis zum Umfallen. Es geht um meine Herzenshaltung. Tue ich, was ich tue, für ihn? Um ihm eine Freude zu machen, ihn mit meinen Gaben zu ehren?
Gott schaut nicht darauf, ob mein Ergebnis perfekt ist. Er betrachtet das, was ich bringe, mit den Augen der Liebe. So wie mein Sohn, die selbst genähte Decke ansieht. Und Gott freut sich, dass meine Liebe darin steckt, dass meine Hingabe dadurch sichtbar wird und dass ich ihm eine Freude mache. So einfach ist das. Und dann ist es immer genug!
„Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als für den Herrn und nicht für Menschen.“ Kolosser 3,23
5 Antworten
Ein sehr passender Vergleich, danke für Ihre Geschichte!
D.Trautvetter
Liebe Frau Schwarz,
vielen Dank für Ihre authentischen Worte! Ich habe mich SEHR darin wiedererkannt. Alles geben, was man selbst vermag - und Gott den Segen darauf legen lassen; nur so kann es gelingen, uns entlasten und die Herzen der anderen erreichen!
Gott segne Ihre Adventszeit in allem was Sie tun!
Liebes Lydia-Team,
diese Geschichte ist so ermutigend. Wir haben in der Adventszeit einen Projektchor.Ich habe habe viel Freude, aber auch etwas Angst, ich könnte es nicht schaffen. Aber ich singe ja für unseren Herrn und für die Menschen. Danke LG Angela
Liebe Frau Schwarz, danke für das Teilen dieser Geschichte. Sie findet meine volle Zustimmung. Ähnliches habe ich erlebt mit meiner selbst gestrickten Decke, die verschiedene Strickmuster enthält. Da habe ich an einer Stelle linke anstatt rechte Maschen gestrickt. Nach mehrmaligem Auftrennen und dem Versuch, das zu Berichtigen, ist es mir irgendwie doch nicht gelungen. Ich freue mich trotzdem sehr über diese Decke. Es gibt sie kein zweites Mal und der „Fehler“ ist nicht hinderlich daran, dass sie mir täglich wohlige Wärme spendet.
Ich wünsche allen viel Wärme und Segen in dieser Adventszeit.
Danke, danke, danke...für Jesus...von ganzem Herzen...gut genug...Immer!!!
Liebe Eva,
Gott hat durch sie zu meinem Herzen ❤ gesprochen!!
Herzlichst
Claudia