Montag, 05.01.2026

Die Krippe

bleibt

Der Weihnachtsbaum liegt vor der Türe im Schneematsch. Die Krippe ist im Karton, die Tannennadeln sind weggefegt. Beinahe ist alles beim Alten.

Nur die Krippenfiguren stehen noch auf dem Sideboard, Maria, Josef, das Jesuskind, Kamele, ein Eselchen, Schafe, ein paar Hirten, die Astronomen aus dem Osten und ein paar Rindviecher.

Die würde ich gerne noch ein Weilchen stehen lassen. Sie nehmen kaum Platz weg, nadeln nicht und außerdem sind sie richtig schön. Aus Olivenholz, importiert aus Israel.

Den Weihnachtsschmuck wegzuräumen fällt mir von Jahr zu Jahr leichter. Weihnachtsbaum, Lichterketten, Kugeln usw.

Aber die Krippenfiguren? Habe ich verpasst, sie zu genießen? Kommen sie meinem „Spieltrieb“ entgegen, weil ich sie immer mal neu aufstellen und sortieren kann? Oder haben sie eine Botschaft für mich, die ich noch nicht verstanden habe?

Im Moment stehen sie wie eine Karawane herum. Sind irgendwie noch unterwegs, noch nicht so recht zu Hause. Keine Ahnung, wie weit ihr Weg noch ist, was sie unterwegs erleben werden. Aber tröstlich ist, das Jesuskind ist dabei. Ziemlich klein. Und ziemlich schutzbedürftig. Die Karawane wird oft anhalten müssen, damit es zur Ruhe kommt. Nein, eilig hat es die Karawane nicht.

Vielleicht ist das die Botschaft für mich. Es eilt nicht. Ich darf nachsinnen, langsam sein, unterwegs sein. Ich muss keine neue Erkenntnis präsentieren können. Keine Antworten parat haben, wie Weihnachten für mich gewesen ist. Ob ich die Zeit genossen habe, ausgenutzt, oder mich erholen konnte.

Die dunkle Zeit war dunkel für mich, mit ein paar Sternschnuppenmomenten. Und jetzt warte ich, ob das Kind aus der Krippe in mir wächst. Ich denke, das wird es. Nein, ich denke es nicht nur, ich weiß es.

Und damit ich ab und zu hinschaue und anhalte im Alltag, werde ich die Figuren noch ein Weilchen stehen lassen. Einen Kerzenständer mit einer brennenden Kerze habe ich dazu gestellt. „Licht lockt Leute“, das gilt für die Kerze genauso wie für das Licht, das das Jesuskind in mir angezündet hat, es lockt mich hinzuschauen, was es noch erhellt.

Beate Späinghaus

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9 Antworten

  1. Mir geht es ähnlich. In der Advents - und Weihnachtszeit ist immer soviel Trubel mit Besuchen von alten und kranken Gemeindemitgliedern, und dann mehrere Auftritte und Proben mit dem Kirchenchor, dass ich oft gar nicht in eine besinnliche Stimmung zu kommen. Meine Weihnachtsdeko bleibt immer bis zum Ende des Weihnachtsfestkreises, also der 2.2. stehen. Ich trenne mich vom Weihnachtsbaum, wenn er nadelt, das ist dieses Jahr schon diese Woche, aber alles andere verpacke ich später (im Erzgebirge sind das mindestens fünf große Kartons). So nehme ich jedes Stück nochmal liebevoll in die Hand und denke daran, von wem die Figuren geschenkt oder vererbt wurden. Die Krippe steht meist bis zuletzt.

  2. Mir geht es ähnlich. In der Advents - und Weihnachtszeit ist immer soviel Trubel mit Besuchen von alten und kranken Gemeindemitgliedern, und dann mehrere Auftritte und Proben mit dem Kirchenchor, dass ich oft gar nicht in eine besinnliche Stimmung komme. Meine Weihnachtsdeko bleibt immer bis zum Ende des Weihnachtsfestkreises, also der 2.2. stehen. Ich trenne mich vom Weihnachtsbaum, wenn er nadelt, das ist dieses Jahr schon diese Woche, aber alles andere verpacke ich später (im Erzgebirge sind das mindestens fünf große Kartons). So nehme ich jedes Stück nochmal liebevoll in die Hand und denke daran, von wem die Figuren geschenkt oder vererbt wurden. Die Krippe steht meist bis zuletzt.

  3. Ja, so ist es,
    wir bleiben nicht bei dem Kind an der Krippe stehen...
    Die Geschichte geht weiter, auch mit uns. Der Alltag ist da, die Sorgen auch.
    Ich möchte weiter mit Jesus unterwegs sein, auch im vor mir liegenden Jahr.

    Heidi Schulte

  4. Gleich zu Anfang stolpere ich über den Begriff ASTROLOGEN.
    Es sind sicher Astronomen gemeint.
    Die Sternkonstellation zur Geburt Jesu war wissenschaftlich durchaus eine Besondere.

  5. Zu dem schönen Gedanken, dass Jesus in uns wachsen darf, ist mir das Gebet von Pierre Olivaint (1816-1871) eingefallen:
    Wachse, Jesus, wachse in mir, in meinem Geist, in meinem Herzen, in meiner Vorstellung, in meinen Sinnen.
    Wachse in mir in deiner Milde, in deiner Reinheit, in deiner Demut, deinem Eifer, deiner Liebe.
    Wachse in mir mit deiner Gnade, deinem Licht und deinem Frieden.
    Wachse in mir zur Verherrlichung deines Vaters, zur größeren Ehre Gottes.

  6. Liebe Frau Späinghaus,
    mir hat schon gleich die Überschrift gefallen: DIE KRIPPE BLEIBT. Selbst wenn die Krippenfiguren weggeräumt sind, haben wir sie doch noch in unserem Kopf und in unseren Herzen. Aber sicher, sie täglich vor den Augen zu haben, verstärkt die Erinnerung, welche großartige Bedeutung sie für uns hat.
    Ein reich gesegnetes Jahr wünsche ich Ihnen, dem Redaktionsteam und allen Lesern.
    Heidrun Hemmerling

  7. Das ist ein schöner Gedanke. Die Krippe darf ruhig länger stehen bleiben in dieser hektischen Zeit, auch als Erinnerung immer wieder zur Ruhe zu kommen und sich auf das Wesentliche zu besinnen.
    Schließlich geht die Weihnachtszeit auch bis zum 2. Februar.

  8. Liebe Frau Späinghaus!
    Auch ich hab etwas Besonderes mit meiner Krippe erlebt Habe zum 1.Mal letztes Jahr eine wunderschöne Holzktippe bestellt! Dachte auch wg.meinem Enkel.... Sie kam - oh Schreck - ohne Krippenfiguren an - doch dann konnten meine kleinen mini Radiergummikrippegiguren Einzug halten...
    Der ganze Anblick und besonders der beleuchtete Weihnachststern am Holzstall haben mich ermutigt und getröstet in der Adventszeit!
    Der Gedanke, dass die Weihnachtszeit bis zum 2.2.geht tröstet mich auch, denn die Krippe soll auch bei mir noch ein Weilchen bleiben!
    Liebe Grüße!

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