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Montag, 29.10.2018

Die kalte Schulter

Meine Tochter und ich hatten Streit. Sie hatte etwas angestellt und ich hatte sie dafür bestraft. Und zwar mit der Höchststrafe in den Augen unserer Kinder: Fernsehverbot. Jetzt war meine Tochter unglaublich wütend auf mich. Schreiend zog sie sich in ihr Zimmer zurück und knallte die Tür hinter sich zu.
Später ging ich zu ihr, um ihr eine gute Nacht zu wünschen. Im Türrahmen stehend fragte ich sie, ob wir uns nicht noch vertragen sollten. Doch ich bekam ein „Nein“ an den Kopf geschleudert. Dann fragte ich sie, ob es nicht furchtbar sei, den Tag im Streit und unversöhnt zu beenden. Meine Tochter lag auf ihrem Bett, den Kopf fest ins Kissen gedrückt. Trotzig sagte sie wieder „Nein“ und es hörte sich wie von ganz weit weg an. Also sagte ich ihr gute Nacht und dass ich sie lieb hätte. Dann, bevor ich die Tür geschlossen hatte, schlüpfte noch ein beleidigtes „Ich dich nicht!“ durch den Spalt.
Das saß. Ein Volltreffer in die Magengrube. Ich hatte die Deckung unten gehabt und wurde deshalb mit voller Wucht erwischt. Ich wusste, dass sie es nicht so gemeint hatte, und ich wusste auch, dass sie es nur gesagt hatte, weil sie wütend auf mich war. Trotzdem versetzte es mir einen Stich und schmerzte sehr.
Später musste ich daran denken, dass Gott dieses „Ich dich nicht!“ täglich ertragen muss. Er liebt die Menschen, bedingungslos. Doch viele erwidern diese Liebe nicht. Manche ignorieren sie einfach, andere treten sie mit Füßen. Wie sehr muss das Gott schmerzen, wie sehr macht es ihn wohl traurig? Und trotzdem hört er nicht auf, seinen Geschöpfen zuzusprechen, wie sehr er sie liebt.
„Seht doch, wie sehr uns der Vater geliebt hat! Seine Liebe ist so groß, dass er uns seine Kinder nennt – und wir sind es wirklich! Als seine Kinder sind wir Fremde für diese Welt, weil Gott für sie ein Fremder ist“ (1. Johannes 3,1).
Gott hört nicht auf, um seine Menschen zu werben, auch wenn manche das nicht verstehen. Denn er möchte das Beste für sie. Diese Tatsache lässt sich nicht auflösen. Man kann versuchen, sie zu ignorieren, doch das ändert nichts an seiner Liebe. Deshalb hört er sich weiterhin die vielen „Ich dich nicht“s an. Und freut sich umso mehr über ein „Ich dich auch!“.
Am nächsten Tag war alles wieder in Ordnung. Meine Tochter und ich sprachen noch einmal über den vorherigen Abend und versöhnten uns. An diesem Abend flüsterte sie das ersehnte „Ich dich auch!“ in mein Ohr, worauf ich sie fest an mich drückte und in Gedanken Gott von Herzen für seine Liebe zu uns dankte.

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5 Antworten

  1. Das geht zu Herzen, habe 5 Kinder und kenne das,
    trotz meiner Unvollkommenhait sagt Gott ja zu mir, das ist manchmal nicht zu glauben, aber wunderbar

  2. Hat mich sehr berührt, ich habe das auch mit meiner Tochter so ähnlich erlebt. Ich möchte, mit Ihrer Erlaubnis, diese Andacht im Religionsunterricht einsetzen.
    Vielen herzlichen Dank, Elke.

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