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Montag, 11.11.2019

Der Strickfehler

Vor einigen Monaten hatte ich mal wieder Lust aufs Stricken. Voller Freude fing ich mit einem Pulli an. Laut Anleitung sollte ich 110 Maschen anschlagen, was ich auch mit Enthusiasmus tat. Aus Erfahrung weiß ich, dass man sich beim Anschlagen leicht verzählen kann, zählte aber die Maschen nicht nach und strickte fröhlich weiter. In der Anleitung schaute ich nur ab und zu nach.
Ein Drittel des Rückenteils war fertig und ich bekam das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte. Nach ein paar Reihen verstand ich, dass ich einen Fehler weiterstrickte. Mein Trotz war aber größer, ich strickte stur weiter und sagte mir selbst: Der Fehler liegt an der Anleitung und nicht an mir.
Über die Hälfte des Rückenteils war gestrickt und ich begriff endlich, dass der Pulli eine Größe zu groß war. Es war mein Fehler: Beim Anschlagen hatte ich aus Versehen zu viele Maschen genommen. Bitter. Hätte ich gleich am Anfang nachgezählt, hätte ich meinen Fehler sofort beheben können. Doch das hatte ich nicht getan und ihn einfach ignoriert. Jetzt lag ein falsch gestrickter Pulli vor mir. Ich hatte so viel Zeit in einen Fehler investiert. Alles umsonst. Mein Enthusiasmus wurde mit inneren Tränen gelöscht.
Ich musste neu anfangen. Mit einem tiefen Seufzen verarbeitete ich mein ganzes Werk schnell zu einem Knäuel Wolle und schlug neue Maschen an. Anschließend zählte ich nach. Zweimal. Dann strickte ich nur noch nach Anleitung weiter.
Dabei wurde mir eine Parallele zum Leben deutlich: Wir Menschen fangen oft etwas Vernünftiges, Sinnvolles und Schönes an. Dabei übersehen wir den Anfangsfehler, ziehen aber unser Vorhaben mit Freude und Elan durch, obwohl wir das Gefühl haben, es läuft etwas falsch. Die Anleitung – die Bibel – bleibt auf der Seite liegen, das Gebet wird vernachlässigt. Doch unsere Selbstsicherheit wird nicht gesegnet. Denn eines Tages ist der Fehler deutlich zu sehen. Manchmal fließen dann bittere Tränen.
Es gibt nur einen Weg, alles wieder in Ordnung zu bringen: zurückzukehren und noch einmal anzufangen, dieses Mal aufmerksam. Mit Gebet und Bibel. Es lohnt sich.

Olga Eberhard

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3 Antworten

  1. Ein schönes, lebensnahes Beispiel.

    Danke für diesen anschaulichen Vergleich, der auch mich als bekennende Nicht-Strickerin angesprochen hat. 🙂

  2. Ja, wenn sich einmal die Gedanken im Karusell drehen sind sie so leicht nicht mehr zu stoppen. Auf gewohnten Bahnen und ausgetretenen Wegen laufe ich immer wieder diese "Gedankenwege". Oft kann ich diese Wege aus eigener Kraft nicht verlassen. Was für ein Vorrecht und Segen dass ich es mit Christus Jesus schaffe. Durch sein Wort, mein Gebet und letzendlich durch sein Reden und Eingreifen. Lob und Dank. IHM sei alle Ehre

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